> > > Rheinberger, Joseph Gabriel: Rheinberger und seine Zeit
Samstag, 10. Dezember 2022

Rheinberger, Joseph Gabriel - Rheinberger und seine Zeit

Heterogener, aber hochinteressanter Programm-Mix


Label/Verlag: Querstand
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese CD bietet einige Überraschungen: Der Titel ‘Rheinberger und seine Zeit’ ist dabei eher irreführend, aus mehreren Gründen: Erstens erklingt von Rheinberger selbst nur ein einziges Werk – allerdings ein gewichtiges, die Suite in c-Moll für Violine, Violoncello und Orgel, eine verkappte Sinfonie und eine Komposition, die mehr Bekanntheit zweifellos verdient hätte; zweitens sind in der Einspielung Werke von Komponisten berücksichtigt worden, die kaum als Rheinberger-Zeitgenossen gelten können, etwa Beethoven (er starb, als Rheinberger drei Jahre alt war). Drittens handelt es sich bei nicht wenigen Stücken um Bearbeitungen aus neuester Zeit, u. a. von Klavier- (Chopin) und Orchesterwerken.
Die CD ist also mehr eine Präsentation der klanglichen Möglichkeiten eines besonderen Instrumentes, der Orgel in der St. Nikolaikirche in Markneukirchen (Johann Friedrich Schulze 1848), und der Kombination Violine und/oder Violoncello – Orgel. Das Programm ist ein eigentümlicher Mix, der ein stringentes Konzept missen lässt – neben Rheinbergers Suite erklingen Preludes von Chopin in Adaptionen durch Liszt und den Organisten der Aufnahme, Gottfried Sembdner, dazu Beethovens Romanze in F-Dur für Violine und Orchester und Anton Rubinsteins seinerzeit äußerst populäre Melodie Op. 3, Nr. 1, jeweils in Bearbeitungen von Sembdner; außerdem das ‘Prière’ für Violoncello und Orgel von Saint-Saens.

Durch die hohe Könnerschaft der Interpreten wird die Konzeptlosigkeit der Programmgestaltung einigermaßen wett gemacht; Gottfried Sembdner macht aus der Orgel ein farbenreiches Orchester; einzig in der Beethoven-Romanze überzeugt die Imitation des Orchesterklanges nicht ganz, manches Tutti klingt zu steif und statisch, manche Begleitfigur verschwimmt zu sehr. Dabei musiziert der Geiger Andreas Hartmann mit intensivem, vollem Geigenton und makelloser Intonation.
Auf ebenso hohem Niveau bewegt sich Alexander Brauns Cellospiel. In vollendeter Einmütigkeit erklingen die seligen Terzen und Sexten im herrlichen langsamen Satz der Rheinberger-Suite. Allein wegen dieses Werkes, ja allein wegen dieses einen Satzes von Schubert’scher Tiefe, lohnt sich ein Hineinhören in diese CD. Die Préludes von Chopin klingen auf der Orgel zwar recht gut, verlieren aber viele Ausdrucksnuancen, die nur mit dem differenzierteren Klavierklang wiedergegeben werden können.

Diese Einspielung bietet einige lohnenswerte Entdeckungen und gelungene Bearbeitungen; Aufmachung und Klangbild sind sehr gut.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 



Dr. Franz Gratl Kritik von Dr. Franz Gratl,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rheinberger, Joseph Gabriel: Rheinberger und seine Zeit

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Veröffentlichung:
Querstand
1
22.07.2005
56:30
2001
2001
Medium:
EAN:
BestellNr.:
CD
4025796001259
VKJK 0125

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Beethoven, Ludwig van
Chopin, Frédéric
Rheinberger, Joseph
Saint-Saens, Camille


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Interpret(en):Hartmann, Andreas (Violine)
Braun, Alexander (Cello)
Sembdner, Gottfried (Orgel)


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Querstand

Mit viel Liebe zum Detail bringt das querstand-Label dem interessierten Hörer die Vielfalt und Schönheit der klassischen Musik auf wenig ausgetretenen Pfaden näher. Das Label hat sich seit 1994 durch die Produktion hochwertiger klassischer CDs einen ausgezeichneten Ruf erworben. Über 500 Produktionen werden weltweit vertrieben, wobei ein Augenmerk auf Orgelmusik liegt. Die Gesamteinspielung der Orgelwerke von Johann Ludwig Krebs (bisher 11 CDs) und des Kantaten- und Orchesterwerkes des berühmten Bachschülers bilden ein Glanzlicht des Labels, dem mit der Serie ?Die Orgeln von Gottfried Silbermann? (8 CDs) ein weiteres zur Seite gestellt wurde (Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik 2003). Auch im kammermusikalischen und sinfonischen Bereich wurden zahlreiche CDs veröffentlicht, etwa mit dem Gewandhausorchester Leipzig. Mit der Aufnahme des Passionsoratoriums ?Der Tod Jesu? von Carl Heinrich Graun mit dem MDR Rundfunkchor und dem MDR Sinfonieorchester unter Howard Arman gewann das Label 2005 einen ECHO Klassik-Award. Im Jahre 2013 erhielt die 9-CD-Box mit allen Sinfonien Anton Bruckners, eingespielt von Herbert Blomstedt mit dem Gewandhausorchester Leipzig, den ICMA (International Classical Music Award). Mit Verlagssitz im Thüringischen Altenburg kann querstand von der einzigartigen Vielfalt der mitteldeutschen Musiklandschaft profitieren, die sich auch im Verlagsprogramm niederschlägt. Neben den vielseitigen Einflüssen der fantastischen Orgellandschaft der Region, ist es auch die Nähe zur Musikstadt Leipzig mit ihrer wunderbaren Tradition und facettenreichen Szene, auf die das Label besonderes Augenmerk richtet.


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