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Mittwoch, 21. August 2019

Luigi Manzotti/Romualdo Marenco - Excelsior

Es lebe der Fortschritt!


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ballett 'Excelsior' feiert den Sieg des menschlichen Geistes und seine Erfindungen.

'Excelsior', das Ballett-Spektakel aus Mailand, kennt man hierzulande so gut wie gar nicht. Und auch in Italien, wo es einst der Renner war, wird es nur noch an der Scala aufgeführt. Aber, wie gewohnt an diesem Haus, in höchster Qualität. Da lassen sich manche Banalitäten sogar regelrecht genießen.

'Excelsior', ein Spektakel ungeahnten Ausmaßes mit 500 Mitwirkenden, Pferden und Elefanten auf der Bühne, wurde nach einem Libretto von Luigi Manzotti mit der Musik von Romualdo Marenco im Januar 1881 an der Mailänder Scala uraufgeführt: ein Riesenerfolg, über 100 Vorstellungen, weitere Einstudierungen, nicht immer mit gleichem Aufwand, an der Scala bis 1916. In Paris wurde mit 'Excelsior' 1883 das Eden Theater eröffnet, damals das größte und modernste der Hauptstadt Frankreichs, zwei Jahre später waren die Londoner hin und weg; das Stück wurde in Her Majesty’s Theatre aufgeführt. Aber dann, nach dem Ersten Weltkrieg, wurde es still um das große Ballett-Spektakel des Fortschritts und der hymnischen menschlichen Verbrüderung. Als Fassung für Marionettentheater wurde es in Italien zu einer Art Kultstück, aber das war 1956 vorbei, als das Marionetten-Theater in Mailand schloss. Doch dann, knapp zehn Jahre später, war es in Florenz in neuer Fassung von Fiorenzo Carpi und Bruno Nicolai zur 30. Auflage des berühmten Festivals ‚Maggio musicale fiorentino’ wieder da und wurde als getanztes Dokument italienischer Kultur vom Ende des 19. Jahrhunderts gefeiert. 'Excelsior' gab es dann an verschiedenen Theatern Italiens, seit 1975 auch wieder an der Scala. Nach längerer Pause wurde es in der Saison 2001/2002 wieder aufgenommen; der Mitschnitt einer Aufführung von 2002 liegt hier als DVD vor.

Und worum geht es? Kurz gesagt um den Kampf zwischen Licht und Finsternis. Und es ist unschwer zu erraten, dass die Finsternis am Ende unterliegt. Licht und Finsternis, das sind zwei allegorische Gestalten, wunderbar getanzt von Marta Romagna und Riccardo Massimi in bester neoklassischer Manier mit ein paar Anleihen aus der Kunst des Ausdruckstanzes. Riccardo Massimi als eine Art schwarzer Orpheus, vom Kostüm her auch an Gevatter Tod erinnernd, versucht immer wieder, das Licht des Fortschritts zu behindern, auszulöschen, die Menschheit daran zu hindern, die großen Erfindungen zu feiern. Nicht schwer zu erraten, dass er in einer Lichtgestalt eine starke Gegnerin hat, die – auch das konnte man erwarten – am Ende siegt.

Was in der Dunkelheit der spanischen Inquisition beginnt, endet nach der Erfindung der Dampfschifffahrt, dem Bau der Brooklyn Bridge in New York, Alessandro Voltas Erfindung der Elektrizität, einem Sieg über die Naturgewalten eines Wüstensturmes, dem Bau des Suez-Kanals und der letzten Sprengung beim Bau des Tunnels durch den Censio, der Verbindung Frankreichs mit Italien – mit der Apotheose des menschlichen Geistes. Und weil es auch um die Befreiung der Menschheit geht, gibt es einen kraftvollen Sklaven, von keinem Geringeren als Roberto Bolle getanzt, der natürlich mit einer Lichtgestalt des Tanzes, wie sie die Romagna ist, einen Grand Pas de deux vom Feinsten präsentiert. Diese getanzte Hommage an den Fortschritt, getragen von pathetischen Idealen der Weltverbrüderung, bietet natürlich beste Anlässe für entsprechende folkloristisch geprägte Szenen in der Art üppiger Divertissements. Da nimmt man schon mal manche der unkritischen Banalitäten des Fortschrittsglaubens gerne hin, die uns aus heutiger Sicht geradezu blauäugig erscheinen mögen, aber am Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts von großer Bedeutung gewesen sein müssen.

Getanzt wird in der choreografischen Einstudierung von Ugo Dell’Ara wie eigentlich immer an der Scala, nämlich hervorragend. Elefanten und Pferde gibt es nicht mehr auf der Bühne, dafür aber ein opulentes Bühnenbild und ebenso prächtige Kostüme. Die Aufzüge mit den Fahnen der Weltnationen erinnern aber doch ein wenig sehr an Großveranstaltungen des Sports. Die Musik strotzt nicht grade vor genialen Einfällen, erfüllt ihren Zweck und wird unter der Leitung von David Coleman ansprechend gespielt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Luigi Manzotti/Romualdo Marenco: Excelsior

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
11.01.2010
120:00
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
807280711592
107 115


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Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


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