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Montag, 24. Januar 2022

Purcell, Henry - Dido & Aeneas

Einfühlsame Deutung


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Purcells 'Dido und Aeneas‘ in einer überzeugenden Einspielung mit Sarah Connolly, Gerald Finley und dem Orchestra of the Age of Enlightenment.

Henry Purcells Oper 'Dido und Aeneas‘ ist nicht eben selten eingespielt worden. Vor allem – man möchte fast sagen: natürlich – in England und mit englischen Künstlern sind eine Reihe hochwertiger Aufnahmen entstanden. Die vorliegende Platte vereint wiederum eine Reihe der wichtigen Künstler der Insel: An der Spitze die Mezzosopranistin Sarah Connolly, ihr zur Seite die famosen Ensembles von Choir und Orchestra of the Age of Enlightenment und als Stimme aus der ‚neuen Welt‘ der kanadische, seit vielen Jahren gleichwohl in England intensiv beschäftigte Bariton Gerald Finley.

Das lässt auf ein gelungenes Projekt hoffen – und der erwartungsfrohe Hörer wird keineswegs enttäuscht. Dabei hat die am Ende – wie für eine Barockoper ja nicht unüblich – unglückliche Geschichte von der karthagischen Königin Dido und dem trojanischen Prinzen Aeneas einen düster-sehnsuchtsvollen Grundton. Trotz großer Liebe verlässt Aeneas Dido auf vermeintlich göttlichen Ratschluss hin, Dido schließlich sieht nur den eigenen Tod als Ausweg aus dieser schicksalhaften Verlustsituation.

Wunderbare Interpretation

Sarah Connolly ist eine ideale Dido: Ihr voller und warmer Mezzosopran sitzt perfekt im Körper, Connolly beherrscht alle gestalterischen Nuancen und überzeugt vor allem in der dynamisch verhaltenen Differenzierung. Aber auch größere Expressivität steht ihr zu Gebote. Ihr stimmlich ebenbürtig – wenn auch mit partiebedingt weniger Entfaltungsmöglichkeiten – zeigt sich Gerald Finley. Seine Stimme führt er elegant, verfügt über einen stabilen Kern und ein schönes Melos. Sängerische Kraft entfaltet sich frei und leicht, lyrische Passagen geraten ebenfalls überzeugend. Auch andere zentrale Rollen sind glücklich besetzt: So kann die Sopranistin Lucy Crowe als Didos Schwester Belinda mit leichter, unforcierter und eleganter Stimme überzeugen. Auch die Zauberin der Mezzosopranistin Patricia Bardon ist treffend gestaltet – mit einer großen, sehr dunklen Stimme von dramatisch-virilen Ausmaßen.

Ein wichtiger Akteur ist ganz eindeutig der in verschiedener Funktion beschäftigte Chor: Die vierzehn Sängerinnen und Sänger sind zum großen Teil ebenfalls von ausgewiesener solistischer Expertise, wie zum Beispiel Nicholas Mulroy, Giles Davies oder Richard Savage. Im Ensemble agieren sie sehr geschlossen, in kristallin-schlanken Registern, singen perfekt kontrolliert, entfalten aber auch die in einigen Szenen geforderte Wucht und Schlagkraft. Die Intonation ist auch in bewegteren Passagen gleichbleibend stark.

Schließlich das Orchester: Es artikuliert fein, verfügt über einiges Temperament, spielt rhythmisch sehr präzis und brilliert in variablen, farbigen Besetzungen. Die Artikulation ist aktiv, es wird atmend und frei phrasiert. Sämtliche Tempi sind glücklich und entschieden gewählt: Klare Konturen sorgen für einen gewissen dramatischen Sog und reflektiertes Innehalten, viele Übergänge gelingen elegant und selbstverständlich. Im ansprechend strukturierten Klangbild ist eine schöne Staffelung der solistischen und chorischen Ebene mit einer schönen Kraftentfaltung versöhnt.

Insgesamt eine sehr überzeugende Aufnahme, die sich im gut bestückten Repertoire deutlich behaupten kann und mit einem beeindruckend gesammelten Chorfinale endet – verklingend, stockend, verzagend: Das ist große Chorkunst am Ende einer sehr gelungenen Platte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Purcell, Henry: Dido & Aeneas

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
23.01.2009
Medium:
EAN:

CD
095115075722


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Interpret(en):Crowe, Lucy (Sopran)


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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