> > > Herzogenberg, Heinrich von: Sonate Nr. 1 a-Moll op. 52 für Violoncello und Klavier, Urtext
Sonntag, 20. Oktober 2019

Herzogenberg, Heinrich von - Sonate Nr. 1 a-Moll op. 52 für Violoncello und Klavier, Urtext

Waldteufel


Label/Verlag: Edition Peters
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Sonate für Cello und Klavier a-Moll op. 52 von Heinrich von Herzogenberg bereichert die Literatur für Cello und Klavier um ein leidenschaftliches, dramatisches Werk.

Düster kommt sie daher, die Sonate a-Moll op. 52 für Violoncello und Klavier von Heinrich von Herzogenberg. Wenig vermag die Stimmung aufzuhellen – etwa das versöhnende Seitenthema in C-Dur des ersten Satzes und eine Variation in lichtvollerem A-Dur im letzten Satz. Mit einem energischen, punktierten Motiv beginnt der erste Satz. Dieses Motiv entpuppt sich als wesentlicher Baustein des ersten Themas, welches nach den eröffnenden Takten in der Cellostimme einsetzt. Im Klavierpart brodeln während dessen die Sechzehntel weiter. Erst das Seitenthema vermag die Stimmung zu beruhigen, jedoch bleibt es eine Art Träumerei, denn die Durchführung wird hauptsächlich von der Motivik des ersten Themas bestimmt. Auffallend ist, wie tief die Klavierstimme teilweise gesetzt ist: Ausflüge bis in die unterste Kontra-Oktave sind keine Seltenheit. Diese Tiefe artet im langsamen zweiten Satz zeitweise schon fast in ein ‚Brummen‘ aus. Unter anderem dies dürfte für die grübelnde, introvertierte Stimmung dieses Satzes denn auch verantwortlich sein. Der Bau des Satzes folgt einer Reihungsform: zwei Teile, die variiert wiederholt werden. Der dritte und letzte Satz entpuppt sich als ein einfallsreicher Variationensatz. Hier versinkt die Klavierstimme seltener in tiefe Lagen, lädt dafür viel mehr dazu ein, die Finger virtuos über die Tasten zu bewegen.

Heinrich von Herzogenberg, 1843 in Graz geboren, 1900 in Wiesbaden gestorben und einen großen Teil seines Lebens in Heiden in der Schweiz ansässig, hatte als Komponist kammermusikalischer Werke keinen leichten Stand: Herzogenberg war mit Johannes Brahms, dem damals sehr einflussreichen Komponisten, befreundet. Und Elisabeth von Herzogenberg, die Frau des Komponisten – eine sehr begabte Pianistin – stand Brahms als kompetente Rezensentin dessen eigener Werke nahe. Herzogenberg hatte in Brahms ein kompositorisches Vorbild gefunden und verehrte seinen Freund sehr. Tatsächlich klingt in der Sonate op. 52 das kompositorische Ideal Brahms’ an. Doch erreicht der Klavierpart nicht diese Komplexität und Tiefe, wie sie bei Brahms zu bewältigen sind, sondern bleibt einem etwas einfacheren Charakter treu. Den CellistInnen dürfte es leichter fallen, in ihrem Part das Brahms’sche Vorbild wiederzuerkennen. Klar scheint, dass nicht Brahms’, sondern Herzogenbergs Sprache durch die Musik der Sonate spricht, dass das Werk nicht eine blasse Kopie des ‚großen Meisters‘ darstellt, sondern hohe Anforderungen an die Ausführenden stellt und eine eigene, reife Identität hat, Herzogenbergs Identität eben. Und doch waren die Zeitgenossen den kammermusikalischen Kompositionen Herzogenbergs wohl wenig wohlwollend gesinnt, war dieser doch zu seinen Lebzeiten eher bekannt für seine Chorwerke und Lieder.

Die Sonate op. 52, die erstmals in einem Brief von Elisabeth von Herzogenberg vom 12. April 1886 Erwähnung fand und knapp vier Monate später gedruckt wurde, schrieb Herzogenberg als frisch berufener Professor für Komposition an der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin. Wohl um Vorurteilen zuvorzukommen, die ihn noch mehr in die Ecke des Akademikers zu drängen drohten (anstatt ihn als vollwertigen Komponisten neben Brahms zu akzeptieren), beschrieb Herzogenberg seine Sonate als ein Opus ‚in A-moll, furioso sempre, ma con passione, einen wahren Waldteufel, und kein Professorenstück, wie Ihr wohl erwartet!‘ Warum Herzogenberg diese feurige, grimmige Sonate dem Cello zumutet, beschreibt er in einem Brief an einen Freund: Kein Instrument sei so geeignet, den Grimm darzustellen, wie das Cello. Man könne sich doch manchmal fast das Knirschen und Rasseln der Hölle vorstellen, wenn man das Cello höre. Nun, dramatisch ist die Sonate allemal.

Das Werk ist im Juli 2009 bei der Edition Peters als Urtext Ausgabe erschienen und basiert auf erhaltenen Erstausgaben-Exemplaren, da eine handschriftliche Quelle nicht mehr erhalten ist. Die besprochene Neuedition legt in einem Revisionsbericht Rechenschaft über die herangezogenen Quellen ab und ist mit entsprechenden Einzelanmerkungen versehen. Ein Vorwort informiert über Werk und Komponist, und die Stimmen sind mit Taktzahlen sowie sinnvoll gesetzten Studienbuchstaben versehen.

Klangqualität:
Repertoirewert: 


Michelle Keller Kritik von Michelle Keller,


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    Herzogenberg, Heinrich von: Sonate Nr. 1 a-Moll op. 52 für Violoncello und Klavier, Urtext

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Edition Peters
1

BestellNr.:

EP 11092

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"Heinrich von Herzogenberg wurde in der Vergangenheit oft nur im Schatten seines berühmten Freundes Johannes Brahms gesehen, doch dokumentiert er in vielen seiner Werke eine durchweg eigene Handschrift, so auch in seiner 1. Violoncellosonate. Für die Ausführenden,so ließ Herzogenberg wissen, geht es hier zur Sache, besonders für den Cellisten. Die virtuose Sonate bereichert das romantische Cellorepertoire um ein interessantes Werk."


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Edition Peters

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