> > > Beethoven, Ludwig van: Fidelio
Samstag, 19. Oktober 2019

Beethoven, Ludwig van - Fidelio

Aus der Dunkelheit zum Licht


Label/Verlag: Arthaus Musik
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Musik und Schauspiel auf hohem Niveau: Regisseur Jürgen Flimm und Dirigent Nikolaus Harnoncourt legten 2004 eine szenisch kargen, aber musikalisch leuchtenden 'Fidelio' vor.

Düster und karg ist dieser 'Fidelio' nur im Hinblick auf die Szene; musikalisch ist diese 2004 im Opernhaus Zürich aufgeführte Inszenierung farbenreich funkelnd und intensiv. Die Regie Jürgen Flimms überzeugt mit einer differenzierten Personenführung, die zugleich immer Charakterzeichnung ist. Die Kostüme (Marianne Glittenberg) verorten das Geschehen in der Zeit Beethovens, das von Rolf Glittenberg entworfene Bühnenbild ist so einfach, ja dezent gehalten, dass es zwar keinen sonderlich tiefen Eindruck hinterlässt (mit Ausnahme der Kerkerszene), aber auch, und das ist das Gute, die Aufmerksamkeit völlig auf Musik und Schauspiel lenkt.

Nikolaus Harnoncourt leitet das transparent und plastisch musizierende, hauseigene Orchester mit Verve und einer beeindruckenden Umsicht. Eine elektrisierende Spannung verbreitet sogleich die Ouvertüre (die denn auch mit begeistertem Beifall bedacht wird); dass das Schlusstutti im packenden Finale etwas unausgewogen und schlicht zu schnell dargeboten wird, fällt dagegen nicht weiter ins Gewicht. Superb, wie gefühlvoll die Hörner Fidelios, d.h. Leonores Arie 'Komm, Hoffnung, lass den letzten Stern' begleiten. Die Sopranistin Camilla Nylund liefert ein ergreifendes Porträt Leonores, die, als Fidelio verkleidet, ihren eingekerkerten Gatten Florestan vor dem Tod errettet; geradezu entfesselt ist ihr – stets sicher artikulierter, ausgewogener – Gesang, als sie sich zu erkennen gibt. Marzelline, die Tochter des Kerkermeisters Rocco, den László Polgár mit schwammiger Diktion und etwas unrundem Bass, aber nicht ohne Bühnenpräsenz gibt, bleibt am Ende als einziges Opfer zurück: Denn Fidelio war ihr zum Mann versprochen. Dass Marzelline (glaubwürdig: Elizabeth Rae Magnuson) sich während des finalen, von hohem Ethos getragenen Jubels erschießen möchte, ist da nur konsequent. Christoph Strehls solider Jaquino, der Marzelline liebt, kann sie gerade noch davon abhalten.

Hand in Hand stehen Leonore und Florestan vor dem nun ins Licht getauchten Chor der Befreiten (den Ernst Raffelsberger hervorragend einstudiert hat). Jonas Kaufmann gibt hier sein Rollendebüt als Florestan. Sein nobler, gut geführter Tenor macht deutlich, dass die geschundene Kreatur, die im Kerker auf den Tod wartet, ihre Menschlichkeit nicht verloren hat. Seine Arie 'Gott! Welch Dunkel hier', nach der kompromisslosen Introduktion zum zweiten Akt, ist zweifelsohne einer der Höhepunkte der Aufführung. Eingesperrt hat ihn Pizarro, der ihn nun, da der Minister eine Untersuchung anberaumt hat, eigenhändig zu ermorden sucht. Alfred Muffs Tyrann ist fraglos präsent – und doch bleiben Pizarros Boshaftigkeit und Verschlagenheit seltsam undefiniert. Er wird nicht abgeführt, sondern, als er inmitten des Chors umherirrt, erschossen, was leider vollständig untergeht und die einzige verschenkte Idee der Regie ist. Muffs beweglicher Bariton bereichert die Ensembles, die sämtlich ausgeglichen und klangschön sind wie etwa das duftig sich entfaltende Quartett 'Mir ist so wunderbar'. Die wenigen Dialoge und Monologe, die Beethovens hier in der endgültigen, dritten Fassung vorliegende Oper in die Tradition des Singspiels einordnen, fügen sich nahtlos ein. Günther Groissböck als Don Fernando, Idealgestalt des aufgeklärten Politikers, bestätigt das hohe Niveau dieser Aufführung.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Beethoven, Ludwig van: Fidelio

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Arthaus Musik
1
11.01.2010
134:00
2004
Medium:
EAN:
BestellNr.:

DVD
807280711196
107 111


Cover vergössern

Arthaus Musik

Arthaus Musik wurde im März 2000 in München gegründet und hat seit 2007 seinen Firmensitz in Halle (Saale), der Geburtsstadt Georg Friedrich Händels.

Das Pionierlabel für Klassik auf DVD veröffentlicht nunmehr seit 13 Jahren hochkarätige Aufzeichnungen von Opern, Balletten, klassischen Konzerten, Jazz, Theaterinszenierungen sowie ausgesuchte Dokumentationen über Musik und Kunst. Mit bis zu 150 Veröffentlichungen pro Jahr sind bisher über 1000 Titel auf DVD und Blu-ray erschienen. Damit bietet Arthaus Musik den weltweit umfangreichsten Katalog von audiovisuellen Musik- und Kunstproduktionen und ist seit Gründung des Labels international führender Anbieter in diesem Segment des Home Entertainment Marktes.

