> > > Donizetti, Gaetano: Olivo e Pasquale
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Donizetti, Gaetano - Olivo e Pasquale

Die alte Geschichte


Label/Verlag: NEI - Nuova Era Internazionale
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese Wiederveröffentlichung von Donizettis 'Olivio e Pasquale' kann nicht ganz zufriedenstellen.

Es ist die alte Geschichte: Ein Vater möchte seine Tochter mit einem reichen Bräutigam verbunden sehen, die aber liebt den jungen Habenichts. Auch im Falle von 'Olivo e Pasquale' haben wir diese typische Konstellation, die sich beispielsweise auch in Gioacchino Rossinis früher ‚farsa comica‘ 'La cambiale di matrimonio' (1810) findet. Jacopo Ferretti, der das Libretto für Donizettis hier vorliegende Oper aus dem Jahre 1826-7 lieferte, war auch für Rossini tätig – sein Buch zu 'Cenerentola' (1816-7) ist heute das bekannteste aus seiner Feder. Auch für Donizettis 'Torquato Tasso' (1833) oder Rossinis' Matilde di Shabran' (1821) verfasste Ferretti die Libretti.

Donizetti war kaum dreißig, als er 'Olivo e Pasquale' schrieb, doch hatte er bereits eine zehnjährige Karriere als Opernkomponist hinter sich. Im Großen und Ganzen wusste er, was das Publikum wünschte, und doch besetzte er hier in dieser Oper gegen die Publikumserwartungen: entsprechend der aus der Opera seria durchaus noch nicht unüblichen Gepflogenheit schrieb er die Rolle des jugendlichen Liebhabers für eine Altistin. Die Oper floppte am Römischen Teatro Valle, doch insgesamt blieb sie bis in das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts in ganz Europa beliebt. Und dies völlig zu Recht, schuf Donizetti doch mit den Rollen der beiden Titelhelden, der Brüder Olivo und Pasquale, des knorrigen Vaters der jungen Isabella und seines Brudes, eines gütigen „Königs der Tölpel“, Paraderollen für jeden Buffo. Die Musik ist voll übersprudelnder Laune, herrlicher Melodien und äußerst inspirierter Ensembles.

Die vorliegende Einspielung (nach Jahren neu aufgelegt) entstand im Oktober 1980 unter der Leitung Bruno Rigaccis für die Radiotelevisione della Svizzera Italiana; Rigacci hatte die Oper kurz zuvor in Lucca dirigiert (der Mitschnitt erschien bei Bongiovanni), dort jedoch mit einer vollständig anderen Solistenbesetzung. Rigacci versteht sein Handwerk, ist ein genuiner, lebendiger Dirigent dieser spritzigen Buffa, doch steht ihm ein Orchester zur Verfügung, das ruhig noch einigen ‚Drill‘ hätte vertragen könnte, insbesondere die Streicher, gelegentlich auch die Blechbläser. Es ist gut verständlich, warum Opera Rara immer wieder ‚professionellere‘ Studioproduktionen in England herstellen, mit dem Ziel, Modellinterpretationen zu liefern.

Diese RSI-Einspielung kann leider auch aus anderen Gründen nicht als solche bezeichnet werden. Mario Chiappi ist leider nicht der beste Olivo, den man sich hätte vorstellen können. Sein Bariton, der auf der Bühne sicher voller Präsenz eingesetzt wurde, klingt hier ein wenig hölzern und alt (was der Rolle, aber nicht der Musik entspricht). Kein Vergleich zu den großen italienischen Opernkomödianten wie Salvatore Baccaloni, Paolo Montarsolo, Enzo Dara, Claudio Desderi oder Alessandro Corbelli. Als Pasquale erweist sich Gastone Sarti als begabter Singdarsteller, besonders in den Rezitativen, doch ist auch er in großen ariosen Linien rein vokal nicht in die erste Reihe zu stellen. Schade, dass beide Hauptrollen etwas unterbesetzt sind. – Olivos willensstarke Tochter Isabella singt Eva Csapó, seinerzeit eine durchaus bekannte Sopranistin mit warmem Mezzofundament, die die stimmliche Virtuosität für die anspruchsvolle Partie mitbringt und sie musikalisch außerordentlich gut ausfüllt. Einzig ist Textverständlichkeit nicht immer ihre allerstärkste Seite. Benedetta Pecchioli hat für den ‚jugendlichen Held‘ Camillo eine genügend kühle Stimme, doch ist sie insgesamt vielleicht etwas zu sehr in der Stimmgattung des Spielalts angesiedelt, als dass sie dem Camillo genügend Facetten verleihen könnte; auch sind ihre Register nicht immer optimal verblendet. Nun sei eingestanden, dass rundum ‚runde‘ Altstimmen von hoher Ausdruckskraft wie etwa jene Marilyn Hornes nicht eben breit gesät sind. Immerhin harmoniert ihre Stimme gut mit jener Csapós, so dass das Liebespaar durchaus überzeugend gezeichnet ist.

