> > > Rautavaara, Einojuhani: 12 Konzerte
Montag, 18. Oktober 2021

Rautavaara, Einojuhani - 12 Konzerte

Konzerte auf Finnisch


Label/Verlag: Ondine
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Zum Geburtstag des finnischen Komponisten Einojuhani Rautavaara legt das Label Ondine nach einer Sammlung der Sinfonien nun auch die Konzerte in einer Box vor. Die Einspielungen sind durchweg tadellos.

Der finnische Komponist Einojuhani Rautavaara wird von dem Label Ondine anlässlich seines 80. Geburtstags in diesem Jahr mit Jubiläumseditionen geehrt. Nachdem Rautavaaras acht Sinfonien in einer Sammel-Box herausgegeben wurden, macht das finnische Label nun auch mit Einojuhani Rautavaaras Instrumentalkonzerten bekannt, ebenfalls als Sammeledition, ausgestattet mit relativ knapp bemessenem Booklet; angesichts des Preisunterschieds zwischen der günstigen 4-CD-Box und der zwischen 1994 und 2008 vorgelegten Einzeleinspielungen aber durchaus verständlich. Mit den Sinfonien lässt sich die kompositorisch-stilistische Entwicklung von Einojuhani Rautavaara wie in einem Brennspiegel nachvollziehen. Angefangen von neoklassizistischen Modellen und Anleihen aus der klassischen Moderne hat Rautavaara nicht nur mit dodekaphonischen Techniken gearbeitet, sondern die erste serielle Sinfonie Finnlands vorgelegt. In den 1970er Jahren etablierte Rautavaara einen Stil, der gemeinhin als neoromantisch beschrieben wird. Seitdem verbindet Rautavaara diese Stilsphäre in je unterschiedlicher Weise mit Elementen der Avantgarde, wobei er mit seiner preisgekrönten Siebten Sinfonie „Angel of Light“ einen breitenwirksamen, sehr attraktiven musikalischen Stil gefunden hat, den er seitdem in leichter Variation reproduziert. Sphärische Klangflächen, dunkel tönende Melodien, grelle Scherzi und eine durch Dissonanzen gefärbte, aber tonale Harmonik, stehen dabei im Mittelpunkt.

Rautavaaras Konzerte bilden die stilistische Entwicklung Rautavaaras nicht so lückenlos ab wie seine Sinfonien, obschon sie quantitativ die Sinfonien überwiegen: es sind zwölf Konzerte. In vorliegender Box sind sie nicht chronologisch geordnet, sondern nach Instrumententyp (und natürlich so, dass sich die unterschiedlich umfangreichen Konzerte gut auf vier Tonträgern unterbringen lassen). Ob nun die Ballade für Harfe und Streicher (1973/1981) tatsächlich zu den Konzerten gehört oder nicht eher ein einsätziges Werk für Solo-Harfe und Streicher darstellt, mag dahingestellt bleiben. Indem es den Konzert für Harfe und Orchester (2000) vorangestellt wird, lässt sich beobachten, wie Rautavaara mit den Klangmöglichkeiten der Harfe umgeht, vor allem auch, wie er sie in dem dreisätzigen Konzert gegenüber der Ballade erweitert. Auf selbiger CD findet sich auch das Konzert für Vögel und Orchester mit dem Untertitel „Cantus arcticus“ (1972), ein mittlerweile häufig aufgeführtes Konzert des finnischen Komponisten, bei dem auf Tonband aufgenommene arktische Vögel den konzertanten Part übernehmen.

Die erste CD ist den Konzerten für Streicher gewidmet. Es findet sich das Violinkonzert in zwei Sätzen aus dem Jahr 1977, das 1968 fertiggestellte Cellokonzert (das erste Instrumentalkonzert Rautavaaras) sowie das Konzert für Kontrabass und Orchester mit dem Titel „Angel of Dusk“ (1980), das hier in einer Lizenzaufnahme von BIS vertreten ist, der einzig produzierten Einspielung des Kontrabasskonzerts. CD 3 bietet die Bläserkonzerte: das Flötenkonzert „Dances with the Winds“ (1975), das Klarinettenkonzert (2001) sowie das Konzert für Orgel, Blechbläserquintett und Symphonisches Blasorchester mit dem Titel „Annunciations“ (1977), während die vierte CD den drei Klavierkonzerten gewidmet ist.

