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Donnerstag, 28. Oktober 2021

Vierne, Louis - Sämtliche Orgelwerke - 9 CDs

Blicke in einen Orgelkosmos


Label/Verlag: MDG
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ben van Oosten spielt sämtliche Orgelwerke Louis Viernes auf Instrumenten von Aristide Cavaillé-Coll.

Der Lebenslauf von Louis Vierne (1870-1937) liest sich wie ein Auszug aus dem who’s who der neueren französischen Musikgeschichte. Beinahe blind zur Welt gekommen und sein Leben lang unter stark eingeschränkter Sehkraft leidend, wird der frühbegabte Vierne von César Franck unterrichtet, am Conservatoire de Paris aufgenommen und in der Folge sowohl Lehrassistent von Charles-Marie Widor als auch Alexandre Guilmant. Mit Gabriel Fauré war er befreundet, zu seinen Schülern gehören unter anderem Marcel Dupré, Nadia Boulanger und Maurice Duruflé. Ab dem Jahr 1900 versah Vierne bis zu seinem Tod das Amt des Organisten an der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Dort starb er dann auch während eines Konzerts, am Spieltisch vom Gehirnschlag getroffen, in Ausübung seiner Kunst.

Obwohl nur 17 seiner 62 Opera für die Orgel komponiert sind, assoziiert man mit dem Namen Vierne sofort die ‚Königin der Instrumente’, an der er zu Lebzeiten international als brillanter Improvisator bekannt war. In der im 19. Jahrhundert von César Franck und dem Orgelbauer Aristide Cavaillé-Coll eingeleiteten neuen Periode der französischen Orgelmusik, die sich auch über Charles-Marie Widors und Alexandre Guilmants Werke erstreckt, bilden vor allem Viernes sechs große Orgelsinfonien, entstanden zwischen 1899 und 1930, wichtige Markierungen. Wie sehr Widor und Vierne die kompositorische Tradition miteinander verbindet, mag man, Zufall oder nicht, etwa daran erkennen, dass Viernes Erste Orgelsinfonie im gleichen Jahr entsteht wie Widors letzter Vertreter dieser Gattung, so als würde sich hier eine Art Stabübergabe ereignen. Daneben zählen aber genauso Viernes '24 Pièces de fantaisie’, die24 'pièces en style libre’ sowie die beiden Messen zum Kanon der Orgellitetarur des 20. Jahrhunderts, einige kleinere Stücke kommen noch dazu.

Dass seine sämtlichen Werke für die Königin der Instrumente nun in einer 9-CD-Box versammelt sind, bedeutet für den Liebhaber toller Orgelmusik zwar einen recht tiefen Griff in den Geldbeutel; der lohnt sich aber unbedingt, da es sich um eine Anschaffung für die Dauer handeln dürfte. Denn der holländische Orgelprofessor Ben van Oosten ist nicht nur ein ausgewiesener Kenner der sinfonischen französischen Orgelmusik, was sein detaillierter und erschöpfender Booklet-Text ebenso belegt wie eine von ihm verfasste Widor-Biographie. Er hat Viernes Kompositionen auch auf Instrumenten, die mit dem Kontext französischer Orgelmusik engstens verknüpft sind, interpretiert: den Cavaillé-Coll-Orgeln in Lyon, Rouen, Toulouse und Paris. Letzteres bildet zusammen mit der hohen Intelligenz und Sensibilität seines Vortrages ein entscheidendes Argument für diese Gesamteinspielung, die in Einzel-CDs bereits vor mehreren Jahren veröffentlicht wurde.

Wie Franck, Widor und andere Komponisten hat Vierne seine Werke nämlich mit Blick auf die individuelle Klanglichkeit der Instrumente Cavaillé-Colls geschrieben. Diese zeichnet in Sachen Klangaufbau und Intonation eine hörbare Nähe zum Sinfonieorchester aus. Hinzu tritt die wunderbare, absichtsvoll diffuse Weichheit der einzelnen Stimmen, so dass auf den dramatischen Höhepunkten der Werke oftmals der Eindruck einer wabernden Klangwolke entsteht, zumal es nicht immer leicht fällt, sich in Viernes komplexer Harmonik zurecht zu finden. Gleichwohl steckt dahinter ein ausgeprägtes Formbewusstsein. Hört man genau hin, steht schnell fest, dass, grade in den Sinfonien, fast jeder Takt das Ergebnis thematischer Arbeit darstellt, die oft sogar über die Satzgrenzen hinaus wirkt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Vierne, Louis: Sämtliche Orgelwerke - 9 CDs

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
MDG
9
25.09.2009
581:39
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
760623158020
MDG 316 1580-2


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"Sämtliche Orgelsymphonien Nr. 1-6 Cavaillé-Coll-Orgeln in Saint-François des Sales, Lyon; Saint-Ouen, Rouen; Saint-Sernin, Toulouse (4 CDs) 24 Pièces de fantaisie (1926/1927) Cavaillé-Coll-Orgel Saint-Ouen, Rouen (2 CDs) 24 Pièces en style libre op. 31 Messe basse op. 30 6 62 Trois improvisations Triptyque Frühe Werke (3 CDs) Cavaillé-Coll-Orgel Saint Antoine des Quinze-Vingts Paris "


