> > > Haydn, Joseph: Sinfonien Nr. 92, 94 & 97
Dienstag, 18. Februar 2020

Haydn, Joseph - Sinfonien Nr. 92, 94 & 97

Auftakt nach Maß


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Auftakt einer möglichen Einspielung aller Haydn-Sinfonien mit Jaap van Zweden beim japanischen Label Exton. Angesichts des bestechenden SACD-Klangs und vieler interpretatorischer Glücksmomente wäre das zu wünschen.

Joseph Haydn wird oft als ‚Erfinder’ der Sinfonie bezeichnet. Wer das behauptet, vergisst, dass es bereits zuvor Sinfonien gegeben hatte. Korrekter wäre es, in Haydn denjenigen zu sehen, der aus einer eher der Unterhaltung dienenden Gattung das geformt hat, was wir heute darunter verstehen: ein weltanschauliches Kunstwerk und Gipfel der größer besetzten Instrumentalmusik. Allein die hohe Zahl von (mindestens) 104 Sinfonien musste ‚konditionierend’ auf das zeitgenössische Publikum und prägend auf spätere Komponisten wirken. Der Aspekt, dass Haydn sehr erfolgreich war und seine Sinfonien oft gespielt wurden, sollte nicht vergessen werden. Der Komponist, der recht genau wusste, was er seinem Publikum zumuten konnte, fand eine wohl optimale Mischung aus Komplexität und Volkstümlichkeit, aus Ernst und Humor, stets durchblitzt vom typisch Haydnschen Esprit.

Womit beginnen?

Zwar haben alle Sinfonien Haydns ihre je eigene Charakteristik und verdienen allesamt für sich Interesse, im Konzertleben begegnen einem aber doch immer wieder die ‚üblichen Verdächtigen’. Dass eine Plattenfirma die Einspielung aller Sinfonien nicht mit der ersten anfangen wird, liegt fast auf der Hand; man wird sich vielmehr erst einmal den populären Beiträgen widmen und schauen, wie diese im Markt ankommen. Das könnte auch im vorliegenden Fall der Hintergedanke gewesen sein. Das japanische Label Exton präsentierte fast zeitgleich zwei SACD-Produktionen mit je drei Sinfonien; die vorliegende Platte enthält mit der Sinfonie Nr. 94 G-Dur eine der wohl bekanntesten überhaupt: die ‚Sinfonie mit dem Paukenschlag’. Auch die Sinfonie Nr. 92 G-Dur mit dem Beinamen ‚Oxford’ ist häufig zu hören und lässt sich wegen ihres eigenwilligen Finales auch nur schwer vergessen. Die dritte im Bunde ist die Sinfonie Nr. 97 C-Dur – ein Werk ohne Beinamen, aber nicht minder schön. Die Aufnahme wird auf hybrider SACD ausgeliefert und enthält auch die klassische Mehrkanalversion; das verdient eine gesonderte Erwähnung, da das Label in letzter Zeit bei anderen Produktionen reine Stereo-SACDs angeboten hat. Der sehr natürlich anmutende Klang ist wunderbar ausgewogen balanciert und besticht in der Mehrkanalvariante durch einen plastischen Eindruck räumlicher Tiefe. Anders als in früheren Produktionen ist nun die für den europäischen Markt dringend erforderliche englische Übersetzung des ansonsten rein japanisch gehaltenen und wie gewohnt in edlem Hochglanzgewand daherkommenden Beiheftchens nicht nur lose beigelegt, sondern fester Bestandteil; der Text bietet eine solide Einführung.

Kleines Orchester, satter Klang

Für das Künstlerische ist Jaap van Zweden, der für Exton derzeit auch mitten in einem Bruckner-Zyklus steckt, verantwortlich; er leitet die von der Besetzungsstärke her bestens auf diese Musik zugeschnittene Kammerphilharmonie des Niederländischen Radios (Netherlands Radio Chamber Philharmonic). Was hier an die Ohren dringt, überzeugt nicht nur aus spieltechnischer Sicht. Da ist zum einen der schlanke und dennoch vollmundige Orchesterklang, der sich als ideale Synthese aus modernen Instrumenten und ‚historisch’ dünner Besetzung präsentiert. Die Bläser kommen bestens zur Geltung und setzen der Musik Glanzlichter auf. Van Zweden wählt natürliche Tempi und gestaltet musikalisch lebendige, atmende Melodiebögen und Phrasen. Es wird zwar deutlich artikuliert und klar akzentuiert gespielt, ohne hier allerdings zu übertreiben und ins Manieristische abzudriften. Das dynamische Spektrum ist weit und bietet zart gesungene oder gehauchte Stellen ebenso wie schmetternde Hörner und Trompeten sowie erfreulich prägnante Pauken. Der Haydnsche Witz kommt stets bestens zur Geltung. Als kleiner Kritikpunkt bliebe zu nennen, dass es durchaus Passagen gibt, bei denen durch etwas mehr geduldiges Feilen an den Details noch mehr herauszuholen gewesen wäre. Unterm Strich aber eine hervorragende Haydn-Platte. Man kann nur hoffen, dass das Label und Jaap van Zweden damit in Serie gehen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Joseph: Sinfonien Nr. 92, 94 & 97

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
30.10.2009
Medium:
EAN:

SACD
4526977003753


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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