> > > Albert, Eugen d´: Sinfonie F - Dur op. 4
Montag, 19. August 2019

Albert, Eugen d´ - Sinfonie F - Dur op. 4

Mehr als nur 'Tiefland' - Raritäten von Eugen D'Albert


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


D'Albert hat mehr zu bieten als 'Tiefland'. Das Osnabrücker Symphonieorchester unter Hermann Bäumer spielen ansprechende Aufnahmen des effektsicheren 'Seejungfräulein' und der recht langen, aber sympathischen Symphonie op. 4.

Eugen d'Albert ist bekannt als Pianist, der – abwegig genug – auch eine Oper 'Tiefland’ komponierte. In Wirklichkeit ist dieses Bild mehr als schief. Als Komponist nämlich schuf d'Albert 20 Opern und bediente auch viele andere Genres, nur blieb ihm auf diesem Gebiet der Ruhm versagt. Wenig nur ist heute auf Tonträgern erhältlich, außer etlichen Aufnahmen der erwähnten Oper ‘Tiefland’. Wenn man doch einmal etwas zu hören bekommt, vielleicht das zweite Klavierkonzert, fragt man sich unwillkürlich, warum das eigentlich so ist.

Höchste Zeit also für den Auftritt von CPO. Das umtriebige Entdeckerlabel fand seine Partner diesmal quasi vor der eigenen Haustür. Das Kürzel CPO steht für Classic Production Osnabrück, und zusammen mit dem Theater Osnabrück wurde die neue Platte produziert. Das Osnabrücker Symphonieorchester, soeben mit einem ECHO Klassik ausgezeichnet, spielt unter der Leitung des Generalmusikdirektors Hermann Bäumer eine Symphonie F-Dur op. 4 sowie ‘Seejungfräulein’ op. 15.

Die Aufnahme vom Dezember 2007 ist konkurrenzlos, denn es ist die einzig erhältliche. Allerdings müsste sie Konkurrenz keineswegs scheuen. Die Sopranistin Anna Kasyan beeindruckt nachhaltig als Seejungfräulein. Ihr Vortrag ist lebendig, dramatisch und klar artikuliert. Höchstens hätte sie das Vibrato in den lyrischen Abschnitten etwas stärker zurücknehmen können. Die ‚Konzertszene’ beruht auf Hans Christian Andersen, dessen ‚Kleine Meerjungfrau’ von James Grun in einen etwas steif gereimten Monolog der Nixe umgeformt wurde. Die Musik d'Alberts ist effektsicher gearbeitet, interessant ist besonders die oft kammermusikalische Satzweise mit zahlreichen Soli, so etwa gleich zu Beginn einem wunderbar geblasenem Alleingang des Englischhorns. Überhaupt gehört das Holz zu den größten Stärken des Orchesters auf dieser Platte. Es tritt im Satz und mit vielen kleinen Soli von makelloser Klangschönheit hervor, auch in der Symphonie. Auch die Hörner wären an dieser Stelle zu nennen. Im Tutti fallen die äußerst kräftigen Trompeten auf, die allerdings im Verein mit den Posaunen das Streichorchester auch schon mal überdecken können, namentlich in der Coda des Finales der Symphonie. Die Gesamtanlage beider Werke wird von Hermann Bäumer kontrastreich und stimmig in den Temporelationen gestaltet.

Das Beiheft bietet zwar, wie bei CPO üblich, ausführliche Informationen zur Biographie des Komponisten, indes vermisst man in diesem Fall Angaben zur Uraufführung der Werke und ihrer Wirkung auf d'Alberts Zeitgenossen. Auch eine historische Einordnung wäre interessant gewesen: 1884 komponierte d'Albert seine Symphonie. Zu dieser Zeit hatte Brahms drei Symphonien fertiggestellt, die vierte folgte ein Jahr später. Von den bis dahin sieben Symphonien Bruckners waren nur die ersten vier aufgeführt worden. Richard Strauss, wie d'Albert 1864 geboren, hatte noch keins seiner heute bekannten Werke komponiert und auch der vier Jahre ältere Gustav Mahler konnte seine Erste Symphonie erst fünf Jahre später vollenden. Im Vergleich zu den beiden letzten klingt d'Alberts Musik allerdings sehr konservativ. Das Beiheft betont besonders die Orientierung an Brahms. Freilich fehlt d'Albert noch dessen dramatische Wucht, vor allem jedoch jene extreme Verdichtung der Motivik, die Brahms' Musik den Eindruck des absolut Zwingenden und zugleich ihre unverwechselbare, fesselnde Intensität verleiht.

Die Symphonie beginnt direkt mit dem sympathischen Hauptthema und ist im Folgenden weitgehend heiter und unbeschwert, nicht so konflikthaft aufgebaut wie ihre Brahmsschen Vorbilder. Mit 50 Minuten Dauer ist sie allerdings von einer äußeren Dimension, die sich gerne durch etwas stärkere musikalische Stringenz rechtfertigen dürfte. In vielen Einzelheiten klingt sie aber tatsächlich sehr Brahmsisch, harmonisch und durch die Instrumentation mit Bläserakkorden und Pizzicato etwa in der Schlusswendung des ersten Satzes.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Albert, Eugen d´: Sinfonie F - Dur op. 4

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.12.2009
Medium:
EAN:

CD
761203726424


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Albert, Eugen d´
 - Seejungfräulein op. 15 für Sopran & Orchester. Dichtung - frei nach Hans Andersen - von James Grun -
 - Sinfonie Nr. 4 F - Dur - Mässig bewegt
 - Sinfonie Nr. 4 F - Dur - Langsam, aber nicht schleppend
 - Sinfonie Nr. 4 F - Dur - Sehr schnell
 - Sinfonie Nr. 4 F - Dur - Mässig langsam - belebt


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Dirigent(en):Bäumer, Hermann
Orchester/Ensemble:Osnabrücker Sinfonieorchester
Interpret(en):Kasyan, Anna


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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