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Organists' Review: "Organist’s Review “Ben van Oosten has played his way through vast acres of French romantic music, superbly recording more repertoire than most organists could play in a life-time... It would be hard to imagine a finer version." "


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MDG

Die klangrealistische Tonaufnahme

»Den beim Sprechen oder Musizieren entstehenden Schall festzuhalten, um ihn zu konservieren und beliebig reproduzieren zu können, ist eine Idee, die seit langem die Menschen beschäftigte. Waren zunächst eher magische Aspekte im Spiel, die die Phantasie beflügelten wie etwa bei Giovanni deila Porta, der 1598 den Schall in Bleiröhren auffangen wollte, so führte mit fortschreitender Entwicklung naturwissenschaftlichen Denkens ein verhältnismäßig gerader Weg zur Lösung...« (Riemann Musiklexikon)

Seit Beginn der elektrischen Schallaufzeichnung ist der Tonmeister als »Klangregisseur« bei der Aufnahme natürlich dem Komponisten und dem Interpreten, aber auch dem Hörer verpflichtet. Die Mittel zur Tonaufzeichnung sind hinlänglich bekannt. Die Kriterien für ihren Einsatz bestimmt das Ohr. Deshalb für den Hörer hier eine Beschreibung unserer Hörvorstellung.

Lifehaftigkeit

In der Gewißheit, daß der Konzertsaal im Wohnzimmer (leider) nicht realisierbar ist, konzentriert sich unser Bemühen darauf, die Illusion einer Wirklichkeit zu vermitteln. Die Musik soll im Hörraum so wiedererstehen, daß spontan der Eindruck der Unmittelbarkeit entsteht, das lebendige Klanggeschehen mit der ganzen Atmosphäre der »Lifehaftigkeit« erlebt wird. Da wir praktisch ausschließlich menschliche Stimmen und »klassische« Instrumente - auch sie haben ihren Ursprung im Nachahmen der Stimme - aufnehmen, konzentriert sich unsere Klangvorstellung auf natürliche Klangbalance und tonale Ausgeglichenheit im Ganzen, und instrumentenhafte Klangtreue im Einzelnen. Darüber hinaus natürliche, ungebremste Dynamik und genaueste Auflösung auch der feinsten Spannungsbögen. Weitestgehend bestimmend für die Illusion der Lifehaftigkeit ist auch die Ortbarkeit der Klangquellen im Raum: freistehend, dreidimensional, realistisch.

Musik entsteht im Raum

Um diesen »Klangrealismus« einzufangen, ist bei den Aufnahmen von MDG eine natürliche Akustik unbedingte Voraussetzung. Mehr noch, für jede Produktion wird speziell in Hinblick auf die Besetzung und den Kompositionsstil der passende Aufnahmeraum ausgesucht. Anschließend wird »vor Ort« die optimale Plazierung der Musiker und Instrumente im Raum erarbeitet. Dieser ideale »Spielplatz« ermöglicht nun nicht nur die akustisch beste Aufnahme, sondern inspiriert durch seine Rückwirkung die Musiker zu einer lebendigen, anregenden Musizierlust und spannender Interpretation. Können Sie sich die Antwort des Musikers vorstellen auf die Frage, ob er lieber in einem trockenen Studio oder in einem Konzertsaal spielt?

Die Aufnahme

Ist der ideale Raum vorhanden, entscheidet sich der gute Ton an den Mikrofonen - verschiedene Typen mit speziellen klanglichen Eigenheiten stehen zur Auswahl und wollen mit dem Klang der Instrumente im Raum in Harmonie gebracht werden. Ebenso wichtig für eine natürliche Abbildung ist die Anordnung der Mikrofone, damit etwa die richtigen Nuancen in der solistischen Darstellung oder die Kompensation von Verdeckungseffekten realisierbar werden. Das puristische Ideal »nur zwei Mikrofone« kann selten den komplexen Anforderungen einer Aufnahme mit mehreren Instrumenten gerecht werden. Aber egal wie viele Mikrofone verwendet werden: Stellt sich ein natürlicher Klangeindruck ein, ist die Frage nach dem Zustandekommen des »Lifehaftigen« zweitrangig. Entscheidend ist, es klingt so, als wären nur zwei Mikrofone im Spiel.

Ohne irgendwelche »Verschlimmbesserer« wie Filter, Limiter, Equalizer, künstlichen Hall etc. zu benutzen, sammeln wir die Mikro-Wellen übertragerlos in einem puristischen Mischpult und geben das mit elektrostatischem Kopfhörer kontrollierte Stereosignal linear und unbegrenzt an den AD-Wandler und zum digitalen Speicher weiter. Dadurch bleiben auch die feinsten Einschwingvorgänge erhalten. Auf der digitalen Ebene wird dann ohne klangmanipulierende Eingriffe mit dem eigenen Editor in unserem Hause das Band zur Herstellung der Compact Disc für den Hörer erstellt, für Ihr hoffentlich großes Hörvergnügen.


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