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Mittwoch, 20. Oktober 2021

Majo, Gian Francesco de - Alessandro

Nicht spektakulär, aber reizvoll


Label/Verlag: Coviello Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ein mehr als solides Solistenensemble und eine großartige Iris Kupke rechtfertigen den Kauf dieser gewiss nicht spektakulären, aber reizvollen Opera seria von Gian Francesco de Majo.

Diese Vertonung von Metastasios ‚Alessandro‘-Libretto ist in zweierlei Hinsicht eine reizvolle Erschließung von Neuland, denn nicht nur die Gesangssolisten sind noch jung und vom internationalen Operngeschehen weitgehend unberührt; auch der Komponist Gian Francesco de Majo ist eine operngeschichtliche Randerscheinung, deren Bedeutung in den vergangenen Jahrzehnten mehr oder weniger im Dunkeln lag. Ob diese Einspielung von de Majos Opera seria 'Alessandro‘ eine Renaissance des neapolitanischen Komponisten auslösen wird, steht in den Sternen. Immerhin hat sich das Nationaltheater Mannheim die Mühe gemacht, de Majo und sein kunstvolles Opernschaffen ins Gedächtnis des Publikums zurückzurufen.

Gian Francesco de Majo komponierte den 'Alessandro‘ im Jahr 1766 speziell für den Hof in Mannheim. Schon zwei Jahre zuvor hatte de Majo eine 'Ifigenia in Tauride‘ für Mannheim komponiert und dabei eine radikale Verwirklichung der umstrittenen Opernreform geleistet. Der 'Alessandro‘ allerdings bedeutet wiederum einen Rückschritt in die mehr oder weniger ausgetretenen dramaturgischen Pfade der italienischen Opera seria, wenngleich die Musik reizvolle und teils reformerische Momente mit obligaten Soloinstrumenten und modernen Accompagnato-Rezitativen für den Hörer bereithält. Leider ist die Partitur nicht vollständig erhalten, die Secco-Rezitative und die Ouvertüre fehlen – so auch in der vorliegenden Einspielung.

Es ist bewundernswert, über welch hochkarätiges Solistenensemble das Nationaltheater Mannheim verfügt. Sämtliche Partien sind mit Hausmitgliedern besetzt, die zum Teil bereits über die Mannheimer Grenzen hinaus gefragte Solisten in Oper und Konzert sind, und alle sind mit Engagement und vokaler Präsenz bei der Sache – schließlich haben sie diese Partien bereits 2008 auf der Bühne des Mannheimer Hauses zum Leben erweckt. Da ist es bedauerlich, dass man beim Hören den vermutlich spektakulären Anteil der farbenfrohen Inszenierung verpasst, die einem auf den Produktionsfotos so lebendig entgegenspringt. Da wären vokale Abstriche vermutlich eher zu überhören bzw. ließen sich dem dramatischen Geschehen zuordnen oder lösten sich in den überzeugenden darstellerischen Qualitäten auf. Dieser Aspekt kann bei einer reinen CD-Produktion nicht gebührend berücksichtigt werden, und somit bleibt das rein akustische Erlebnis, das sehr uneinheitlich ausfällt.

Gerade die beiden ‚ersten’ Sängerinnen der Produktion, Cornelia Ptassek als Cleofide und Marie-Belle Sandis als Poro, profitieren nicht gerade vom reinen Hörerlebnis. Am ehesten noch Cornelia Ptassek, die mit ebenmäßigem und tonschönem Sopran und einer malerischen Höhe beeindruckt. Aber leider gerät ihr Gesang zu konturlos. Die Wortgrenzen verschwimmen beim Schwelgen in Klang, die Klangfarben ihres Vortrags sind beschränkt. Alles ist mehr oder weniger zart in den Äther gehaucht, purer Schöngesang, dem der dramatische Zugriff in seiner Glaubwürdigkeit abgeht. Ähnliches gilt für Marie-Belle Sandis, deren bewundernswert höhensicherer Mezzosopran mit einem ständigen Hauchen behaftet ist. Es ist kaum auszumachen, ob die gelegentlichen Farbschwankungen innerhalb einer Phrase von überhöhtem Druck herrühren oder von einem als leicht gedachten Drüber-hinweg-Singen. Auch hier würde man sich einen entschiedeneren Zugriff wünschen, gerade auch in der sträflich behandelten Artikulation. Allerdings muss man betonen, dass sich die Stimmen von Sandis und Ptassek in ihrer technischen Verwandtschaft hervorragend im Duett des ersten Aktes verbinden.

