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Montag, 25. Oktober 2021

Keeping score - Schostakowitsch. Sinfonie Nr. 5

Gewöhnungsbedürftige Präsentation


Label/Verlag: San Francisco Symphony
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Interessant ist vor allem die Einführung in Schostakowitschs Musik. Etwas eigenwillig, aber profund wird man informiert über die Hintergründe der beliebten Fünften Symphonie.

Er lässt sich gerne als MTT abkürzen: Unter dem Titel ‚Keeping Score‘ läuft eine DVD-Reihe mit Michael Tilson Thomas und seinem San Francisco Symphony Orchestra. Das besondere daran: Der Dirigent selbst erklärt ausführlich das jeweilige Werk. In diesem Fall bedeutet das einen 55-minütigen Film über die Fünfte Symphonie von Dmitrij Schostakowitsch.

Tilson Thomas präsentiert seine Erklärungen auch vor Konzerten, aber dies ist nicht einfach eine Aufzeichnung eines solchen musikalischen Vortrags, sondern eine mit allen filmischen Mitteln sorgfältig produzierte Dokumentation. Da wird historisches Bildmaterial aus der Sowjetunion gezeigt, teilweise in sehr schnellen Schnitten zur Musik Schostakowitschs. Russische Musiker des San Francisco Symphony Orchestra kommen mit ihren persönlichen Meinungen zu Wort.

Doch im Mittelpunkt steht immer MTT. Man sieht ihn am Klavier, vor Ort in St. Petersburg, mit dicker Mütze im alten Auto, am Pult seines Orchesters. Sein Verdienst liegt darin, die Bedeutung der Musik besonders lebendig werden zu lassen. Neue Erkenntnisse oder solche, die man nicht auch in ein (hier nicht vorhandenes) Beiheft schreiben könnte, darf man hingegen nicht erwarten. In diesem Fall ist sein Hauptanliegen, die Symphonie nicht als triumphales Werk im Geiste der sowjetischen Machthaber missverstanden zu wissen. Tatsächlich gibt es wohl kaum eine Werkeinführung, in der das nicht nachzulesen wäre. Zudem ist seine Art der Präsentation manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, man ist versucht zu sagen: sehr amerikanisch. So erscheint MTT als dauergrinsender Sunnyboy, auch dann, wenn er von schlimmen Repressalien des Regimes gegenüber Künstlern spricht. Auffällig zudem, dass Tilson Thomas völlig auf ‚authentische‘ Stimmen verzichtet. Weder wird Schostakowitsch selbst zitiert, noch kommen irgendwelche Weggefährten des Komponisten zu Wort. Die Ausführungen sind zwar trotzdem profund, dennoch darf man das wohl als ernstzunehmendes Manko werten.

Äußerlich perfekt

Die Aufführung der Symphonie selbst ist ein Konzertmitschnitt aus der Londoner Royal Albert Hall von den Proms 2007. Über weite Strecken wirkt das Werk hier wie ein Paradestück für das Orchester. Es gibt viel Glanz, aber vielleicht weniger innere Anteilnahme. Michael Tilson Thomas am Pult verstärkt diese Tendenz: Er wippt und verrenkt sich beim Dirigat. Düstere Farben – die Symphonie enthält sie ja durchaus – kommen etwas kurz. Das ‚Herausschreien‘ eines ‚schrecklichen Klageliedes‘ (Zitat aus dem Film) haben andere Orchester ebenfalls eindringlicher geliefert. Allerdings, das muss man eingestehen, meistert das San Francisco Symphony Orchestra auch die heikelsten Stellen mit erstaunlicher Perfektion, die man bei einem Konzertmitschnitt so sicher nicht immer erwarten darf. Musikalische Stärken weist die Interpretation des langsamen Satzes auf. Michael Tilson Thomas lässt seine Musiker den Trauergesang ruhig, breit und schnörkellos aussingen, und die Solisten spielen ihren Part bestechend schön.

Der Klang der Produktion ist angenehm, gut jedenfalls für einen Fernseh-Konzertmitschnitt. Außer Film und Konzert enthält die DVD Trailer zu weiteren ‚Keeping Score‘-Produktionen und einen kurzen Film über die Entstehung der Filmaufzeichnung der Reihe.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Features:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Keeping score: Schostakowitsch. Sinfonie Nr. 5

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
San Francisco Symphony
1
04.11.2009
Medium:
EAN:
DVD
821936002698

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San Francisco Symphony

Das SAN FRANCISCO SYMPHONY Orchestra gab seine ersten Konzerte im Jahre 1911 und hat seitdem bei wachsender Publikumsbegeisterung unter einer Reihe von Dirigenten konzertiert: Henry Hadley, Alfred Hertz, Basil Cameron, Issay Dobrowen, Pierre Monteux, Enrique Jordá, Josef Krips, Seiji Ozawa, Edo de Waart, Herbert Blomstedt (nun zum Ehren-Dirigenten ernannt) und seit 1995 unter Michael Tilson Thomas. In den vergangenen Jahren konnte das San Francisco Symphony Orchestra einige der weltweit bedeutendsten Schallplatten-Preise gewinnen, wie den französichen Grand Prix du Disque, den britischen Gramophone Award und eine Reihe von Grammys für die Aufnahmen von Werken Brahms', Orffs, Prokofievs und Strawinskys. Die erste Aufnahme des Mahler-Zyklus', die 6. Sinfonie, erhielt 2002 den Grammy für die beste Orchesterproduktion des Jahres, die Aufnahme der 3. Sinfonie wurde 2003 mit dem Grammy der Kategorie "bestes klassisches Album" ausgezeichnet. 2006 wurden dem San Francisco Symphony Orchestra anlässlich der Aufnahme der 7. Sinfonie die beiden Grammys für die beste Orchesterproduktion und für das beste klassische Album des Jahres zuerkannt; die Aufnahme von Mahlers Achter wurde 2009 mit drei Grammys für das beste klassische Album, die beste Chorproduktion und das bestausgeführte klassische Album geehrt. 2004 wurde das multimediale Pädagogikprojekt Keeping Score im TV, auf DVD, über den Rundfunkt und die Website keepingscore.org lanciert.

Für das Label RCA Red Seal hat das SFS unter Michael Tilson Thomas auch Berlioz' Symphonie fantastique, zwei Copland-Alben, eine musikalische Auswahl von Charles Ives und eine Gershwin-Sammlung aufgenommen, die das Programm der Eröffnungsgala der Saison 1998 in der Carnegie Hall New York enthält. Die Celebration of Leonard Bernstein, eine Live-Aufnahme der Carnegie Hall-Eröffnungsgala von 2008, wurde bundesweit im Fernsehen ausgestrahlt und ist auf DVD erhältlich.

Das San Francisco Symphony Orchestra ist regelmäßig in den USA, Europa und Asien zu hören und debütierte 1990 mit großem Erfolg bei den Salzburger Festspielen und beim Lucerne Festival. 1980 übersiedelte das Orchester in die neu erbaute Louise M. Davies Symphony Hall. Im selben Jahr wurde zusätzlich das San Francisco Jugendsymphonie-Orchester gegründet. Der San Francisco Symphony Chorus ist auf dem Soundtrack der drei weltbekannten Filme "Amadeus", "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" und "Der Pate III" zu hören. Das San Francisco Symphony Orchestra hat nicht nur im Jahre 1926 als erstes amerikanisches Orchester überhaupt im Radio symphonische Musik aufgeführt, sondern wird auch noch heute überall in den USA gern gehört und leistet durch seine künstlerische Vielfalt einen wesentlichen Beitrag zum amerikanischen Musikleben.


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