> > > Rota, Nino: Divertimento concertante für Kontrabass & Orchester
Donnerstag, 24. September 2020

Rota, Nino - Divertimento concertante für Kontrabass & Orchester

Aus der Talentschmiede


Label/Verlag: Bella Musica
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Neben zwei Klassikern des Repertoires für Violine und Orchester bietet die Präsentations-CD der beiden Baden-Badener Lions Club-Preisträger des Jahres 2009 das äußerst reizvolle Divertimento Concertante von Nino Rota.

Wenn man bedenkt, dass Nino Rota mit seinen 158 Filmmusiken für solche Regiegrößen wie Federico Fellini, Luchino Visconti, Franco Zeffirelli und nicht zuletzt Francis Ford Coppola Musikgeschichte geschrieben hat, so verwundert es wenig, dass der Konzertmusiker Rota dabei leicht in Vergessenheit geraten konnte. So passend seine Filmmusikpartituren auf die szenische Realisation hin gearbeitet sind, so sehr bleibt das, was er an Opern, Oratorien, Konzert- und Kammermusik vorgelegt hat, eher konventionell und streng in den Grenzen der Dur-Moll-Tonalität verhaftet. Das soll nicht bedeuten, dass diesem ebenfalls in Umfang nicht zu unterschätzenden Œuvre nicht auch einiges abgewonnen werden kann. Vor allem seine zahlreichen Konzerte, ob für Klavier (besonders ist hier auf das virtuose 'Concerto soirée' zu verweisen), Harfe oder Posaune, halten nicht nur für die ausführenden Musiker Entdeckungen bereit, sondern auch für die Hörerinnen und Hörer. Dabei ist Rotas Stil als eine gelungene Mixtur von neuromantischer Klanganlage mit Ausflügen in den Neoklassizismus à la Sergej Prokofjew unter wirkungsvoller Ausnutzung der jeweiligen Möglichkeiten des Soloinstruments am besten zu charakterisieren.

Eine ironische Charakterstudie für Kontrabass

Dies macht auf der vorliegenden CD aus dem Hause Bella Musica vom Lions-Club-Preisträger der Carl-Flesch-Akademie des Jahres 2009, Wies de Boevé, der von der Philharmonie Baden-Baden unter Pavel Baleff begleitet wird, deutlich. Hier erklingt das 1968 entstandene 'Divertimento Concertante per Contrabasso e Orchestra' von Nino Rota in einer überzeugenden Interpretation, die immer noch Luft nach oben lässt. Das zeigt sich nicht zuletzt in der Tatsache, dass de Boevé, heute stellvertretender erster Kontrabassist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, in diesem Jahr beim renommierten ARD-Musikwettbewerb den ersten Preis in der Kategorie Kontrabass für sich entscheiden konnte.

Während die Philharmonie Baden-Baden stets den richtigen Ton für die Ausführung der vier Teile des Divertimentos findet, ist de Boevé vor allem darum bemüht – und dies ist ein Vorzug seiner Interpretation –, den ironischen Charakter dieses Werks hervorzukehren. Das gelingt ihm streckenweise sehr gut, so vor allem im ersten (dort in der Kadenz) und letzten Satz. Technisch ist dabei nicht viel zu kritisieren; vielleicht könnte einzig der dritte Teil des Divertimento, die 'Aria', etwas mehr an lyrischem Ausdruck vertragen.

Zwischen den Extremen

Auch die zweite Solistin der vorliegenden Aufnahme gewann im Jahr 2009 den Preis des Lions-Clubs der Carl-Flesch-Akademie. Heute in der ersten Violinengruppe des Philharmonia Orchestra beschäftigt, präsentiert Min Hee Lee zwei eiserne Klassiker des Repertoires für Solovioline und Orchester, das 'Poème' op. 25 von Ernest Chausson und die 'Rapsodie de Concert Tzigane' von Maurice Ravel. Als Negativpunkt des ersteren Stückes erweist sich bedauerlicherweise die Interpretation der Philharmonie Baden-Baden. Zwar sind die Instrumentalsoli im Wechselspiel mit der Solistin perfekt ausgeführt und die Balance und Intonation sind über weite Strecken sehr sauber, aber die gesamte Interpretation erweist sich als etwas blutleer. Pavel Baleff gelingt es nicht ganz, den sentimental-schwärmerischen Klang, den dieses Konzertstück erfordert, aus dem Orchesterapparat herauszuholen. Der Aspekt der Blutleere gilt auch für die Ausführung des Soloparts durch Min Hee Lee. Man spürt während des gesamten Stückes, dass die Interpretin um möglichst große technische Finesse bemüht ist – und diese auch liefert –, aber das Quäntchen mehr, das aus ihrer Ausführung ein Erlebnis machen würde, fehlt. Es ist dabei doch im Gedächtnis zu behalten, dass dutzende Aufnahmen von Virtuosen ganz anderen Kalibers von diesem und auch vom letzten Stück der CD vorliegen.

