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Dienstag, 29. September 2020

Chopin, Frédéric - Mazurken

Von Bach her


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ohrenöffner: Evgeni Koroliov spielt die Mazurken Chopins.

Es bleibt befremdlich: Da werden die einen hemmungslos gehypt – nicht selten chinesische Jungpianisten –, die anderen, deren Überlegenheit offen zu Tage liegt, fristen – trotz euphorischer Besprechungen – ein kümmerliches Dasein am Rande der diskographischen Welt. Ein solcher Fall ist Evgeni Koroliov: Er hat die sechzig überschritten und manche Aufnahme herausgebracht, die einmütig als Sensation gefeiert wurde. Trotz alledem ist sein Name nicht vielen bekannt, und daran wird sich nicht allzu viel ändern – trotz ehrenhafter Bemühungen TACETs, des winzigen Stuttgarter Labels Andreas Spreers, der oft als Tonmeister und Produzent in Personalunion fungiert und einheitlich hohe Standards herstellt. Wenn sich Spreer ein Interpret von Koroliovs Graden hinzugesellt, kann Unerhörtes geschehen.

Nun hat sich Koroliov Werken Bachs mit besonderer Leidenschaft gewidmet. Durch ‚Wohltemperiertes Klavier’ und ‚Goldberg-Variationen’ ist er, wiewohl nicht dem ‚breiten Publikum’, bekannt geworden. Zur‚Kunst der Fuge’ hat György Ligeti dieses geäußert: „Wenn ich nur ein Werk auf die einsame Insel mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.“

Koroliovs Zugriff auf die 'Mazurken’ lässt sich folgendermaßen umschreiben: Chopin wird von Bach her gedacht, just wie er selber dachte und selten gedacht wird – in polyphoner Durchdringung, strengen, aber freien, unforcierten Tempi, durchgeistigt, ohne Sentiment, in herbem, mehrfach abgestuftem Ton und wohldurchdachtem Stimmengleichgewicht. Vielerlei Vorzüge wären zu nennen, keiner tritt unbillig hervor: Koroliov sind auch für dieses Mal – und ohne hörbare Mühen – in sich geschlossene Aufführungen von einsam insularer Größe gelungen.

Andreas Spreer – in seiner Eigenschaft als Toningenieur, der unaufdringlich nah an den Flügel heranrückt – und Gerd Finkenstein, Klavierstimmer, verdienen ‚lobende’, selbst rühmende Erwähnung. Ein Gleiches gilt fürs Instrument (Steinway D-274), denn selten hat ein Flügel so rein und kantig geklungen, vollständig frei von Süßlichkeit und steinwaytypisch aufgedonnerter, goldglänzender Heldentenorattitüde. Spreer/Finkenstein bereiten Koroliov die Bühne – und dieser lässt Chopin auferstehen.

2010 werden – zum 200. Geburtstag des Komponisten – nicht eben wenige Chopin-Aufnahmen herausgebracht werden. Dass diese zu den besten gezählt werden wird, kann als gesichert gelten. Wenn das ‚Chopin-Jahr’ jetzt bereits endete, bevor es beginnt – es hätte reicheren Ertrag gebracht, als zu erwarten war.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Chopin, Frédéric: Mazurken

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
07.09.2009
Medium:
EAN:

CD
4009850018308


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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