Der auffallend hell timbrierte Bariton von Lars Møller charakterisiert mit kerniger Durchschlagskraft den Feldherren Alessandro, wobei er sich beachtlich seiner Koloraturen entledigt. Ebenso rollendeckend agiert Gundula Schneider in den beiden Arien des Timagene, während der Gandarte von Katharina Göres regelrecht aufhorchen lässt. Das funkelnde Timbre, die strahlende Höhe und eine natürliche Artikulation machen Lust auf mehr als nur zwei Arien.

Die beiden Stars dieser Einspielung sind das hervorragende Nationaltheaterorchester Mannheim – dessen Hornfraktion sich ein Extralob verdient hat – unter der kundigen Leitung von Tito Ceccherini und die schlichtweg großartige Erissena von Iris Kupke, die mit fulminanter Verve de Majos Musik zum Leuchten bringt. Iris Kupke beherrscht die zupackende Koloratur ebenso wie zarte Verzierungen, besticht durch langen Atem und eine vorbildliche Registerverblendung. Allein schon wegen dieser beeindruckenden Stimme sollte man offensichtlich öfter mal nach Mannheim fahren.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Majo, Gian Francesco de: Alessandro

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Coviello Classics
2
01.10.2009
Medium:
EAN:

CD
4039956209119


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Majo, Gian Francesco de
 - Ouvertüre zu Adriano in Siria -
 - Erster Akt. Aria Nr. 1 - Vedrai con tuo periglio
 - Erster Akt. Aria Nr. 2 - Vil trofeo d´ un alma imbelle
 - Erster Akt. Aria Nr. 3 - Chi vive amante
 - Erster Akt. Aria Nr. 4 - O sugl´ estivi ardori
 - Erster Akt. Aria Nr. 5 - Se mai turbo il tuo riposo
 - Erster Akt. Marcia Nr. 6 -
 - Erster Akt. Recitativo Nr. 7 - Lode agli Dei
 - Erster Akt. Duetto Nr. 8 - Se mai turbo il tuo riposo
 - Zweiter Akt. Aria Nr. 9 - Senza procelle ancora
 - Zweiter Akt. Sinfonia d´ istromenti militari Nr. 10 -
 - Zweiter Akt. Aria Nr. 11 - Digli ch´ io son fedele
 - Zweiter Akt. Aria Nr. 12 - Destrier, che all´ armi usato
 - Zweiter Akt. Recitativo Nr. 13 - Giusti Dei, che vedete
 - Zweiter Akt. Aria Nr. 14 - Se e ver che t´ accendi
 - Zweiter Akt. Aria Nr. 15 - Se il ciel mi divide
 - Zweiter Akt. Aria Nr. 16 - Se viver non poss´ io lungidate
 - Zweiter Akt. Aria Nr. 17 - Di rendermi la calma
 - Dritter Akt. Aria Nr. 18 - Se troppo crede al ciglio colui
 - Dritter Akt. Aria Nr. 19 - Serbati a grand d´ impresse
 - Dritter Akt. Aria Nr. 20 - Fin ch´ io rimanga in vita
 - Dritter Akt. Aria Nr. 21 - Trafiggerio quel core
 - Dritter Akt. Aria Nr. 22 - Mio ben, ricordati
 - Dritter Akt. Aria Nr. 23 - Son confusa patorella
 - Dritter Akt. Coro Nr. 24 - Dagli astri discendi
 - Dritter Akt. Recitativo Nr. 25 - lo fui consorto a Poro
 - Dritter Akt. Coro Nr. 26 - Serva ad Eroe si grande


