> > > Schubert, Franz: Klaviertrios Nr. 1 & 2
Dienstag, 27. Juni 2017

Schubert, Franz - Klaviertrios Nr. 1 & 2

Viel Leichtigkeit


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Klaviertrio Amsterdam legt eine solide, vor allem auf einen straffen Zugriff hin angelegte Deutung der beiden Klaviertrios von Franz Schubert vor. Bei aller Noblesse und Leichtfüßigkeit kommt das dramatische Element etwas zu kurz.

Nach Erinnerungen seiner Freunde sei Schubert angeblich stets gutgläubig, aufrichtig, treu, gesellig, beredsam und immer gut gelaunt gewesen. Diese Züge des leichten Gemüts findet man in weiten Teilen des Schaffens von Franz Schubert gespiegelt. Jedoch ist dies kein vollkommenes Bild des Komponisten. Die Tragik, die er in seinem Leben erfahren hat, fand ebenfalls einen Nachhall in seiner Musik. Als Höhepunkt dieser Ausdrucksdimension werden oft der Vokalzyklus 'Winterreise' und das Klaviertrio Nr. 2 erwähnt.

Die Klaviertrios, die mit vorliegender CD-Box präsentiert werden, entstanden im Jahr 1827, ein Jahr vor Schuberts Tod. Obwohl beide Klaviertrios in enger zeitlicher Nähe geschrieben wurden, sind sie ziemlich unterschiedlich; das etwa schon Robert Schumann bemerkt. Das Trio Nr. 1 ist die Verkörperung des bekannten Bildes des Komponisten: Es wird kaum ein Schatten über die sonnige Laune der Musik geworfen. Das Klaviertrio Nr. 2 wurde von Schubert selbst als Schritt auf dem ‚Weg zur großen Sinfonie‘ bezeichnet. Dieses Werk erklang am 26. März 1828 in dem einzigen öffentlichen und sehr erfolgreichen Konzert von Schubert.

Die Klaviertrios Nr. 1 und 2 wurden vom Klaviertrio Amsterdam in einem Zeitabstand von drei Jahren aufgenommen: das Klaviertrio B-Dur im November 2006, das Klaviertrio Es-Dur im Februar 2009). Die CD- Doppelbox wurde von dem Label Brilliant Classics 2009 veröffentlicht.

Entsprechend des modischen Trends der vergangenen Jahre, insbesondere die Neigung zu immer schnelleren Tempi, wählt das Trio Amsterdam seine Temponahme: Die Zeitnahme ist ziemlich rasch, allerdings gibt es jüngere Aufnahmen (von anderen Künstlern) mit noch schnelleren Tempi. Vielleicht ist es eine Reaktion der Künstler auf die enorme zeitliche Ausdehnung der Werke, die noch Schumann als ‚himmlische Längen‘ der Werke Franz Schuberts bezeichnete.

Im Klaviertrio Nr. 1 B-Dur ist die sonnige Seite der Lebensempfindung von Schubert vom ersten bis zum letzten Satz zu hören. Feinsinnig geben die Musiker die Fülle der Charaktere und Emotionen wieder: den feierlichen Anfang des ersten Satzes, Gesanglichkeit des zweiten Themas und die kurze Fassungslosigkeit gegen Ende des ersten Satzes. Wunderschön voll klingt das Pizzicato im Cello. Im zweiten Satz erlebt man den langen Bogen der Streicher. Gegen Ende des Satzes wird dem Thema beim Klavier durch eine melodisierte Begleitung der Streicher mehr Emotionalität verliehen. Die Streicher entziehen sich jedoch der Gefahr, mit ihrer Begleitung das Klavier zu überdecken. Zwei tänzerische Charaktere werden im dritten Satz gegeneinander gestellt: ein Scherzo, das so klingt als ob man es auf den Fußspitzen tanzen könnte, und der liedharte Walzer (Trio-Teil). Ein wenig unbeholfen klingen die Akzente im Scherzo in der Violine. Auch in den Themen des letzten Satzes erkennt man die liedhaften Züge, die für Schubert so typisch sind.

Im Trio Nr. 2 Es-Dur ist der Kontrast von sonniger Fröhlichkeit und hoffnungsloser Tragik zu hören. Mit einigem Schwung und temperamentvoll erklingt der erste Satz. Die meisten Themen des Satzes weisen die typische Liedhaftigkeit nicht auf. Eher wirkt der Satz wie eine Hommage an Beethoven, dessen großer Verehrer Schubert war. Im zweiten Satz kommt die Tragik zum Klingen. Der Komponist verwendet eine schwedische Liedweise, in der es um das Untergehen der Sonne und den Abschied geht. Das Lied stammt in Wirklichkeit von dem schwedischen Tenor Isak Albert Berg. Die Tragik lässt der Komponist ohne ein emotionales Aufreißen erscheinen. Auch im Drama bleibt er sich treu: Selbstbeherrscht und nobel klingt der Satz, gleichzeitig aber erkennt man die Tiefe der Trauer. Besonders wird die absteigende Oktave betont, auf die ursprünglich die Worte ‚Leb wohl‘ kamen. Das Klaviertrio Amsterdam wählt in diesem Satz ein lebhaftes Tempo, was die Spannung mildert. Die Leichtigkeit des Scherzandos stellt einen Kontrast zum 'Andante-Satz' dar. Im letzten Satz, der von einer sorglosen Atmosphäre geprägt ist, erscheint mehrmals das Trauerthema des zweiten Satzes. Am Ende des Satzes erklingt es in es-Moll, in der Tonart, die für Schubert eine besonders fatale Bedeutung hatte. Zweimal schrieb Schubert Werke in es-Moll, nämlich das Bläsernonnet mit dem Titel 'Franz Schuberts Begräbniss-Feyer' und ein Lied 'Am Grabe Anselmos'. Ob der Komponist aufgrund seiner Krankheit den baldigen Tod ahnte oder es ein unbewusster Abschied war, bleibt dem Hörer unbekannt. Die Wirkung der Musik bleibt auf jeden Fall überwältigend.

Die zweite CD weist einen technischen Makel auf, nämlich ein klirrendes Nebengeräusch. Emanuel Overbeeke, der Autor des Bookletbeitrags, vertritt die Ansicht, dass dem Klavier vom Komponisten die Hauptrolle zugewiesen ist. Diese Einschätzung mag nicht allgemeiner Konsens sein, aber nicht zu überhören ist, wie auffallend leicht und brillant das Klavier in der Aufnahme klingt. Der leicht sandige Klang der Streicher betont die kühle Eleganz des Klavierklanges.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Klaviertrios Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
04.12.2009
EAN:

5028421937984


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