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Montag, 18. Oktober 2021

Fritz Busch dirigiert - Werke von Mozart & Strauss

'Wo ich bin, ist Deutschland.'


Label/Verlag: Guild
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Fritz Busch klang heutig - vor sieben Jahrzehnten.

Fritz Busch hatte ungefähr tausend Mal im Graben der Sächsischen Staatsoper gestanden und Verdi für das deutsche Publikum wiederentdeckt. Sein Mozart eilte der Zeit weit voraus, sein Strauss wurde als musterhaft angesehen, zumal vom Komponisten, der ihm 'Arabella’ widmete. Wenn Gustav Mahlers Wiener Direktion während des ersten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts als künstlerische Blütezeit und eine der Quellen modernen Musiktheaters angesehen werden muss, so trifft dies auf Buschs Direktion während der zwanziger Jahre in Dresden kaum weniger zu. Am 7. März 1933 trieben ihn braun gewandete Schergen aus ‚seinem’ Opernhaus. Karl Böhm trat die Nachfolge an, Busch emigrierte nach England und konnte, integer geblieben, mit Thomas Mann ausrufen: ‚Wo ich bin, ist Deutschland.’

In England half Busch, als musikalischer spiritus rector, das Glyndebourne Festival zu etablieren und zur damals führenden Mozart-Spielstätte auf Erden zu formen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Busch, der allzu früh verstarb, zu einer prägenden Musikerpersönlichkeiten des Nachkriegszeit hätte aufsteigen können, ex aequo mit Karajan oder Bernstein. Weil seine wichtigsten Einspielungen aus der Zeit des Exils herrühren, folglich den technischen Begrenzungen der 30er Jahre unterworfen sind, und oft mit Orchestern zweiten Ranges produziert werden mussten, ist Busch die gebührende posthume Bekannt- und Beliebtheit in der audiophilen Gemeinde bis heute versagt geblieben. Dass sich Buschs Mozart-Opern aus Glyndebourne – trotz teilweise suboptimaler Besetzung – ins kulturelle Gedächtnis dauerhaft einprägen konnten, ist umso bemerkenswerter.

Vorliegende Platte (Guild Hall) ist repräsentativ für Buschs musikalische Eigenart. Sie führt Richard Strauss mit Mozart zusammen, die Leitsterne seiner musikalischen Laufbahn: 'Till Eulenspiegel’ und 'Don Juan’ (1934, 1936, BBC Symphony und London Philharmonic), die ‚Linzer Sinfonie’ KV 425 (1934, BBC Symphony), schließlich die Ouvertüren zu 'Don Giovanni’, 'Le nozze di Figaro’ und 'Cosi fan tutte’ (1935, 1936, Glyndebourne Festival Orchestra). Buschs musikalischer Gestus ist hier wie sonst durch Klarheit und Frische bestimmt, unsentimentale Wachheit des Hirns wie des Herzens. Entsprechend werden rasche Tempi angeschlagen, der Wechsel zur langsameren Gangart kommt umso frappanter zur Geltung.

Alles in allem gehört dieser Musiker mehr auf die Seite Toscaninis als Furtwänglers. (Zumal in seiner politischen Widerstandskraft.) Doch anders als Brio-Musiker von Reiners, Soltis, Toscaninis Art weiß Busch, wo es geboten scheint, zu ‚entspannen’, das Pendel sanft schwingen zu lassen. Alles Hysterische, Scharfzackige und Forcierte ist ihm fremd, und das Maß aller Phrasierung bleibt der Gesang: Den Operndirigenten konnte – und wollte – Fritz Busch nicht verleugnen, auch wo er Instrumentales zur Aufführung brachte. Dies ist von Vorteil, am meisten bei Mozart und Strauss.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fritz Busch dirigiert: Werke von Mozart & Strauss

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Guild
1
16.11.2009
Medium:
EAN:

CD
795754235623


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Guild

Guild entstand in den frühen Achtzigerjahren auf Initiative des berühmten englischen Chorleiters Barry Rose, der den St Paul's Cathedral Choir in London leitete. Der Name hat nichts mit der nahe gelegenen Londoner Guild Hall zu tun, sondern kommt von Barry Roses erstem Chor, dem Guildford Cathedral Choir. Das frühere Logo (ein grosses G) entstand indem Barry Rose kurzerhand eine Teetasse umstülpte und mit einem Bleistift ihrem Rand bis zum Henkel entlang fuhr. Seit 2002 hat die Firma als Guild GmbH ihren Sitz in der Schweiz, in Ramsen bei Stein am Rhein.
Bei den Aufnahmen arbeiten wir mit Fachleuten zusammen, die für grosse internationale Firmen und unabhängige kleinere und grössere Labels tätig sind. Unsere Programmschwerpunkte sind Welt-Erstaufnahmen, vergessene Werke bekannter Meister, noch nicht entdeckte Komponisten und Schweizer Musiker sowie historische Aufnahmen, etwa die Toscanini Legacy und Mitschnitte der Metropolitan Opera New York.
Wir arbeiten intensiv mit der Zentralbibliothek in Zürich und mit der Allgemeinen Musikgesellschaft Zürich zusammen, produzieren CDs mit Chören wie dem Salisbury Cathedral Choir und den Chören der Cambridge und Oxford University - und als Steckenpferd pflegen wir die grossen englischen und amerikanischen Unterhaltungsorchester mit ihren Light-Music-Hits der Dreissiger- bis Fünfzigerjahre.


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