> > > Per il santissimo natale: Elbipolis & Deborah York
Dienstag, 30. November 2021

Per il santissimo natale - Elbipolis & Deborah York

Durchwachsene Brillanz


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Deborah Yorks weihnachtliche Solo-CD ist ein Aushängeschild für die technische Brillanz der Sängerin. Ihre Interpretationen barocken Weihnachtsrepertoires können jedoch nicht unbedingt überzeugen.

Barock boomt. Weihnachtsplatten mit dem entsprechenden kirchenjahresbedingten Repertoire haben in den letzten Jahren spürbar zugenommen, und längst darf darüber nachgedacht werden, die Kanonisierung auf Werke jenseits des Bachschen und Händelschen Einflussbereichs auszudehnen. So ist es letztlich nur konsequent, dass die auf Barockmusik spezialisierte Sopranistin Deborah York für ihre Solo-Platte das viel beackerte Feld verlassen hat. Im außerweihnachtlichen Bereich hat sie den barocken Kanon diskographisch durchaus mitgeprägt, war sie doch beteiligt an Ton Koopmans Einspielung des Kantatenwerks von Johann Sebastian Bach, übernahm Partien in Händel-Opern, sang die Belinda in Purcells 'Dido and Aeneas', wirkte unter John Eliot Gardiner in Einspielungen von Schuberts As-Dur-Messe und Strawinskys 'The Rake's Progress' mit, nicht zu vergessen die Partien in Scarlatti-, Hasse- und Gluck-Werken. Nun also hat die in Sheffield gebürtige und in Berlin lebende Deborah York mit dem Hamburger Barockorchester Elbipolis ihre Weihnachts-Solo-CD vorgelegt, und die Erwartungen an die ausgewiesene Barockspezialistin sind naturgemäß hoch.

Deborah York und Elbipolis präsentieren ein deutsch-italienisches Weihnachtsprogramm. Italienisch sind die orchestralen Werke, die Elbipolis interpolierend beisteuert: Alessandro Melanis 'Sonata a 5 in C-Dur', Francesco Onofrio Manfredinis 'Sinfonia Pastorale per il Santissimo Natale' und Giuseppe Torellis 'Concerto per il Santissimo Natale, op. 8,6'. Mit seiner Debüt-CD Don Quichotte in Hamburg' hat Elbipolis bereits gezeigt, wie herzhaft energetisch Historische Aufführungspraxis klingen kann. Auch hier besticht das Orchester durch binnengespannte, fein abgezirkelte Phrasierung und reine Intonation. Elbipolis entschlackt gleichsam die ‚Süßigkeit' der Musik und revitalisiert deren kompositorischen Eigenwert.

Feinfühliges musikalisches Kooperieren beweist das Orchester im Dialog mit Deborah York, die mit Melchior Hoffmanns 'Magnificat', Händels – erst vor ein paar Jahren entdecktem – 'Gloria in excelsis Deo' und Christian August Jacobis Solo-Kantate 'Der Himmel steht uns wieder offen' selten zu Hörendes interpretiert. Zweifellos ist Deborah Yorks technische Brillanz zu bewundern, deren Meisterschaft in den überaus virtuosen Partien zur Geltung kommen kann. Und es sind gerade die sängerisch heiklen Passagen, die Koloraturen und Verzierungen, die York mit Stimmcharakter, ja -charisma meistert. Dies sind große Momente in lupenreiner Diktion, mit einer raumfüllenden, kraftvollen Stimme, die sich mitunter jedoch nur schwer zügeln lassen will. Oft führt Deborah York ihre Stimme non-vibrato, was ab und an spannungsarm, klanglich fahl und bis an die Grenzen tolerabler Intonation gehend daherkommt. Immer wieder enden Phrasen dynamisch wenig abgerundet, starr; mitunter verleiht Deborah York den Phrasenenden dynamisch Nachdruck, wo ein Zurücknehmen des Tons angebracht gewesen wäre. Yorks Stimme besitzt Individualität und hohen Wiedererkennungswert durch eine klare Strahlkraft – die aber gleichsam ungebündelt ist. So bleibt ein etwas durchwachsener Eindruck. Wer die Gesangstechnik liebt, wird hier voll auf seine Kosten kommen. Den runden, flexiblen Gesang, das gewisse Etwas des Interpretatorischen, wird man nicht gänzlich vermissen müssen; sie leuchten hier nur leider zu selten auf.

Die etwas blumigen Zeilen des Begleithefts werden gerahmt von einem aufwändig produzierten Klappalbum in goldgeprägter, kalligraphisch kaum in der Barockzeit zu verortender Schrift. Auch das Titelbild mit Maria als Himmelskönigin vom Genter Altar des Jan und Hubert van Eyck mutet wenig barock an, entstand der Genter Altar doch 1432.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Erik Daumann Kritik von Erik Daumann,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Per il santissimo natale: Elbipolis & Deborah York

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Berlin Classics
1
30.10.2009
66:43
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
782124166021
0016602BC


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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