In vielen referenzgültigen Aufzeichnungen sind die größten Künstler unserer Zeit wie auch aus vergangenen Tagen zu hören und zu sehen. Unter den Veröffentlichungen finden sich Aufnahmen mit Plácido Domingo, Cecilia Bartoli, Luciano Pavarotti, Maria Callas, Jonas Kaufmann, Elīna Garanča; mit Dirigenten wie Carlos Kleiber, Claudio Abbado, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Pierre Boulez, Zubin Mehta; aus Opernhäusern wie der Mailänder Scala, der Wiener Staatsoper, dem Royal Opera House Covent Garden, der Opéra National de Paris , der Staatsoper Unter den Linden, der Deutschen Oper Berlin und dem Opernhaus Zürich.

Zahlreiche Veröffentlichungen des Labels wurden mit internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der Oscar-prämierte Animationsfilm ?Peter & der Wolf? von Suzie Templeton, die aufwändig produzierte ?Walter-Felsenstein-Edition? und die von Sasha Waltz choreographierte Oper ?Dido und Aeneas?, die beide den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielten. Mit dem Midem Classical Award wurden u. a. die Dokumentationen ?Herbert von Karajan ? Maestro for the Screen? von Georg Wübbolt und ?Celibidache ? You don?t do anything, you let it evolve? von Jan Schmidt-Garre ausgezeichnet. Die Dokumentation ?Carlos Kleiber ? Traces to nowhere? von Eric Schulz erhielt den ECHO Klassik 2011.

Mit der Tochterfirma Monarda Arts besitzt Arthaus Musik eine ca. 900 Produktionen umfassende Rechtebibliothek zur DVD-, TV- und Onlineauswertung. Seit 2007 entwickelt das Unternehmen kontinuierlich die Sparte Eigenproduktion mit der Aufzeichnung von Opern, Konzerten, Balletten und der Produktion von Kunst- und Musikdokumentationen weiter.

Arthaus Musik DVDs und Blu-ray Discs werden über ein leistungsfähiges Vertriebsnetz, u.a. in Kooperation mit Naxos Global Distribution in ca. 70 Ländern der Welt aktiv vertrieben. Darüber hinaus veröffentlicht und vertreibt Arthaus Musik die 3sat-DVD-Edition und betreut für den Buchhandel u.a. die Buch- und DVD-Edition über Pina Bausch von L’Arche Editeur, Preisträger des Prix de l’Académie de Berlin 2010.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Arthaus Musik:

  • Zur Kritik... Ballett-Ikone: Dieser Film entwirft ein spannendes – wenn auch ein wenig in die Jahre gekommenes – Porträt von John Neumeier. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Beeindruckendes Gesamtporträt: Fast non-stop dirigierte Valery Gergiev 20 der bedeutendsten Werke von Prokofjew in Moskau und St. Petersburg. Ein Filmteam schnitt mit und produzierte zusätzlich eine TV-Doku. So entstand ein umfassendes Prokofjew-Porträt. Weiter...
    (Christiane Franke, )
  • Zur Kritik... Generationenwechsel: Aus der historischen Distanz erweist sich die Salzburger 'Zauberflöte' 1982 als nicht ganz so gut wie seinerzeit von der Presse gepriesen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
blättern

Alle Kritiken von Arthaus Musik...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Dennis Roth:

  • Zur Kritik... Zu verbindlich: Die Deutsche Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller und die chinesische Geigerin Tianwa Yang widmen sich Wolfgang Rihms Werken für Violine und Orchester. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Monumentaler Mahler: Mariss Jansons und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentieren Mahlers Zweite Sinfonie auf höchstem Niveau. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
  • Zur Kritik... Ausdruckstiefes Meisterwerk: Wolfgang Rihms 2017 uraufgeführte 'Requiem-Strophen' in einer geradezu mustergültigen Interpretation unter der Leitung von Mariss Jansons. Weiter...
    (Dr. Dennis Roth, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Dennis Roth...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Unbekanntes aus England: John Eccles und Gottfried Finger waren produktive Komponisten für Schauspielmusiken für das New Theatre Lincoln's Inn in London. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Das alternative Brahms-Erlebnis mit Otto Klemperer: Bevor Otto Klemperer die Brahms-Symphonien für EMI in London im Studio einspielte und damit einen Meilenstein der Brahms-Diskografie schuf, dirigierte er die Vierte 1957 live in München. Jetzt wurde der Mitschnitt neu remastered auf CD veröffentlicht. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
  • Zur Kritik... Klarer Anschlag: Oliver Triendl hat zusammen mit dem Orchester der norwegischen Stadt Kristiansand unter Hermann Bäumer drei hörenswerte Klavierkonzerte von Julius Röntgen eingespielt. Weiter...
    (Jan Kampmeier, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (10/2019) herunterladen (3600 KByte) Class aktuell (3/2019) herunterladen (8670 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Cipriano de Rore: Missa Vivat Felix Hercules & Motets - Exaudiat me Dominus

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

Liv Migdal im Portrait "Man spielt mit den Ohren!"
Liv Migdal im Gespräch mit klassik.com.

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich