> > > Strauss, Richard: Ein Heldenleben op. 40
Mittwoch, 12. August 2020

Strauss, Richard - Ein Heldenleben op. 40

Ein Abend in Pittsburgh


Label/Verlag: Octavia
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Manfred Honeck dirigiert das Pittsburgh Symphony Orchestra. Während Alan Fletchers Klarinettenkonzert harmlos klingt, strahlt 'Ein Heldenleben' von Richard Strauss in seiner ganzen Selbstherrlichkeit.

Das japanische Label Octavia Records veröffentlicht auf SACD einen Zusammenschnitt dreier Konzerte des Pittsburgh Symphony Orchestra unter seinem derzeitigen Musikdirektor Manfred Honeck, die im Mai 2008 in der Pittsburgher Heinz Hall gegeben wurden. Das an allen drei Abenden gegebene Programm lässt zunächst eine ganz gewöhnliche Abo-Zusammenstellung vermuten: eine Ouvertüre, ein Solokonzert und eine längere Tondichtung anstelle der Sinfonie. Prinzipiell wird diese Erwartung nicht enttäuscht, was jedoch nicht unbedingt ein Argument gegen die Einspielung darstellt. Denn erstens erklingt das vom PSO in Auftrag gegebene Klarinettenkonzert von Alan Fletcher (*1956) hier zum ersten Mal auf Tonträger. Und zweitens gehört der Klangkörper aus Pennsylvania, dem unter anderem schon Otto Klemperer, Fritz Reiner, André Previn und Mariss Jansons als Musikdirektoren vorstanden, zu den verdientermaßen bekannteren amerikanischen Orchestern. Manfred Honeck hingegen, seit 2007 ebenfalls Generalmusikdirektor an der Staatsoper Stuttgart, ist sicher ein interessanter Dirigent. Als ehemaliger Assistent Claudio Abbados und Bratschist bei den Wiener Philharmonikern verfügt er auch über Opernerfahrung.

Alan Fletchers in den Jahren 2005 bis 2007 entstandenes Klarinettenkonzert in irgendeiner Weise als innovativ zu bezeichnen, fällt schwer. Aber auf dieses Merkmal hat es der Komponist anscheinend gar nicht abgesehen. Im japanisch- und englischsprachigen Booklet-Text bekennt er offen, dass die drei Sätze sich formal an Modellen der Wiener Klassik orientieren. Auf ein 'Allegro’ in Sonatensatzform folgt ein 'Andante’ mit den Teilen A-B-A, den Abschluss macht ein Rondo. Harmonisch und melodisch orientieren sich Solopart und Begleitung an einer Mischung aus Blues und gemäßigter Moderne. Vieles klingt meiner Ansicht nach wie George Gershwin, wobei Michael Rusinek, der souverän wie unauffällig agierende Klarinettist, sich von Fletcher das Klarinettenkonzert von Samuel Barber (1910-1981) gewünscht haben soll – das dieser nie komponiert hat. Ob Fletcher das gelungen ist? Schwer zu beurteilen, wahrscheinlich eher nicht. Wer nicht mehr erwartet, als er zu hören bekommt, wird jedenfalls gut unterhalten.

Die Darbietung von Richard Strauss’ 'Ein Heldenleben’ op. 40 erfüllt die hohen Erwartungen da schon mehr. Auch wenn Honeck insgesamt auf einen homogenen, klangschönen Ton setzt und er mit seiner Interpretation kein neues Kapitel der Strauss-Exegese beginnt – die Entfaltung grenzensprengender Dynamik gelingt ausgezeichnet. Gleich der Beginn dieses unbescheidenen sinfonischen Selbstportraits oder auch 'Des Helden Walstatt’ können als Exempel für die kontrollierte Tutti-Wucht des Pittsburgh Symphony Orchestra angeführt werden. Ins Schwärmen geraten darf man beim glanzvoll mächtigen, sich geradezu in Ton gewordener Selbstherrlichkeit ergehenden Blech, das den Rest des Orchesters in seiner Klarheit überwölbt, aber nie zudeckt. Überhaupt überzeugt die Aufnahme durch ein sehr gutes Klangbild. Etwas mehr Präsenz und Farbe möchte man dagegen den Streichern wünschen, den gestisch flexiblen Vortrag der Solovioline von Andrés Cárdenes in 'Des Helden Gefährtin’ ausgenommen. Dass die Saiteninstrumente hinter den Holz- und Blechbläsern etwas zurück stehen, merkt man gleichfalls in Giuseppe Verdis Ouvertüre zu der Oper 'La forza del destino’. Hier hätte etwas mehr Schwung, ein Schuss Italianità nicht geschadet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Strauss, Richard: Ein Heldenleben op. 40

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Octavia
1
04.11.2013
Medium:
EAN:

SACD
4526977003388


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Octavia

EXTON & TRITON sind zwei audiophile Reihen von Octavia Records aus Japan, die sich vornehmlich auf europäische Sinfonik, Klaviermusik und Kammermusik spezialisiert haben.

Die Zusammenarbeit mit so bedeutenden Orchestern wie Sydney Symphony, Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Pittsburgh Symphony Orchestra, Netherlands Radio Philharmonic Orchestra und so berühmten Dirigenten und Künstlern wie Vladimir Ashkenazy, Manfred Honeck, Sakari Oramo, Pascal Rogé, Jaap van Zweden u.v.a. zeugen von derem hohen Anspruch.


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