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Montag, 25. Oktober 2021

Keeping score - Ives. Holidays Symphony

Kollidierende Blaskapellen


Label/Verlag: San Francisco Symphony
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Aufwendige Einführung in eine Sinfonie von Charles Ives.

Das Projekt ,Keeping Score' der San Francisco Symphony hat sich zum Ziel gesetzt, Menschen jegliches Alters und jeglicher musikalischer Vorbildung für klassische Musik zu begeistern. Dazu gehört eine interaktive Internetseite, eine Radioserie, ein Ausbildungsprogramm für Lehrer, eine gleichnamige Fernsehserie und eine DVD-Edition. Fast jede der DVDs ist einer bedeutenden Orchesterkomposition der Musikgeschichte gewidmet. Der Dirigent der San Francisco Symphony, Michael Tilson Thomas, erläutert kenntnisreich und unterhaltsam Werke wie Berlioz' 'Symphonie fantastique', Beethovens ,Eroica' oder die Fünfte Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch. Es sind, wie die vorliegende Vorstellung der 'Holiday Symphony' von Charles Ives (eigentlich 'A Symphony: New England Holidays'), sehr aufwendige Produktionen, bei der neue Wege der bildlichen Darstellung gegangen wurden.

Erinnerungen

Kein Aufwand wurde gescheut, die Wurzeln des kompositorischen Hintergrunds von Charles Ives als Bild zu zeigen. Gedreht wurde nicht nur in der San Francisco Symphony, sondern auch an Originalschauplätzen wie dem Geburtsort Danbury in Connecticut. Für die DVD stellte man zwei Experimente des Vaters George Ives nach. In einem singt ein Junge ein amerikanisches Lied, so wie einst Charles Ives, während ihn Michael Tilson Thomas mit einer anderen Tonart am Klavier begleitet. Der Junge muss versuchen, die eigene Tonart zu halten. Im anderen Experiment marschieren zwei Marching Bands frontal aufeinander zu, vermischen sich, jedes einen eigenen Marsch spielend, lösen sich wieder. Es ist eine Sache, davon in einem musikhistorischen Lehrbuch zu lesen, und eine viel bessere, es, zumindest auf einer DVD, einmal selbst zu sehen und zu hören. Thomas umreißt in Worten und zeigt in Bildern die Herkunft Ives'. Nach Thomas spielte die Erinnerung eine wichtige Rolle in seinem Komponieren, das Bewahren vor dem Vergessen, denn mit der 'Holiday Symphony' wollte Ives Erinnerungen an Feiertage seine Kindheit bewahren. Andererseits stellte Ives wieder die große Frage nach dem Sinn unserer Existenz, würde mit der 'Holiday Symphony' auf das wesentliche in einer technisierten und schnelllebigen Zeit zeigen. Thomas führt geschickt (und ohne dass man merkt, wie viel man hier lernt) von den Erinnerungen, den Bildern zu Musik. Manches spielt er selbst am Flügel oder an der Orgel an, anderes lässt von einzelnen Musikern des Orchesters spielen, wieder andere Stellen spielt das ganze Orchester.

Schnelle Schnitte

Die DVD ist der beste Film über klassische Musik, den ich bisher gesehen habe. Sie ist aufwendig produziert, instruktiv und unterhaltend. Außerdem ist sie bildschön, der Film gut geschnitten. Als Bonusmaterial ist eine vollständige Aufführung der 'Holiday Symphony' zu hören und zu sehen. Auch hier wurden aufwendig neue Wege beschritten. Der Schnitt erfolgte live anhand der Partitur, mehrere Kameras mitten im Orchester ermöglichen eine Orchesterperspektive und die Sicht des Zuhörers auf die Instrumente, die gerade Hauptstimme oder andere wesentliche Töne spielen. Was bei Ives, der gern verschiedene Melodien gleichzeitig spielen lässt, zu ziemlich schnellen Schnitten führt.

Mit der Reihe ,Keeping Score' wurde ein neuer Standard gesetzt. Obwohl sie nicht synchronisiert wurde (aber deutsche Untertitel) sollte sie doch in keiner Sammlung guter Filme fehlen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:






Patrick Beck Kritik von Patrick Beck,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Keeping score: Ives. Holidays Symphony

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
San Francisco Symphony
1
04.11.2009
Medium:
EAN:

DVD
821936002490


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San Francisco Symphony

Das SAN FRANCISCO SYMPHONY Orchestra gab seine ersten Konzerte im Jahre 1911 und hat seitdem bei wachsender Publikumsbegeisterung unter einer Reihe von Dirigenten konzertiert: Henry Hadley, Alfred Hertz, Basil Cameron, Issay Dobrowen, Pierre Monteux, Enrique Jordá, Josef Krips, Seiji Ozawa, Edo de Waart, Herbert Blomstedt (nun zum Ehren-Dirigenten ernannt) und seit 1995 unter Michael Tilson Thomas. In den vergangenen Jahren konnte das San Francisco Symphony Orchestra einige der weltweit bedeutendsten Schallplatten-Preise gewinnen, wie den französichen Grand Prix du Disque, den britischen Gramophone Award und eine Reihe von Grammys für die Aufnahmen von Werken Brahms', Orffs, Prokofievs und Strawinskys. Die erste Aufnahme des Mahler-Zyklus', die 6. Sinfonie, erhielt 2002 den Grammy für die beste Orchesterproduktion des Jahres, die Aufnahme der 3. Sinfonie wurde 2003 mit dem Grammy der Kategorie "bestes klassisches Album" ausgezeichnet. 2006 wurden dem San Francisco Symphony Orchestra anlässlich der Aufnahme der 7. Sinfonie die beiden Grammys für die beste Orchesterproduktion und für das beste klassische Album des Jahres zuerkannt; die Aufnahme von Mahlers Achter wurde 2009 mit drei Grammys für das beste klassische Album, die beste Chorproduktion und das bestausgeführte klassische Album geehrt. 2004 wurde das multimediale Pädagogikprojekt Keeping Score im TV, auf DVD, über den Rundfunkt und die Website keepingscore.org lanciert.

Für das Label RCA Red Seal hat das SFS unter Michael Tilson Thomas auch Berlioz' Symphonie fantastique, zwei Copland-Alben, eine musikalische Auswahl von Charles Ives und eine Gershwin-Sammlung aufgenommen, die das Programm der Eröffnungsgala der Saison 1998 in der Carnegie Hall New York enthält. Die Celebration of Leonard Bernstein, eine Live-Aufnahme der Carnegie Hall-Eröffnungsgala von 2008, wurde bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt und ist auf DVD erhältlich.

Das San Francisco Symphony Orchestra ist regelmäßig in den USA, Europa und Asien zu hören und debütierte 1990 mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen und beim Lucerne Festival. 1980 übersiedelte das Orchester in die neu erbaute Louise M. Davies Symphony Hall. Im selben Jahr wurde zusätzlich das San Francisco Jugendsymphonie-Orchester gegründet. Der San Francisco Symphony Chorus ist auf dem Soundtrack der drei weltbekannten Filme "Amadeus", "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" und "Der Pate III" zu hören. Das San Francisco Symphony Orchestra hat nicht nur im Jahre 1926 als erstes amerikanisches Orchester überhaupt im Radio symphonische Musik aufgeführt, sondern wird auch noch heute überall in den USA gern gehört und leistet durch seine künstlerische Vielfalt einen wesentlichen Beitrag zum amerikanischen Musikleben.


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