> > > Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 6 A - Dur
Mittwoch, 20. Oktober 2021

Bruckner, Anton - Sinfonie Nr. 6 A - Dur

Die Erwartungen werden nicht erfüllt


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein weiterer Baustein im Bruckner-Zyklus des Sinfonieorchesters Aachen unter seinem GMD Marcus Bosch. Bei authentischem Klang vermag diese Einspielung aber unter interpretatorischen Gesichtspunkten nicht zu überzeugen.

Der oft gelobte Bruckner-Sinfonien-Zyklus des Sinfonieorchesters Aachen unter seinem jungen GMD Marcus Bosch beim Label Coviello Classics nähert sich langsam aber sicher der Vollendung. Mit einem Konzertmitschnitt der Sechsten Sinfonie A-Dur von 2009 wird nun die Lücke zwischen der monumentalen Fünften und den drei letzten Sinfonien, in denen der Komponist endgültig zu sich selbst gefunden hatte und mit denen auch endlich der verdiente Erfolg sich einstellte, geschlossen; fehlen also noch die frühen Sinfonien – die Erste und Zweite, die sogenannte ‚Nullte’ und die eher uninteressante ‚Studiensymphonie’ f-Moll. Besonderes Interesse bringt man sicher zurecht der Aufnahme der Neunten entgegen, die mit einer Finale-Ergänzung aufwartet. Dass die Sechste auf der anderen Seite erst jetzt kommt, mag symptomatisch sein, denn die Sinfonie hatte es schon immer schwer, mit ihrem eher leichtgängigen Tonfall zwischen den sinfonischen Schwergewichten zu bestehen. Bruckner nannte das Werk, das in manchem durchaus an die Vierte erinnert, statt vom Walde und der Jagd nun aber eher von Ritterspielen und Geisterspuk zu erzählen scheint, seine ‚keckste’ Sinfonie.

Positives und Negatives im Bereich der Tempi

Bisherige Aufnahmen des Aachener Zyklus haben durch ihre recht zügigen Tempi aufhorchen lassen. Dieser Eindruck setzt sich auch im vorliegenden Fall fort. Insbesondere die ersten beiden Sätze werden zumeist langsamer genommen, und das gesamte Werk dauert kaum mehr als 50 Minuten. Gerade diesem ‚kecken’ Werk sollte diese frische Herangehensweise doch gut stehen und nützen. Das Tempo allein aber macht es nicht. Problematisch wird nämlich das Scherzo; das kommt eher langsam und behäbig daher. Zugegeben, Bruckner notiert ‚Nicht schnell’ – ein Scherzo sollte es aber doch sein. Hier aber wirkt der Satz recht müde und kraftlos. Letztlich bestätigt sich hier der Eindruck, der auch im Kopfsatz bisweilen aufkeimte: dass es der Interpretation von Bosch und seinen Aachenern an wirklicher geistiger Durchdringung fehlt, dass anscheinend eher ‚abgearbeitet’ statt ‚erarbeitet’ wurde. Das Finale (das meiner Meinung nach ohnehin zu den weniger überzeugenden Finalsätzen Bruckners gehört und nach einer Menge Leerlauf ziemlich unvermittelt zur Apotheose kommt) kann nur wenig herausreißen. Das gilt auch für das spieltechnische Niveau des Orchesters, das einmal mehr als hoch einzustufen ist; man hat aber auch schon weichere und mühelosere Hornklänge vernommen.

Authentische Kirchenakustik

Der Klang der Aufnahme, die wieder in der Aachener Kirche St. Nikolaus entstand und nun auf hybrider SACD ausgeliefert wird, kann unter technischen Gesichtspunkten als gut bezeichnet werden. Das Klangbild ist in erster Linie ‚authentisch’ zu nennen – mit den Vor- und Nachteilen, die eine Kirchenakustik so mit sich bringt. Gewisse Verwaschungen lassen sich nicht vermeiden, auch wenn der Gesamteindruck grundsätzlich so ist, dass die Balance zwischen den Instrumentengruppen ausgewogen scheint (so war zu dominantes Blech einer der wenigen Kritikpunkte an früheren Einspielungen der Reihe), und auch Nebenstimmen sind in vielen Fällen bestens hörbar. Am Einführungstext von Kai Wessler ist herauszuheben, dass der Verfasser sich hauptsächlich auf das Werk konzentriert und darauf verzichtet, zum x-ten Mal die vielen Anekdoten zum Leben des skurrilen Österreichers aufzuwärmen.

Fazit

Meiner Meinung nach hält diese Sechste nicht die hohen Erwartungen, die durch die früheren, überzeugenden  Einspielungen geweckt wurden. Dieses zu Unrecht seltener aufgeführte und aufgenommene Werk harrt weiter einer rundum befriedigenden Deutung. Leider stellt sich der Eindruck ein, die Sinfonie wäre in erster Linie gespielt worden, weil sie in einem Zyklus eben nicht fehlen darf, und weniger, weil es der Dirigent einen eigenen, packenden Zugang zu Bruckners Sechster gefunden hätte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Bruckner, Anton: Sinfonie Nr. 6 A - Dur

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
1
01.11.2009
Medium:
EAN:

SACD
4039956309147


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Bruckner, Anton
 - Sinfonie Nr. 6 A - Dur - Majestoso
 - Sinfonie Nr. 6 A - Dur - Adagio. Sehr feierlich
 - Sinfonie Nr. 6 A - Dur - Scherzo. Nicht schnell - Trio. Langsam
 - Sinfonie Nr. 6 A - Dur - Finale. Bewegt, doch nicht zu schnell


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Dirigent(en):Bosch, Marcus
Orchester/Ensemble:Sinfonieorchester Aachen


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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