> > > Beethoven, Ludwig van: Symphonie Nr.3 Es-Dur Eroica
Montag, 29. November 2021

Beethoven, Ludwig van - Symphonie Nr.3 Es-Dur Eroica

Romantisch ja - gewöhnlich nein


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Beethovens 'Eroica'

Es gibt immer wieder Aufnahmen, die erst Jahre, im vorliegenden Fall sind es gut 20 davon, nach ihrem Entstehen auf den Plattenmarkt ‚geworfen’ werden. Das hat verschiedene Gründe, manchmal auch politische. So wurde das Erscheinen von Beethovens ‚Eroica’ in der Interpretation Günther Herbigs, zusammen mit dem Berliner Sinfonie-Orchester, verhindert, weil Herbig seinen Posten als Chef dieses Orchesters kündigte, die damalige DDR verlies und in die USA auswanderte. Erst jetzt, zu seinem 70sten Geburtstag, bringt Berlin Classics die alte Eterna-Aufnahme auf den Markt. Dort wird sie es schwer haben; weniger aus Qualitäts- denn aus Quantitätsgründen. Tummeln sich doch unzählige Einspielungen der Beethoven-Sinfonien in den CD-Regalen.

Nun wäre es absolut falsch, immer nur nach dem Neuen, dem Unbekannten in den Interpretationen zu suchen. Aufnahmen sind nicht nur Unterhaltungsprodukte, sondern vor allem, wie in diesem Fall, auch Tondokumente längst vergangener Epochen. Es sei gleich vorab bemerkt, dass Herbigs Interpretation stilistisch nicht mit denen Harnoncourts, Rattles oder Zinmans vergleichbar ist.
Das muss sie auch nicht. Herbig sieht sich der romantischen Spielweise verpflichtet und tut dies auf überzeugende, teilweise gar bewegende Art. Die großflächig angelegten Phrasierungen halten die verschiedenen Satzteile logisch und zugleich zwingend zusammen. Bestechend ist vor allem die artikulatorische Genauigkeit, gepaart mit einem stark ausgeprägten Gespür für dynamische Entwicklungen und Differenzierungen. Hier ist ein Piano noch wirklich leise, ein Pianissimo kaum noch hörbar. Gleichzeitig wirken die Forte-Passagen entsprechend heroisch und intensiv, ohne dass das Orchester in irgend einem Moment hörbar forciert oder gar überzieht. So erwachsen die Höhepunkte der Sinfonie ausgesprochen homogen und logisch, wirken niemals aufgesetzt oder gar wie billige Effekthascherei.
Doch es sind nicht nur die überzeugenden dynamischen und artikulatorischen Besonderheiten, die diese CD hörenswert machen. Als besonders muss auch der Sound des Berliner Sinfonie-Orchesters, das in diesem Jahr im übrigen seinen 50sten Geburtstag feiert, bezeichnet werden. Ein so dichter, warmer und homogener Klang, in den Streichern wie in den Bläsern gleichermaßen, ist in der internationalen Orchesterlandschaft ausgesprochen selten. Es ist überaus erfreulich, dass dieser Klang, mit all seinen farblichen Schattierungen und Nuancen, trotz aller dynamischen Extreme und technischen Schwierigkeiten des Stückes immer erhalten bleibt. Dies ist Zeugnis eines technisch wie musikalisch ausgezeichneten Klangköpers. Nicht zuletzt die überaus virtuos aufspielenden Bläsersolisten des Orchesters belegen dies durchaus eindrucksvoll.

Günther Herbig, der seit 2001 Chefdirigent am Saarländischen Rundfunk ist, schlägt sehr moderate Tempi an, die dem heroischen Charakter der Sinfonie unterstützen. Gleichzeitig bilden sie aber auch die Grundlage, für die langgezogenen, weichen Linien, die Herbigs Interpretation auszeichnen. Ihm gelingt die überaus komplizierte Balance aus heroischen, pastoralen, melancholisch – traurigen und virtuosen Charakterteilen absolut mühelos und überzeugend. Dadurch gerät die Interpretation niemals in Gefahr, zu langweilen, zwingt den Hörer auf angenehme Art zu permanenter Aufmerksamkeit.
Das Klangbild der Aufnahme ist so homogen und plastisch, wie man es von den ehemaligen Tontechnikern der Eterna gewöhnt ist. Im etwas spärlich ausgefallenen Booklet gibt Dirk Stöve vor allem Auskunft über die Umstände, unter denen die Aufnahme entstand und lässt alles musikwissenschaftliche Fachgesimpel zum Werk außen vor. Dies erscheint besonders bei dieser Aufnahme aus oben erwähnten Gründen sinnvoll.

Nach mehrfachem Hören des Tonträgers bleibt ein überaus positiver Eindruck zurück. Auch wenn es sich bei der vorliegenden Einspielung um keine revolutionäre Neuinterpretation der Beethovenschen ‚Eroica’ handelt, so ist Günther Herbig zusammen mit seinem Berliner Sinfonie-Orchester eine überaus schlüssige, überzeugende und manchmal gar beeindruckende Aufnahme gelungen, die zweifelsfrei Anerkennung verdient. Und wenn man schon unbedingt Vergleiche bemühen muss, so nicht die mit den Interpretationen von schon erwähnten Herren Harnoncourt oder Rattle, sondern mit denen von Günter Wand, Kurt Masur oder dem aufstrebenden Christian Thielemann. Die zuletzt erwähnten Herren lässt Herbig mit diesem Beethoven mühelos hinter sich.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Kritik von Frank Bayer,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Beethoven, Ludwig van: Symphonie Nr.3 Es-Dur Eroica

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
10.08.2007
49:39
1982
2002
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
5021449123926
0094622BC

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Beethoven, Ludwig van


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Dirigent(en):Herbig, Günther
Orchester/Ensemble:Berliner Sinfonie-Orchester


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Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


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