> > > Dvorak, Antonin: Sinfonische Dichtungen op. 107-110
Dienstag, 9. August 2022

Dvorak, Antonin - Sinfonische Dichtungen op. 107-110

Waldtaube und Mittagshexe


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Sir Charles Mackerras' Einspielung der symphonischen Dichtungen von Antonín Dvořák gehört zu den gelungensten Aufnahmen. Wieder einmal überzeugt der Altmeister Mackerras.

Dass sich Antonín Dvořák nach seiner Rückkehr aus Amerika als gefeierter Sinfoniker und Komponist beliebter kammermusikalischer Werke und Opern auf die programmatisch grundierte Musik einließ und in einem kurzen Zeitraum fünf symphonische Dichtungen schrieb (aus denen das ‘Heldenlied’ in vielerlei Hinsicht etwas heraussticht und daher meist nicht zum engeren Kreis der symphonischen Dichtungen gezählt wird), stößt manchen sauer auf, die Dvořák im Sinne des zugespitzten ‚Parteienstreits‘ im 19. Jahrhundert ganz der Seite der ‚absoluten Musik‘ zuschlagen zu können glaubten. Auch heute noch erklingen Dvořáks symphonische Dichtungen im Konzert weitaus weniger häufig als die Sinfonien, besser: die kleine Auswahl der letzten vier Sinfonien. Auf dem Tonträgermarkt traten in den letzten Jahren einige Dirigenten für diesen vernachlässigten Schaffensbereich ein, etwa Simon Rattle mit einer Einspielung, die zwar die Berliner Philharmoniker in all ihren Klangschattierungen strahlen ließ, aber den großen Bogen zerbröseln ließ.

Der große Bogen, das stringente Zusammenbinden der musikalisch mal kontrastierenden, mal variierenden Abschnitte, ist in diesen farbigen Orchesterstücken nicht leicht herzustellen. Wer zu sehr auf instrumentatorische Details Wert legt, verliert allzu leicht den Überblick und lässt die symphonischen Dichtungen als Reihung unterschiedlicher Stationen erscheinen. Auf der anderen Seite: Die Herausarbeitung von Stimmungsunterschieden durch Betonung der schattierungsreichen Orchestrierung ist unerlässlich, um den musikalischen Charakteren und deren Entwicklung feinfühlig nachzuspüren. Sir Charles Mackerras meistert diesen schwierigen Balanceakt mit dem Tschechischen Philharmonischen Orchester mit Bravour. Eine jüngst bei Supraphon erschienene Einspielung vereinigt die symphonischen Dichtungen ‘Vodník’ (Der Wassermann) op. 107, ‘Polednice’ (Die Mittagshexe) op. 108, ‘Zlatý kolovrat’ (Das goldene Spinnrad) op. 109 und ‘Holoubek’ (Die Waldtaube’ op. 110, die ersten beiden Stück als Konzertmitschnitt (2008), ‘Die Waldtaube’, aufgenommen 2009 im Studio; ‘Das goldene Spinnrad’ (2001) fand sich bereits auf einer früheren Kopplung und wird hier wiederveröffentlicht.

Mit dem Tschechischen Philharmonischen Orchester hat Mackerras ein erstklassiges Orchester bei der Hand, das durchweg zu überzeugen vermag. Mehr noch: Vor allem in den Holzbläsern und den exzellenten Hörnern lässt sich keine farbigere und charakterstärker klingende Realisierung denken. Mackerras, Spezialist für tschechische Musik, weiß die mal feinen, mal schroffen Klangfarbenunterschiede effektvoll zur Geltung zu bringen, dabei stets auf sinfonischen Zusammenhang achtend. Das bedeutet, dass durch sinnvolle, dramaturgisch zwingende Tempogestaltung und Modellierung der musikalischen Charakterveränderungen des musikalischen Materials ein ebenso spannender wie einleuchtender musikalischer Verlauf gewährleistet ist. Mackerras tut gut daran, die langsamen, ruhigen Passagen nicht zu zerdehnen. Die orchestralen Gruppen sind meisterlich gewichtet, etwa in dem ausladenden ‘Goldenen Spinnrad’; solistische Passagen sind in ein homogenes orchestrales Gewebe eingebettet, das von stets präsenten Bässen grundiert wird. Damit bleibt an der harmonischen Grundlage keinerlei Zweifel, gleichzeitig bekommen die hohen Streicher und Holzbläser ein profundes, aber agiles Gegengewicht. Man könnte zahlreiche Einzelheiten herausgreifen, etwa den rhythmische Drive, den Mackerras zu entfachen versteht oder viele instrumentatorische Finessen, die hier mustergültig hörbar werden. Statt solchen Beschreibungen zu lesen, sollte man lieber die hervorragende Aufnahme hören, bei der auch in puncto Klangqualität keine Wünsche offen bleiben müssen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Dvorak, Antonin: Sinfonische Dichtungen op. 107-110

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
19.02.2010
Medium:
EAN:

CD
099925401221


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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