> > > Saint-Saens, Camille: Cellosonaten Nr. 1 & 2
Donnerstag, 2. Juli 2020

Saint-Saens, Camille - Cellosonaten Nr. 1 & 2

Kultivierte Brillanz


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


In ihrer Aufnahme von Werken für Cello und Klavier von Camille Saint-Saëns präsentieren Christian Poltéra und Kathryn Stott eine lebendige Interpretation, die Brillanz und kultivierte Bändigung zugleich offenbart.

Kammermusikalische Werke hatten in Frankreich im 19. Jahrhundert einen schweren Stand. Einerseits erschienen sie neben der langen Tradition musiktheatralischer Werke wohl denkbar unspektakulär. Andererseits galten sowohl Kammermusik als auch Sinfonie als deutsche Gattungen, eine Beschäftigung mit solchen Formen galt im gegenüber Deutschland kritisch gestimmten Frankreich beinahe als Vaterlandsverrat. Kein Wunder also, dass Camille Saint-Saëns' Werke dieser Gattungen auf Widerstand stießen. Trotzdem war es dem Komponisten ein großes Anliegen, die Kammermusik zu fördern. Mit der Gründung der Société Nationale de Musique schuf er 1871 ein Institution dafür. Der neu gegründeten Gesellschaft gehörten neben Saint-Saëns unter anderem auch Georges Bizet und Gabriel Fauré an. Ziel dieser Konzertgesellschaft war es, Instrumentalwerke zeitgenössischer französischer Komponisten aufzuführen.

Die erste Sonate für Cello und Klavier in c-Moll op.32 entstand Ende des Jahres 1872. Lehnt sich Saint-Saëns' oft gefällige und geglättete Musik überwiegend an traditionelle Modelle an, so überrascht in dieser Sonate die ausgeprägte Dramatik. Die Themen vor allem der beiden Ecksätze werden teilweise aufgeteilt in einzelne Motive, die in beiden Stimmen auftauchen. Dies verleiht dem Werk einen mitunter etwas sperrigen Charakter und unterstützt auf diese Weise die Dramatik.

Die zweite Sonate für Cello und Klavier in F-Dur op. 123 entstand wesentlich später als die erste, im Jahre 1905. Zwar schimmerte zu dieser Zeit in Frankreich bereits der Impressionismus durch, doch Saint-Saëns hielt bei seinen Kammermusikwerken dieser Zeit an der Dur-Moll-Tonalität fest. Die unterschiedlichen Stimmungen der vier Sätze repräsentieren den Spätstil des Komponisten: Der erste Satz entpuppt sich als Sonatensatz. Das Thema des zweiten Satzes wird in acht Variationen verarbeitet. Der dritte Satz offenbart eine lyrische Romanze, und der Finalsatz kommt im Gegensatz dazu brillant und leicht daher.

Im Anschluss an die beiden Sonaten folgen auf vorliegender CD drei kurze Werke für Cello und Klavier: 'Le cygne’ dürfte als eines der populärsten Stücke aus dem Werk 'Le carnaval des animaux’ schon vielen Ohren geschmeichelt haben. Viel später ist 'Prière’ entstanden, in der Originalfassung für Cello und Orgel. Die Romanze in F-Dur schließlich schrieb Saint-Saëns für Cello oder Horn und Klavier.

Mit einem hohen Maß an Brillanz und technischer Virtuosität überzeugen die beiden Interpreten, Christian Poltéra und Kathryn Stott in der vorliegenden Aufnahme. Der Cellist erfreut außerdem mit präziser Intonation. Die Interpretation bleibt dabei kultiviert, erlaubt sich wenig schwärmerische Ausbrüche. Dies mag einige Stellen nicht ganz so zur Geltung bringen, zumal es, insbesondere in der ersten Sonate, in mancher Passage notwendig erscheint, das etwas sperrige Tongeflecht zu lichten. Auf der anderen Seite aber wirkt die Interpretation so, wie sie ist, sehr authentisch: exakt und ohne interpretatorisches Virtuosendekor, auf hohem künstlerischem Niveau – Cellist wie Pianistin scheinen ihre Persönlichkeit in der Musik zu zeigen, ohne aufgesetztes Theater. Das macht die Aufnahme bewegend und angenehm anzuhören, ja, bringt vielleicht Wechsel in den Klangfarben umso subtiler zur Geltung. Überlegt gehandhabt werden auch Tempoangaben und dynamische Hinweise, die musikalischen Bögen sind schlüssig. Insbesondere bei den drei kurzen Stücken kommt die sorgfältige, subtile Gestaltung gut zur Geltung.

Was eine plastische Gestaltungsweise der Werke anbelangt, hat es Saint-Saëns den Musikern nicht leicht gemacht: Der Cellopart ist oft in genau der Tonlage notiert, in der sich das Instrument am wenigsten gegen den anspruchsvollen Klavierpart durchzusetzen vermag. Auch thematische Abschnitte in der Klavierstimme drohen in der Dichte des Begleitsatzes unterzugehen. Hier wünschte man sich in der Aufnahme die eine oder andere Stelle noch klarer herausgearbeitet, eine Forderung vor allem bezüglich der ersten Sonate. Die zweite Sonate erweist sich in dieser Beziehung als dankbarere Komposition Sie lässt dieses heikle Thema weniger aufblitzen, sondern die wache und lebendige Interpretation voll zur Geltung kommen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Michelle Keller Kritik von Michelle Keller,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Saint-Saens, Camille: Cellosonaten Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
23.10.2009
Medium:
EAN:

CD
095115155226


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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