Monsieur Le Bross, der reiche Spanier, den der Vater gerne als Schwiegersohn sähe, ist in dieser Einspielung wie in der Uraufführung ein Tenor. Mario Bolognesi verfügt über einen leichten tenore di grazia, doch ohne die Sicherheit, die international erfahrene Exponenten des Stimmfachs haben erlangen können; gelegentlich bleibt seine Stimme zu dünn, in der Höhe fast anämisch – ein Vergleich etwa mit John Aler, der die Spitzentöne ebenfalls mit der Kopfstimme bilden musste, zeigt das immense Gefälle zwischen dem Amerikaner und dem Italiener. Isabellas Zofe Matilde wird gesungen von Teresa Rocchino, einem hohen Mezzosopran von angenehmem Timbre mit leichtem Soubretteneinschlag. Einzig in der Höhe merkt man, wo für sie Gefahren liegen, und immer wieder spürt man intonatorische Unsicherheit. Carlo Gaifa macht ein Meisterstück der Charakterisierung aus dem mittellosen Reisenden Columella, er ist bestens bei Stimme und zeigt, was ein Charaktertenor aus einer Bufforolle machen kann, indem er sie – singt. Gino Orlandini, zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits ein Veteran auf der Opernbühne (früher hatte er neben Renata Tebaldi, Giulietta Simionato, Giacinto Prandelli, Ferruccio Tagliavini und Sesto Bruscantini auf der Bühne gestanden), singt die kleine Rolle des Dieners Diego; er ist immer noch gut bei Stimme und erweist, wie selbst eine winzige Rolle überzeugend umgesetzt werden kann.

Das Booklet bietet eine kurze dreisprachige Einführung, aber keine Inhaltsangabe, und das Libretto ist nur auf Italienisch abgedruckt. Dies beeinträchtigt die Möglichkeit, der Handlung zu folgen, denn doch ein wenig, gerade weil es sich um eine ‚Opera giocosa‘ handelt. Schon in der ersten Auflage der Produktion wurde Csapós Name falsch geschrieben und wird es hier immer noch Die Aufnahmetechnik der Radiotelevisione della Svizzera Italiana ist gut durchhörbar, klar und präsent, doch ist der Klang aus dem RSI-Studio in Lugano insgesamt zu hallig.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Donizetti, Gaetano: Olivo e Pasquale

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
NEI - Nuova Era Internazionale
2
06.12.2013
127:18
1980
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4011222328892
232890


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"Ein „Pasquale“, der darauf wartete, ein „Don“ zu werden. Donizetti verfasste Olivo e Pasquale während eines fünfmonatigen Aufenthalts in Rom im Alter von 29 Jahren, als er Virginia Vasselli, der achtzehnjährigen Schwester seines engen Freundes Antonio (liebevoll „Totò“ genannt), den Hof machte. Zur selben Zeit hielt er offiziell um die Hand der jungen Frau an und ehelichte sie im Jahre 1828. Es ist nicht auszuschließen, dass Donizetti sich auch aus diesem Grund nur schwer auf die Arbeit konzentrieren konnte und sich in Träumereien verlor, an denen es der Oper ja nicht mangelt. Die köstlichsten Szenen liefern die beiden Hauptdarsteller, die in der Gesangspartitur deutlich herausgearbeitet sind. So bildet der aufbrausende Olivo, der „übelgelaunte Vater“ den Gegenpol zum gütigen Bruder Pasquale, dem „König der Tölpel“. Neben den Vorstellungsarien ist es ihr Duett am Beginn des zweiten Aktes, das mit geglückten komischen Zügen besticht. Fast könnte man sagen, Donizetti hat mit Olivo e Pasquale bereits sechzehn Jahre zuvor den Grundstein für Don Pasquale gelegt. Nicht nur mit der Wahl des Titels."


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NEI - Nuova Era Internazionale

20 Jahre Aufnahmeerfahrung: Opern, Vokalwerke, Sinfonische Werke, Frühe- und Barockmusik, NUOVA ERA ist zu einem der Eckpfeiler in der Welt der Tonträgerindustrie geworden, beständig auf der Suche nach den Werken mit hohem Repertoirewert und der besten Preis/Leistungsrelation.
Die große Familie NUOVA ERAs diskografischer Serien umfaßt Labels wie "Ancient Music", der Frühen- und Barockmusik gewidmet, "Icarus", gewidmet Moderner und Zeitgenössischer Musik, sowie eine Riesenauswahl primär Italienischer Opernproduktionen, die nun ergänzt wird durch die, in Kooperation mit Radio della Svizzera Italiana produzierten Alben "Italian Vocal Art - Edwin Loehrer Edition" mit den faszinierendsten Aufnahmen eines der außergewöhnlichsten Rundfunkarchive.
NUOVA ERA ist Italiens Antwort auf die großen musikalischen Fragen des beginnenden Jahrtausends.


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