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Dirigent(en):Ceccherini, Tito
Orchester/Ensemble:Nationaltheater-Orchester Mannheim
Interpret(en):Möller, Lars
Sandis, Marie-Belle
Ptassek, Cornelia
Kupke, Iris
Göres, Katharina
Schneider, Gundula


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Coviello Classics

Für Coviello Classics steht bei einer Musikproduktion immer das besondere Hörerlebnis im Vordergrund ? alle technischen und organisatorischen Entscheidungen müssen sich diesem ästhetisch definierten Ziel unterordnen. Wesentliche Entscheidungen treffen bei coviello classics nicht gewinnorientierte Manager, sondern kreative Musik-Gestalter: zum einen die Gründer, Geschäftsführer und prägenden Köpfe Olaf Mielke und Moritz Bergfeld, die als Diplom-Tonmeister und Aufnahmeleiter den coviello classics-Produktionen ihr ?klangliches Gesicht? geben, zum anderen die Interpreten, die für coviello classics immer die wichtigsten Partner sind. Ihre künstlerische Aussage ist das zentrale Kriterium für die Qualität einer Aufnahme; sie sind in alle ästhetischen Fragen einer Veröffentlichung einbezogen.

Hoher Repertoirewert

Grundvoraussetzung für unsere Neuproduktionen sind die besonderen Anforderungen an Künstler und Repertoire. Um dem Klassikmarkt neue Impulse zu geben, produziert coviello classics bislang wenig beachtetes Repertoire, oftmals in Weltersteinspielungen, und sorgt damit immer wieder für überraschende Entdeckungen. Bekanntere Werke erscheinen durch ungewöhnliche Interpretationen in neuem Licht ? hier gibt es keine ideologischen Grenzen oder vermeintlichen Authentizitäts-Anspruch; lebendige Musikkultur zeigt oft das vertraute in ganz anderem klanglichem Gewand. Ein besonderer Schwerpunkt ist die seit einigen Jahren etablierte Reihe coviello contemporary, in der sich die Nähe zum weltbekannten Darmstädter Institut für neue Musik in ganz aktuellen Kompositionen bemerkbar macht.

Technische und ästhetische Kompetenz

coviello classics ist das Label, unter dem die Aufnahmen der Produktionsfirma MBM vertrieben werden ? ob als CD, DVD oder SACD. Durch einen ganz speziell für die Anforderungen hochwertigster Musikproduktionen konzipierten Übertragungswagen sind die Voraussetzungen für die Aufnahmequalität bei MBM optimal. coviello classics bietet darüber hinaus in jedem Bereich und in jeder Phase der Realisierung einer Musikproduktion ? bis hin zu grafischer Gestaltung und Textredaktion bei den begleitenden Druckmedien ? sowohl Logistik und hochwertiges Gerät wie auch technisches und ästhetisches Know-how.

Grafiken, Texte und weltweite Wege

Zu einer Musikveröffentlichung gehört nicht nur der gespeicherte Ton ? da gibt es noch einiges mehr zu gestalten. Das Cover einer CD, DVD oder SACD muss nicht nur grafisch ansprechend gestaltet sein, sondern auch einen sinnvollen Zusammenhang mit dem musikalischen Inhalt herstellen. Das begleitende Booklet soll umfassend über Werke, Künstler und Aufführungspraxis informieren; die Texte müssen wissenschaftlicher Prüfung standhalten, aber trotzdem allgemein verständlich und auch noch unterhaltsam sein ? schwierige Herausforderungen auch über die Musik hinaus, für die coviello classics mit erfahrenen Grafikern und Textautoren zusammenarbeitet. Schließlich muss das fertige Produkt an möglichst vielen Orten der Welt erhältlich sein. Dafür haben wir in vielen Ländern in Europa, Asien und Nordamerika Partner vor Ort, die ihren Markt genau kennen. Sie werden laufend mit Neuheiten, Informationsmaterial und Rezensionen aus der Presse versorgt ? auch wenn die Produktion eigentlich fertig ist, macht sie uns noch viel Arbeit.


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