> > > Franck, César: Streichquartett D-Dur & Klavierquintett f-Moll
Dienstag, 25. Juni 2019

Franck, César - Streichquartett D-Dur & Klavierquintett f-Moll

Chromatisch im Kleinen, zyklisch im Großen


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Unter den Händen des Fine Arts Quartet und der Pianistin Cristina Ortiz erfahren die beiden am größten besetzten Kammermusikwerke César Francks, das Streichquartett und das Klavierquintett, eine überzeugende Darstellung.

César Franck kann als klassischer Spätzünder bezeichnet werden – nicht weil er während seiner beachtlichen Laufbahn als Organist und Hochschullehrer nichts Beachtenswertes komponiert hätte, sondern weil es ihm innerhalb seiner letzten zwölf Lebensjahre gelungen ist, exemplarische Werke für die Hauptgattungen der Instrumentalmusik zu schreiben. Diese zeichnen sich zum Einen durch ihre unverwechselbar farbige, von exzessiver Chromatik durchtränkte Harmonik und zum Anderen durch ihre charakteristische Formanlage aus. Die meisten der in den 1880er Jahren entstandenen Kompositionen begreifen die Mehrsätzigkeit als Einheit, welche aus der Flexibilität und Wandelbarkeit der sich in ihrer Substanz stets gleichenden motivischen Gestalten herrührt.

Die Wiederkehr von Themen ist in Francks Spätwerk also nicht bloße Rekapitulation, sondern Bestandteil eines verbindlichen zyklischen Konzepts. Zwei Werke, in denen diese formale Besonderheit in besonderem Maße evident erscheint, liegen nun in einer Einspielung bei Naxos vor. Das amerikanische Fine Arts Quartet, ein seit Jahrzehnten eingespieltes Ensemble, präsentiert das Streichquartett in D-Dur sowie, mit Unterstützung durch die Pianistin Cristina Ortiz, das Klavierquartett f-Moll von 1879.

Im Streichquartett ist vielerorts der Einfluss Wagners, eines wichtigen Impulsgebers für die an Chromatizismen überreiche Tonsprache Francks, unverkennbar – gleichzeitig weisen die harmonischen Besonderheiten des Werkes auf die frühe Kammermusik Arnold Schönbergs voraus. Der Kopfsatz ist tonal ambivalent und wendet sich nach einer homophonen Einleitung, welche die Grundtonart zu bestätigen scheint und später im Finale wieder aufgegriffen wird, abrupt nach Moll. Das Ensemble gestaltet diesen Beginn in überaus einheitlicher, choralartig phrasierter Tongebung; die Fugato-Passagen des darauf folgenden Sonatenhauptsatzes gelingen mit nahezu idealer Durchsichtigkeit und Eleganz. Auch das rasante Tremolo in dem geheimnisvollen Scherzo besticht durch große Präzision. Das 'Larghetto‘ und seine leidenschaftlichen Kantilenen wissen in zweierlei Hinsicht zu überzeugen: der Bratscher Yuri Gandelsman prägt den Satz wesentlich durch seine expressive Bogenführung, der Primgeiger Ralph Evans reagiert mit schmelzenden, das Stilmittel Portamento durchaus mit Erfolg einsetzenden Kommentaren. Sehr vereinzelt begegnen dem Hörer Passagen, deren leichte Asynchronität durch einen geschickteren Schnitt hätte korrigiert werden können.

Zu Beginn des Klavierquintetts mit seiner majestätischen Streicherexposition wirkt der nachfolgende Einsatz des Tasteninstruments vergleichsweise dünn und entfernt. Im nachfolgenden 'Allegro‘ des Kopfsatzes verschmelzen die Instrumente dann aber zu einem orchestralen Ensembleklang von Brahms’schem Format. Symphonische Ausmaße besitzt das Werk allein schon in Anbetracht seines Umfangs: die langgestreckten Melodielinien benötigen enorm viel Raum zur Entfaltung. Das Fine Arts Quartet nimmt diese Herausforderung an und gewährt der Musik die elegische Breite, nach welcher sie verlangt, während die Pianistin Ortiz virtuos und niemals vordergründig zur Seite steht. Im atemberaubenden 'Lento‘ wird der Tonfall der Einleitung wieder aufgenommen; ausgezeichnet gelingen den Musikern die immer wieder von Neuem überraschenden Harmoniewendungen über chromatisch absteigendem Bass. Das Finale, in intonatorischen Belangen nicht immer ganz untadelig, aber mit fesselndem Pathos dargestellt, leitet zu einem furiosen Schluss und fasst das gesamte motivische Material noch einmal zusammen – eine über weite Strecken überzeugende und die spezifischen Eigenheiten der Musik treffend vermittelnde Darbietung.

Interpretation:
Klangqualität:
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Booklet:




Wendelin  Bitzan Kritik von Wendelin Bitzan,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Franck, César: Streichquartett D-Dur & Klavierquintett f-Moll

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
09.11.2009
Medium:
EAN:

CD
747313200979


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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