> > > Satie, Erik: Piano Music Vol.1 - Le Fils des Etoiles
Montag, 19. August 2019

Satie, Erik - Piano Music Vol.1 - Le Fils des Etoiles

Schattierungen von Weiss


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Schwarz ist die Nacht und weiß das bleiche Licht des Mondes - Erik Satie schreibt mit ?Le Fils des Etoiles? eine Musik, die einfach erstaunlich ist. Erstaunlich in der Modernität, in der Aussagekraft, die sie gerade in der heutigen Zeit wieder erreicht, einfach erstaunlich für 1892, ihr Entstehungsdatum. Joséphin Peladan, (Neu)Gründer und Leiter des Rosenkreuzerordens in Paris, stellte sich zu seinem selbstverfassten Theaterstück eine Musik ganz im Stile Wagners vor. Denn es ist der Geist Wagner, der die französischen Künstler und Intellektuellen Frankreich im ausgehenden 20. Jahrhundert für einige Zeit berauscht; das Mysthisch-Symbolische seines ?Tristans? und ?Parzifals?. Satie hingegen ? selbst für einige Jahre ?Rosenkreuzer? ? schreibt eine andere Musik: distanziert, kühl und bleich wie weißes Mondlicht. Es ist gerade das ?en blanc?, das ?immobile? aus dem sich die Musik erschafft. Bekannt sind aus dem ?Le Fils des Etoiles? eigentlich nur noch die drei Préludes, die Satie als Klavierstücke veröffentlicht hat, sozusagen die musikalische Ursubstanz. Was aber dabei verloren geht, ist die eigentliche Entwicklung, oder ? treffender gesagt ? ihre Nicht-Entwicklung.

Der auf zeitgenössische und Musik des 20. Jahrhunderts spezialisierte Pianist Steffen Schleiermacher hat nun beim Label ?MDG Scene? die komplette Bühnenmusik eingespielt. Satie schreibt eine von Handlung unabhängige Musik, eine Art Klangraum oder Atmosphäre, in der etwas entstehen kann, oder zwangsläufig entstehen muss. Und wenn man sich so den Beginn des Werkes anhört, kommt schon das erste Erstaunen: das klingt doch wie Messiaen.
Die Musik beginnt mit einer sich ständig wiederholenden Farbfolge. Doch jetzt kommt der Unterschied, denn es geht überhaupt keine Farbwirkung von der Musik aus. Die Musik raubt dem Hörer nach einiger Zeit das Vertrauen in jegliche Entwicklung. Schleiermacher hat das erkannt. Er spielt die Akkorde weiß, ohne Farbe. Er gibt akkordbedingte Nuancen vollkommen auf und widmet sich lediglich dem Charakter der Versatzstücke, die Satie beliebig aneinander montiert. So eine Musik wird es erst siebzig Jahre später mit der ?Minimal Music? geben.

So entwickelt die Musik eine vollkommen unwirkliche Kraft, in der die Gedanken des Hörers eine ganz eigene Welt formen können. Es ist jene Wirkung von großen gotischen Kathedralen, in der sich der einzelne Mensch zwangsläufig an sich selbst ausliefern muss.
Es ist daher gar nicht hoch genug zu schätzen, wie sehr Schleiermacher sein Spiel in den Dienst einer Sache stellt, denn die zu zeigende Virtuosität ist nur eine Virtuosität der Ruhe und des Anschlags, nicht die einer sportiven Fingerschnelligkeit. Im Notentext der Szenenmusik hat Satie keine Stellung zu dynamischen Differenzierungen bezogen. Die Sensibilität mit der Schleiermacher nun die vielen Schattierungen einer einzigen Farbe ausleuchtet, ist bestrechend. Dynamik ist hier niemals ein Mittel der dramatischen Entwicklung sondern immer nur ein weiteres Element einer in sich selbst verlorenen Architektur.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 




Florian Wetter Kritik von Florian Wetter,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Satie, Erik: Piano Music Vol.1 - Le Fils des Etoiles

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Veröffentlichung:
MDG
1
01.11.2001
79:37
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
0760623106328
MDG 613 1063-2

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Satie, Erik


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Interpret(en):Schleiermacher, Steffen (Piano)


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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