> > > Gombert, Nicolas: Vokalwerke Vol. 3
Montag, 10. Dezember 2018

Gombert, Nicolas - Vokalwerke Vol. 3

Fließende Musik


Label/Verlag: ORF
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Solide Interpretation von Motetten des Renaissance-Komponisten Nicolas Gombert: Eine Einspielung mit dem Ensemble The Sound and the Fury.

Die Vokalformation The Sound and the Fury hat in Zusammenarbeit mit dem ORF unter dem Titel ‚Paradise regained‘ eine programmatisch und interpretatorisch interessante Reihe etabliert. Erschienen sind unter anderem bereits Platten mit Werken von Johannes Ockeghem und Jacob Obrecht. Die vorliegende Live-Aufnahme widmet sich als dritter Teil einer kleinen Serie dem franko-flämischen Komponisten Nicolas Gombert (ca. 1495-ca. 1560), der als Schüler Josquin Desprez‘ und Mitglied der Hofkapelle Kaiser Karls V. etliches Renommee genoss und ein Musiker von – im besten Wortsinn – europäischer Ausstrahlung war.

Gombert entwickelte Josquins elaborierten Stil weiter und fand zu einer noch größeren Dichte, zu einem noch enger gewobenen musikalischen Netz. Diese Qualität ist seinen beobachtenden Zeitgenossen durchaus aufgefallen. So notierte Hermann Finck in seiner ‚Practica Musica‘ 1556: ‚Unter den gegenwärtigen Neuerern zeigt Nicolaus Gombert, des seligen Josquin Schüler, allen Musikern die Richtung, ja sogar den Weg zum Erfinden von Stimmgeflechten und zur Schlichtheit im Ausdruck. Er komponiert völlig anders, als es zuvor geschah: denn er vermeidet Pausen, und sein Werk ist reich an Harmonien wie an Imitationen.‘ Und in der Tat ist diese Qualität auch dem Hörer der Gegenwart sofort auffällig: Hier kann von strukturell ambitioniertem Gewebe im besten Sinne gesprochen werden; die Sätze ruhen gewissermaßen in sich, und das Ziel der Musik ist niemals das Ende einer Entwicklung, sondern die sich allmählich entfaltende Struktur selbst. Das gilt natürlich für kontrapunktisch gearbeitete Musik generell – wird aber bei Gombert besonders ohrenfällig.

Solide Interpretation

Diese lineare Konsequenz verlangt von einem sehr schmal besetzten Vokalensemble ein Höchstmaß an intensiv geatmetem Bogen. Dazu sind die Sänger um Richard Wistreich, Thomas E. Bauer, John Potter, Klaus Wenk und David Erler ohne weiteres in der Lage. Die Namen der Vokalisten stehen für Erfahrung im Repertoire und interpretatorische Expertise. Sie singen in der vorliegenden Einspielung, die im Herbst 2008 live in der Kirche der Kartause Mauerbach entstand, diskret und sensibel intonierend, mit gut ausgehörten Schlüssen und in einem noblen Grundklang. Neben dem prägnanten Bass von Richard Wistreich fällt naturgemäß die andere Randstimme – der Altus David Erler – besonders ins Ohr. Seine Stimme klingt bei schlanker Führung gelegentlich etwas kehlig, überzeugt dann aber wiederum mit sehr leichten und intonationsstarken freien Einsätzen.

Alle Sänger phrasieren großflächig und werden der Musik damit gerecht, die Intonation ist relativ stabil und für eine Live-Aufnahme gut, weist aber doch einige ‚Dellen’ auf. Dieser Umstand und der in der Summe gute, aber doch zu direkte, keinerlei Fehler verzeihende und die einzelnen Stimmen allzu sehr herausstellende Klang verhindern eine bessere Positionierung im Repertoire. Das sehr überschaubare Booklet tut ein Übriges. Dennoch: Das interpretatorische Potenzial der Formation ist unbestritten, vielleicht mangelt es zumindest in der aktuellen Produktion an der letzten klanglichen Ausgewogenheit.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Gombert, Nicolas: Vokalwerke Vol. 3

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
ORF
1
15.09.2009
EAN:

9004629314532


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ORF

Wer hätte gedacht, dass sich die "ORF Edition Alte Musik" in wenigen Jahren zu einem international renommierten Label entwickelt. Mit vielen Plattenpreisen ausgezeichnet, umfasst die Edition nun hundert Titel. Künstler der Edition feiern mit Freunden und Gästen im Palmenhaus.

