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Samstag, 15. Dezember 2018

Händel, Georg Friedrich - Alexander´ s Feast

Leider zu brav


Label/Verlag: ORF
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die ORF Edition Alte Musik präsentiert Georg Friedrich Händels 'Alexander's Feast', ausgeführt vom Ensemble Barucco und dem Kammerchor der Wiener Singakademie unter Heinz Ferlesch, aus dem Jahr 2009. Es wird zwar gut musiziert, aber leider viel zu brav.

Die Ode 'Alexander’s Feast' gehört zu den zu Lebzeiten erfolgreichsten Werken Händels. In ihrer Aufführungszahl einzig übertroffen durch 'Acis and Galathea' und 'Messiah' rangiert das Werk, das als zweiten Titel ‚The Power of Musick‘ trägt, auf Platz drei der Beliebtheitsskala und es ist auch durchaus nachzuvollziehen, warum. In ein durchaus als pastoral zu bezeichnendes Klanggewand verpackt Händel die festliche Feierlichkeit rund um den Sieg Alexanders des Großen über die Stadt Persepolis, der sich in der Dichtung von John Dryden zum Loblied auf die christliche Heilige Cäcilia auswächst. Ein Loblied auf die Musik in bewegender und anrührender Gestalt.

Bei den Internationalen Barocktagen des Jahres 2009 im Stift Melk nahmen sich nun das österreichische Originalklangensemble Barucco gemeinsam mit dem Kammerchor der traditionsreichen Wiener Singakademie unter Leitung von Heinz Ferlesch dieses Werkes an. Auf der vorliegenden Aufnahme ist dieses Konzert in einem soliden Klangbild dokumentiert. Was nur etwas verwundert, ist der Umstand, dass eine Formation, die sich die Historische Aufführungspraxis auf die Fahnen geschrieben hat, so wenig dazu tut, eine historisch informierte Interpretation zu liefern. Was auf dieser Einspielung erklingt, ist lediglich die Ode ohne Hinzufügung der begleitenden Konzerte oder des gleichnamigen Concerto grosso C-Dur (HWV 318). Reizvoll wäre es sicher auch gewesen, dem weder abend- noch zwei CDs füllenden Werk seinen später von Händel hinzugefügten dritten Teil 'The Choice of Hercules' (HWV 69) anzuhängen (was leider auf keiner Aufnahme dieses Werkes gemacht wird). Doch dieser Aspekt soll die Beurteilung dieser Einspielung nicht beeinträchtigen.

Finesse und Biederkeit

Was vielmehr an der vorliegenden CD-Box betrüben muss, ist die fast schon als bieder zu bezeichnende Interpretation, die Heinz Ferlesch dieser Ode, die doch die Kraft der Musik veranschaulichen soll, angedeihen lässt. So richtig möchte der Funke da nicht zünden. Fast schon romantisierend läuft der erste Teil des Oratoriums ab. Die Tempi wirken teilweise uninspiriert und plätschern so dahin. Dies vermag auch nicht der Aspekt aufzuwiegen, dass die Musiker von Barucco mit viel Geschmack und Finesse musizieren und dabei noch perfekt harmonisieren. Ganz anders fühlt sich dann der zweite Teil an, der nach eröffnendem Rezitativ mit dem Chor 'Break his bands of sleep asunder' endlich den Knoten platzen lässt. Es wird immer noch mit großer Klangschönheit musiziert, aber Ferlesch schöpft aus den Vollen und packt auch bei den Tempi mehr zu.

Leider ist diese Aufnahme auch bei den Solisten nicht ganz auf der Plusseite anzusiedeln. Allerdings können die Herren mehr überzeugen als die einzige Dame im Solistenensemble. Die durchaus verdienstvolle Sopranistin Andrea Lauren Brown, die zahlreiche Raritäten mit eingespielt hat, hat man sicherlich schon stärker erlebt. Ihre Intonation mangelt es zum Teil an Sauberkeit, und die hohe Lage wirkt erstaunlich angestrengt. Ganz anderes kann da von Tenor Markus Brutscher behauptet werden, der sich als Idealbesetzung für seine Partie erweist, da er mit viel Einfühlungsvermögen seine Erzählungen in Rezitativform gestaltet. Auch der Bass Günter Haumer weiß auf dieser Einspielung zu überzeugen. Besonders markig gelingt ihm die Arie 'Revenge, revenge', die er zum Höhepunkt des zweiten Teils des Oratoriums macht.