Die Einspielungen sind durchgehend gut bis sehr gut realisiert. Vor allem in der Gestaltung des Orchesterklangs lässt sich aber ein recht deutlicher Bruch feststellen; ein Bruch vor allem zwischen den mit Leif Segerstam und dem Philharmonischen Orchester Helsinki aufgenommenen Konzerten und den Klavierkonzierten unter Max Pommer (Leipziger Radio-Sinfonieorchester und Philharmonisches Orchester Helsinki) und Jukka-Pekka Saraste (Zweites Klavierkonzert mit dem Pianisten Ralf Gothóni und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks). Pommer, Saraste und auch der Pianist Gothóni begreifen Rautavaara viel stärker aus der Moderne, betonen klar die harschen Dissonanzen und lassen die Klangfarben des Orchesters hart aufeinanderprallen. Segerstam dagegen lässt die orchestralen Klanganteile miteinander verschmelzen, sorgt für eine meist weiche Klangfarbengestaltung, bei der die Dissonanzen als Farben wirken. Das bekommt dem Klarinettenkonzert aus dem Jahr 2001 sehr gut, ebenso dem Harfenkonzert (2000). Das Violinkonzert hingegen könnte durchaus etwas kantiger modelliert werden, um die kompositorische Stilistik des 1977 komponierten Stücks zu akzentuieren. Stattdessen scheint Segerstam auch die früheren Werke aus der Klangästhetik von Rautavaaras Stücke der 1990er Jahre heraus zu begreifen.

Freilich, die Stücke wirken auch in dieser leichten Umfärbung sehr präsent, bilden einen klaren Eigencharakter aus, gelingen wunderbar träumerisch wie das Dritte Klavierkonzert „Gift of Dreams“ mit Vladimir Ashkenazy als Solist und Dirigent, und sind klangtechnisch sehr gut eingefangen. Gleichzeitig wirkt der klangästhetisch unterschiedliche Zugang der älteren den jüngeren Aufnahmen dieser Box als reizvolle Differenz, die einmal mehr deutlich macht, wie hoch der Anteil musikalischer Interpretation an der Wirkung eines Stücks ist, selbst wenn sie sich auf die orchestrale Klangabstimmung beschränkt. Wobei die erstklassigen Solisten sich in dieses Bild mehr oder weniger einpassen: Ralf Gothónis Gestaltung der ersten beiden Klavierkonzerte ist konturenschärfer als der Ashkenazys

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rautavaara, Einojuhani: 12 Konzerte

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Ondine
4
29.03.2010
268:27
Medium:
EAN:

CD
761195115626


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Ondine

The roots of Ondine date back to 1985 when founder Reijo Kiilunen released the very first Ondine album under the auspices of the renowned Finnish Kuhmo Chamber Music Festival. The label's initial mission was to produce one live album at the Festival each season. The fourth album, however, featured Einojuhani Rautavaara's opera Thomas (ODE 704-2), raising major international attention and opening the ground for overseas distribution. Kiilunen, who was running the Festival's concert agency and had begun the recording activity part-time, soon decided to devote himself fully to the development of this new business, producing and editing the first 50 releases himself. Since 2009 the company has been a part of the Naxos Group.

Today Ondine's extensive catalogue includes nearly 600 recordings of artists and ensembles such as conductor and pianist Christoph Eschenbach, conductors Vladimir Ashkenazy, Vasily Petrenko, Mikhail Pletnev, Esa-Pekka Salonen, Hannu Lintu, Jukka-Pekka Saraste, Sakari Oramo, Leif Segerstam and John Storgårds, orchestras such as The Philadelphia Orchestra, Orchestre de Paris, London Sinfonietta, Bavarian Radio Symphony Orchestra, BBC Symphony Orchestra, Los Angeles Philharmonic, Russian National Orchestra, Czech Philharmonic, Finnish Radio Symphony Orchestra, Helsinki Philharmonic and Tampere Philharmonic, sopranos Soile Isokoski and Karita Mattila, baritone Dmitri Hvorostovsky and Gerald Finley, violinist Christian Tetzlaff, violist David Aaron Carpenter, cellist Truls Mørk and pianist Olli Mustonen.

The label has also had a long and fruitful association with Finnish composers Einojuhani Rautavaara, Magnus Lindberg and Kaija Saariaho, having recorded the premieres of many of their works and garnering many awards along the way.


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