"Alte Musik - neu interpretiert"
Die ORF Edition Alte Musik feiert ihren 100. Titel
Zum Jubiläum der «ORF Edition Alte Musik» zu schreiben, heisst zuerst einmal, all denen zu danken, die mitgeholfen haben, die über 100 CD aus der Taufe zu heben, vor allem den Musikern, die ihre ganze künstlerische Kraft gaben und schließlich auch jenen, die die fertigen Produkte gekauft haben. Und das sind viele: so könnte im Schnitt jedes Ö1-Club-Mitglied zwei Titel der Edition besitzen. Ich bedanke mich herzlich!

Ziel dieser Edition ist es, musikalisches Neuland zugänglich zu machen (ich denke hier in erster Linie an die Unica-Reihe, in der bisher ungehobene Schätze veröffentlicht, werden oder die Serie "paradise regained - polyphonie der renaissance") und neben bereits renommierten Künstlern auch Newcomers der Szene zu präsentieren. Die Akzeptanz der Aufnahmen beim Publikum und der Presse ist hoch. Mit vielen internationalen Preisen - wie etwa dem begehrten "diapason d'or" in Frankreich oder den "5 stars" des Goldberg Magazine - ausgezeichnet, ist die Edition heute eines der weltweit führenden Labels für Alte Musik.
Glücklicherweise wurde das Projekt von Anfang an von leidenschaftlichen Menschen, Kollegen, Künstlern und Publikum mitgetragen und gefördert: Gerhard Weis, der als Generalintendant und Händel-Fan die Edition erst ermöglichte, Freunde und Stars wie Nikolaus Harnoncourt, Jordi Savall, William Christie, Marc Minkowski, Christophe Rousset, Ton Koopman, Philippe Herreweghe, Gustav Leonhardt, René Jacobs oder Giovanni Antonini, die das Einverständnis zur Veröffentlichung ihrer Aufnahmen in der Edition gaben und schließlich von den Aufnahmeleitern Wolfgang Sturm, Erich Hofmann und Wolfgang Racher. Ohne den Einsatz, das Interesse an neuen Formaten und unorthodoxen Aufnahmeverfahren und ohne eine große Portion Idealismus von Technikern wie Robert Pavlecka, Josef Schütz und Klaus Wachschütz hätte vieles nicht stattfinden können. So wurden in der Edition die ersten 5.1-surround Aufnahmen und die ersten SACD des ORF veröffentlicht.

Für mich ist freilich dieses Jubiläum ein Anlass, auch über die Zukunft der Edition, ja die Zukunft der sogenannten "Alten Musik" generell nachzudenken. Die medialen Entwicklungen der jüngsten Zeit lassen Böses erahnen. Praktisch jedem wird Werkzeug in die Hand gegeben, um sich mittels Video oder Audio z. B. per Podcast zu verwirklichen. Eine Informations- und Datenflut bricht auf uns herein. Eine gigantische Welle, die wohl zum Großteil zu entsorgenden Müll mit sich schwemmt.
Informationen, die auf allgemeines Desinteresse stoßen, niemanden - außer wenigen - interessieren. Freiheit und Möglichkeit für alle, sich zu produzieren. "Man muss ja nicht hinschauen oder -hören!" - Doch dazu muss der Mensch erst motiviert werden. Wenn ich darüber nachdenke, komme ich zu dem Schluss, dass gerade die Alte Musik mit ihren oft klaren Strukturen, Harmonien und Melodien den Menschen das gibt, was viele suchen: emotionelle Identifikation. Gerade diese Möglichkeit der Identifikation wird in Zukunft an Wert gewinnen, wenn auch Musikkultur immer mehr zur Eventkultur, wenn ganz individuell erkannte und gewonnene Inhalte durch global geprüftes, vorgekautes "Gourmet-Menü" in Frage gestellt werden. "Fast food" oder "Mainstream" wird Alte Musik nie sein! Dass sie weiterhin an Publikum gewinnt, zeigt sich auch an der Akzeptanz der ORF Edition Alte Musik.

Bernhard Trebuch
Herausgeber der ORF Edition Alte Musik


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