> > > Schubert, Franz: Klaviertrio B - Dur DV. 898
Montag, 6. Dezember 2021

Schubert, Franz - Klaviertrio B - Dur DV. 898

Unaufdringlichkeit als Qualitätsmerkmal


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Insgesamt liegt hier eine Aufnahme vor, die sich von anderen durch seine weiche, insgesamt überzeugende Interpretation unterscheidet.

Mit dieser CD legt das Max Brod Trio eine sehr schöne Aufnahme vor, die dem lyrischen Klaviertrio in B-Dur D898 und dem hier anschließenden, nachdenklichen 'Notturno' D897 weitestgehend gerecht wird. Das Zusammenspiel von Kerstin Straßburg (Klavier), Petr Matěják (Violine) und Maximilian von Pfeil (Violoncello) ist durchgängig transparent, so dass die Einzelstimmen präsent wirken, aber trotzdem die führende Stimme durch einfühlsame Begleitung herausgearbeitet ist. Die verschiedenen Charaktere der einzelnen Sätze und innerhalb der Sätze sind sowohl in Phrasierung als auch Gestaltung nachvollziehbar und angenehm unaufdringlich nachgezeichnet. So ist zum Beispiel der Anfang des Trios sozusagen gewaltlos gewaltig; die Musiker erliegen nicht der Gefahr, das Stück durch Akzentgebung oder Ähnliches zu überfrachten. Das anschließende 'Andante', das einen viel ruhigeren Charakter besitzt, lebt von den schön gehaltenen Spannungsbögen und den natürlich wirkenden Übergängen zwischen den Stimmen bzw. zwischen Streichern und Klavier.

Etwas lahm ist leider das Scherzo geraten, was nicht am Tempo liegt, das völlig stimmig ist. Hier ist vielmehr aus der Unaufdringlichkeit eine Einebnung geworden, so dass der tänzerische Scherzo-Charakter verloren gegangen ist. Im vierten Satz, einem Rondo, sind die verschiedenen Abschnitte sehr schön gegeneinander abgegrenzt: das wiederkehrende Thema romantisch-verspielt, die Zwischenteile auch schon mal fulminant-bestimmt. Sehr angenehm auch die Dynamik. Das Max Brod Trio hat das Kunststück fertiggebracht, der Dynamik zu folgen, ohne sie zu übertreiben. Besonders deutlich wird das im 'Notturno', das ständig die Dynamik wechselt und in der Interpretation des Trios wie große Wellen ohne Kamm dahin gleitet.

Für den Begleittext im Booklet konnte Dr. Michael Kube gewonnen werden, Mitglied der Editionsleitung der Neuen Schubert-Ausgabe und somit ein Experte für Schubert. Er nimmt eine fundierte gattungsgeschichtliche Einordnung des Klaviertrios in die Kammermusik der Wiener Klassik vor, behandelt zudem die Bedeutung von D898 und D897 im Kammermusikwerk Schuberts und beschreibt beide Werke auch inhaltlich. Auch die sonstige Aufmachung des Booklets ist sehr sachlich gehalten und enthält eine kurze Information über das Max Brod Trio und das Konzept des Labels MDG.

Insgesamt liegt hier eine Aufnahme vor, die sich von anderen durch seine weiche, insgesamt überzeugende Interpretation unterscheidet und damit der Auffassung Robert Schumanns folgt, der über das Klaviertrio gesagt hat, es sei ‚leidend, weiblich, lyrisch‘.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Swantje Gerking Kritik von Swantje Gerking,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schubert, Franz: Klaviertrio B - Dur DV. 898

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
MDG
1
20.01.2010
Medium:
EAN:

CD
760623160825


Cover vergössern

MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag MDG:

blättern

Alle Kritiken von MDG...

Weitere CD-Besprechungen von Swantje Gerking:

  • Zur Kritik... Moderne Intavolierung: Bearbeitungen mögen dem einen oder anderen ein Dorn im Auge sein. Aber es gibt immer wieder Beispiele für erfolgreiche Transkriptionen - so auch die neue CD, die der Cembalist Ludger Rémy bei Celestial Harmonies eingespielt hat. Weiter...
    (Swantje Gerking, )
  • Zur Kritik... Starke Intonation, schwache Artikulation: Geistliche und weltliche Chorwerke von Francis Poulenc hat sich der Swedish Radio Choir unter der Leitung von Peter Dijkstra vorgenommen. Die Aufnahme besticht durch eine feinsinnige Interpretation, hat aber trotzdem ihre Schwächen. Weiter...
    (Swantje Gerking, )
  • Zur Kritik... Lohnenswerte Wiederentdeckung einer Cellistin: Auch die zweite von der Musikedition Hastedt veröffentlichte CD mit Aufnahmen der Cellistin Anja Thauer ist ein bemerkenswertes Zeugnis der musikalischen Reife jener heute fast vergessenen Interpretin. Weiter...
    (Swantje Gerking, )
blättern

Alle Kritiken von Swantje Gerking...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Bach mit Herz und Seele: Claire Huangci empfiehlt sich mit ihrem neuen Album für weitere Bach-Aufgaben. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Nebenschauplatz: Als Klavierkomponist hat Edward Gregson nur bedingt nachhaltige Bedeutung. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Brahms ohne Schrei – aber als Trost im Lockdown: Emmanuel Despax realisiert mit engen Vertrauten seinen Jugendtraum, Brahms' 1. Klavierkonzert aufzunehmen. Und liefert eine im Lockdown entstandene Interpretation von 16 vierhändigen Walzern mit Ehefrau Miho Kawashima hinterher. Weiter...
    (Dr. Kevin Clarke, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

IMMA

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich