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Samstag, 6. März 2021

La Reverdie interpretieren - Musik aus dem Codex Buranus

Der andere Blick


Label/Verlag: Arcana
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine Reihe von Gesängen der Carmina Burana in einer sensiblen und sehr gelungenen Deutung des Ensembles La Reverdie.

Gleich zu Anfang des lesenswerten Booklettexts zeigt sich die selbstironische Note, mit der die Musikerinnen und Musiker des italienischen Ensembles La Reverdie neben allem Können und Wissen ihrer Leidenschaft nachgehen: Ella de Mircovich bittet bei all jenen Käufern um Entschuldigung, die sich von der vorliegenden Platte eine neue, aufregende Aufnahme der Orffschen 'Carmina Burana‘ versprochen hatten. Von Orffs Auffassung der meisten der Gesänge als nur derbe, handfeste Musik mit ebensolchen Texten weicht die sensible Interpretation von La Reverdie natürlich deutlich ab. Denn allein der Umstand, dass nur 55 der 315 Teile des Codex Buranus eine teilweise oder gar vollständige Neumennotation aufweisen, zwingt die Ausführenden zu behutsamer Deutung auf der soliden Basis langjähriger wissenschaftlicher und musikalischer Erfahrung. Dort, wo Melodien oder selbst wenige Melodiepartikel fehlten, wurde nach Parallelquellen mit denselben Texten gesucht oder mit der im Mittelalter weit verbreiteten Kontrafakturtechnik gearbeitet: Eine zeitgenössische, eigentlich in anderem Kontext entstandene Melodie wird dem bestehenden Text unterlegt und belebt diesen auf neue Art.

La Reverdie haben sich in einer Auswahl von 18 Stücken vor allem einem Aspekt gewidmet – dem Grenzbereich von weltlicher und geistlicher Sphäre, der in so vielen der Texte aufscheint. Unter dem Titel ‚Sacri Sarcasmi‘ geht es um lebenslustige Nonnen, um den Tanz in der Kirche und auch um die Frage, ob Ritter oder Kleriker die besseren Liebhaber seien. (Der mittelalterliche Text kommt übrigens zu dem Ergebnis, dass die Gottesmänner als Liebhaber zu bevorzugen sind.)

Tolle Interpretation

Damit findet die Formation einen eigenständigen Zugang, gewinnt der Sammlung einen frischen Aspekt ab. La Reverdie agieren in jeder Hinsicht reflektiert, sie bewegen sich mit großer Expertise im Repertoire. Dabei verschweigen sie keineswegs eines der gewichtigen Probleme, die Interpretation von Musik jener Epoche haben muss: Jeder aufführungspraktische Ansatz ist im Grunde hypothetisch. Das italienische Ensemble findet zwei Mittel, diesem Dilemma zu begegnen – es erforscht alle Quellen, die verfügbar sind und die Hinweise geben können und es nähert sich dem Projekt genuin musikalisch. Denn es soll ja nicht um Geistesakrobatik gehen, sondern den Hörer einer Plattenproduktion überzeugen. Und damit sind wir beim Kern des Vorhabens.

Claudia Caffagni, Livia Caffagni, Elisabeta de Mircovich, Ella de Mircovich, Doron David Sherwin, Andrea Favari, Paolo Borgonovo und Matteo Zenatti singen und spielen bald mit zartem bald auch mit herzhafterem Zugriff, loten die Vielschichtigkeit der Texte aus, artikulieren dezent und agieren insgesamt als vielseitige, künstlerisch auf außerordentlich hohem Niveau agierende, kompakte Gruppe. Es ist ein Ensemble im engsten Sinn des Wortes. Das heißt nicht, dass sich nicht auch einzelne Stimmen in solistisch gestalteten Passagen betörend verströmen könnten, dass nicht auch eine stupende technische Basis erkennbar würde. All das ist in reichem Maß gegeben. Dazu tritt konsequenterweise eine sprecherische Ebene. Einige der Texte werden nicht nur musikalisch gedeutet, sondern in dramaturgischer Verdichtung rezitiert.

Die Tempi fließen leicht, scheinen sehr natürlich und aus sich selbst verständlich, der Klang ist klar, gut belüftet und wirkt sehr aufgeräumt – alle Sphären werden plastisch abgebildet. La Reverdie zeichnen wundervoll farbige Bilder, jede einzelne Interpretation atmet den ausgeprägten Sinn der Akteure für das Repertoire. Und auch ein überraschend großes klangsinnliches Potenzial entfaltet sich. In der Summe eine wunderbare Platte für Freunde fein interpretierter mittelalterlicher Musik und vielleicht für jene Hörer, die sich für die andere Seite der Carmina Burana erwärmen können – auch wenn oder gerade weil sie nicht von Carl Orff sind.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    La Reverdie interpretieren: Musik aus dem Codex Buranus

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Arcana
1
01.11.2009
Medium:
EAN:

CD
8033891690182


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Arcana

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