Zuletzt noch einige Worte zum Kammerchor der Wiener Singakademie. Der durch den Konzertbetrieb des Wiener Konzerthaus gestählte, sich auf hohem Niveau bewegende Laienchor macht in dieser Einspielung von 'Alexander’s Feast' durchgehend eine gute Figur. Ferlesch hat bei der Einstudierung wirklich sehr gute Arbeit geleistet, was man zum Beispiel im Schlusschor hört, der den Eindruck quicklebendiger Leichtigkeit erweckt. Davon hätte die gesamte Aufnahme mehr vertragen können.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Händel, Georg Friedrich: Alexander´ s Feast

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORF
2
07.12.2009
EAN:

9004629314600


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ORF

Wer hätte gedacht, dass sich die "ORF Edition Alte Musik" in wenigen Jahren zu einem international renommierten Label entwickelt. Mit vielen Plattenpreisen ausgezeichnet, umfasst die Edition nun hundert Titel. Künstler der Edition feiern mit Freunden und Gästen im Palmenhaus.

"Alte Musik - neu interpretiert"
Die ORF Edition Alte Musik feiert ihren 100. Titel
Zum Jubiläum der «ORF Edition Alte Musik» zu schreiben, heisst zuerst einmal, all denen zu danken, die mitgeholfen haben, die über 100 CD aus der Taufe zu heben, vor allem den Musikern, die ihre ganze künstlerische Kraft gaben und schließlich auch jenen, die die fertigen Produkte gekauft haben. Und das sind viele: so könnte im Schnitt jedes Ö1-Club-Mitglied zwei Titel der Edition besitzen. Ich bedanke mich herzlich!

Ziel dieser Edition ist es, musikalisches Neuland zugänglich zu machen (ich denke hier in erster Linie an die Unica-Reihe, in der bisher ungehobene Schätze veröffentlicht, werden oder die Serie "paradise regained - polyphonie der renaissance") und neben bereits renommierten Künstlern auch Newcomers der Szene zu präsentieren. Die Akzeptanz der Aufnahmen beim Publikum und der Presse ist hoch. Mit vielen internationalen Preisen - wie etwa dem begehrten "diapason d'or" in Frankreich oder den "5 stars" des Goldberg Magazine - ausgezeichnet, ist die Edition heute eines der weltweit führenden Labels für Alte Musik.
Glücklicherweise wurde das Projekt von Anfang an von leidenschaftlichen Menschen, Kollegen, Künstlern und Publikum mitgetragen und gefördert: Gerhard Weis, der als Generalintendant und Händel-Fan die Edition erst ermöglichte, Freunde und Stars wie Nikolaus Harnoncourt, Jordi Savall, William Christie, Marc Minkowski, Christophe Rousset, Ton Koopman, Philippe Herreweghe, Gustav Leonhardt, René Jacobs oder Giovanni Antonini, die das Einverständnis zur Veröffentlichung ihrer Aufnahmen in der Edition gaben und schließlich von den Aufnahmeleitern Wolfgang Sturm, Erich Hofmann und Wolfgang Racher. Ohne den Einsatz, das Interesse an neuen Formaten und unorthodoxen Aufnahmeverfahren und ohne eine große Portion Idealismus von Technikern wie Robert Pavlecka, Josef Schütz und Klaus Wachschütz hätte vieles nicht stattfinden können. So wurden in der Edition die ersten 5.1-surround Aufnahmen und die ersten SACD des ORF veröffentlicht.

Für mich ist freilich dieses Jubiläum ein Anlass, auch über die Zukunft der Edition, ja die Zukunft der sogenannten "Alten Musik" generell nachzudenken. Die medialen Entwicklungen der jüngsten Zeit lassen Böses erahnen. Praktisch jedem wird Werkzeug in die Hand gegeben, um sich mittels Video oder Audio z. B. per Podcast zu verwirklichen. Eine Informations- und Datenflut bricht auf uns herein. Eine gigantische Welle, die wohl zum Großteil zu entsorgenden Müll mit sich schwemmt.
Informationen, die auf allgemeines Desinteresse stoßen, niemanden - außer wenigen - interessieren. Freiheit und Möglichkeit für alle, sich zu produzieren. "Man muss ja nicht hinschauen oder -hören!" - Doch dazu muss der Mensch erst motiviert werden. Wenn ich darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass gerade die Alte Musik mit ihren oft klaren Strukturen, Harmonien und Melodien den Menschen das gibt, was viele suchen: emotionelle Identifikation. Gerade diese Möglichkeit der Identifikation wird in Zukunft an Wert gewinnen, wenn auch Musikkultur immer mehr zur Eventkultur, wenn ganz individuell erkannte und gewonnene Inhalte durch global geprüftes, vorgekautes "Gourmet-Menü" in Frage gestellt werden. "Fast food" oder "Mainstream" wird Alte Musik nie sein! Dass sie weiterhin an Publikum gewinnt, zeigt sich auch an der Akzeptanz der ORF Edition Alte Musik.

Bernhard Trebuch
Herausgeber der ORF Edition Alte Musik


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