'Tzigane' von Maurice Ravel gehört zu den großen technischen Herausforderungen des Violinrepertoires – hatte doch schon der Komponist selbst Zweifel, ob dieses imaginierte Ungarnbild für Violine und Orchester überhaupt spielbar sein würde. Hier kann bei der vorliegenden Interpretation nicht von Blutleere gesprochen werden; was hier vielmehr etwas zu fehlen scheint, ist das notwendige Zupacken von Seiten der Solistin. So wird die eröffnende Kadenz beispielsweise von ihr einfach zu bieder ausgeführt. Weniger Vorsicht und Zurückhaltung wäre hier geboten gewesen.

Wie angedeutet, darf die vorliegende, solide aufbereitete CD als Station in der Entwicklung zweier junger Künstler begriffen werden, die sich auf dem Weg zu einer interessanten Karriere als Musiker befanden und wohl noch immer befinden. Es wäre verfehlt, ihrer jungen und vielleicht noch etwas unreifen Interpretation mit der Philharmonie Baden-Baden, die aber schon von viel Talent auf ihren Instrumenten sprechen, keine Chance zu geben.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Simon Haasis Kritik von Simon Haasis,


Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Rota, Nino: Divertimento concertante für Kontrabass & Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Bella Musica
1
01.11.2009
Medium:
EAN:

CD
4014513024015


Cover vergössern

Bella Musica

BELLA MUSICA EDITION JÜRGEN RINSCHLER ist eine der ältesten unabhängigen Musik- und Hörspiel-Produktionsfirmen in Deutschland sowie Record-Company und Verlag. Wir bieten Tausende von Titeln aus allen Bereichen der Musik: Klassik ? Jazz ? Oldies ? Schlager - Deutsche Volksmusik ? Internationale Volksmusik - Country- und World-Musik sowie Märchen ? Kinderhörspiele und ?lieder.

Zu BELLA MUSICA gehören auch die Label ANTES EDITION und THOROFON. Diese drei Label gewährleisten die große Vielfalt mit unterschiedlichen Ausrichtungen und Schwerpunkten.

Auf dieser Website finden Sie eine Auswahl aus dem Klassik-Katalog. Blättern Sie mit Freude darin.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Bella Musica:

  • Zur Kritik... Sensuell und kraftvoll: Die Violinkonzerte von Fritz Leitermeyer und Dieter Acker sind zentrale Beiträge zur Ferenc-Kiss-Diskografie. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Busoni im Zentrum: Manfred Reuthes Klavierrecital bietet Kompositionen unterschiedlicher Epochen mit unterschiedlicher interpretatorischer Sicherheit. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Jenseits von Zeit und Raum: Mit dieser Einspielung von Saties Klaviermusik beweist Chisako Okano, dass eine Musik, die weder auf Spannungsbögen basiert noch dem Prinzip auffallender Gegensätze folgt, dennoch voller Emotion und interpretatorischer Vielfalt sein kann. Weiter...
    (Dr. Uta Swora, )
blättern

Alle Kritiken von Bella Musica...

Weitere CD-Besprechungen von Simon Haasis:

  • Zur Kritik... Ein Komponist ganz bei sich: Für Wolfgang Amadé Mozart ist wie für viele Zeitgenossen der Spätaufklärung die Freimaurerei ein Thema. Dieses Album aus dem Hause BIS lässt tief und nachhaltig ins Seelenleben des Komponisten blicken. Weiter...
    (Simon Haasis, )
  • Zur Kritik... Flächen und Farben: Musica Viva mit Ligeti, Murail und Benjamin in herausragender Besetzung. Weiter...
    (Simon Haasis, )
  • Zur Kritik... Ein Fund für den Konzertsaal: Das Polish Radio Symphony Orchestra entdeckt Alexandre Tansman bei cpo neu Weiter...
    (Simon Haasis, )
blättern

Alle Kritiken von Simon Haasis...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

  • Zur Kritik... Zur Frühgeschichte des Klaviertrios: Die jahrelange Auseinandersetzung mit einem Komponisten kann immer wieder zu fruchtbaren Neuveröffentlichungen führen. Weiter...
    (Dr. Jürgen Schaarwächter, )
  • Zur Kritik... Sonaten-Dreigestirn : Schubert letzte drei Klaviersonaten D95, D959 und D960 sind bei Francesco Piemontesi sehr gut aufgehoben. Weiter...
    (Manuel Stangorra, )
  • Zur Kritik... Zunehmende Kompaktheit: Diese zweite cpo-Veröffentlichung mit Musik des Holländers Leopold van der Pals zeigt vor allem anhand dreier konzertanter Werke die erstaunliche Entwicklung seiner Tonsprache. Weiter...
    (Dr. Michael Loos, )
blättern

Alle CD-Kritiken...

Jupiter

Anzeige

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (9/2020) herunterladen (3402 KByte)

Anzeige

Jetzt im klassik.com Radio

Pietro Antonio Cesti: La Dori

CD kaufen


Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich