> > > Kadenzen zu den großen Violinkonzerten. Eine Anthologie: Band 1. Ludwig van Beethoven. Violinkonzert D - Dur op. 61. Tei 1
Samstag, 21. September 2019

Kadenzen zu den großen Violinkonzerten. Eine Anthologie - Band 1. Ludwig van Beethoven. Violinkonzert D - Dur op. 61. Tei 1

Unbekannte Blicke auf ein bekanntes Konzert


Label/Verlag: Ries & Erler
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Eine von Friedemann Eichhorn und Jonathan Frohnen herausgegebene Publikation mit Kadenzen zu Ludwig van Beethovens Violinkonzert erschließt praktischen Musikern und interessierten Wissenschaftlern viel bislang schwer zugängliches Material.

Das vorliegende Heft aus dem Verlag Ries & Erler, erster Teilband einer Anthologie, die sich gemäß ihrem Titel mit ‚Kadenzen zu den großen Violinkonzerten’ befasst, schließt eine empfindliche Lücke. Enthalten sind einige bislang sehr schwer oder so gut wie gar nicht zugängliche Kadenzen zu Ludwig van Beethovens Violinkonzert D-Dur op. 61, wogegen die beiden Herausgeber Friedemann Eichhorn und Jonathan Frohnen auf den Abdruck der gängigen Kadenzen – nämlich jene aus der Feder von Joseph Joachim (1844 und 1857), Fritz Kreisler (1896) und Alfred Schnittke –, aber auch auf Arrangements von Beethovens für die Klavierfassung des Werkes komponierte Originalkadenzen (erstmals um 1890 von Ottokar Novacek, 1962 auch von Wolfgang Schneiderhan) verzichtet haben, da diese aufgrund ihres Bekanntheitsgrades weitaus besser zugänglich sind.

Ziel ist es daher in erster Linie, mit den Kadenzen von Ferrucio Busoni (1866-1924), Jacques Dupuis (1830-1870), Jenő Hubay (1858-1937), Bernhard Molique (1802-1869), Henry Schradieck (1846-1918), Louis Spohr (1784-1859), Henri Vieuxtemps (1820-1881) und Eugène Ysaÿe (1858-1931) das weitgehend Unbekannte zu dokumentieren – eine Aufgabe, die man in einem weiteren Teilband weiter fortführen möchte. Dass dies (die noch nicht erschienene Fortsetzung inbegriffen) ziemlich vollständig gelungen ist, macht den besonderen Verdienst dieser Edition aus: Auch wenn man die meisten der hier präsentierten Kadenzen aus stilistischen Gründen heute kaum bei einer Aufführung spielen wird, ist die Sammlung sehr wertvoll, da sie die zunächst eher stockend anlaufende Auseinandersetzung mit Beethovens Komposition durch die nachfolgenden Geigergenerationen dokumentiert und damit auch wichtige Aspekte der Interpretationsgeschichte beleuchtet.

Dadurch rückt nicht nur mancher heute kaum mehr bekannte Geiger wie Dupuis oder auch eine Persönlichkeit wie Schradieck, die sich vorwiegend durch mitunter gebräuchliche Studienwerke im Gedächtnis erhalten hat ins Blickfeld. Aber auch die Veränderungen im Umgang mit der Beethovenschen Materialgrundlage sowie der jeweils gewandelte Grad von violintechnischer Durchdringung der musikalischen Substanz wird deutlich: Während etwa Spohr seine Kadenzen noch kurz hält und ganz aus jener klassischen Tradition heraus gestaltet, der er selbst als Komponist verpflichtet ist (warum eigentlich werden sie nie gespielt, wo sie doch so gut passen?), zeigt sich bei Virtuosenpersönlichkeiten wie Molique oder – weitaus deutlicher – Vieuxtemps ein Hang zu bisweilen übersteigerter Vituosität, der bei einem Komponisten wie Ysaÿe Art quasi-historisierende Annäherung mündet und damit auch von einem neuen Beethovenbild kündet.

Da sich die Ausgabe an den praktischen Musiker richtet, wurden die Kadenzen – soweit nicht im Originaldruck bereits geschehen – vom Geiger Friedemann Eichhorn mit Fingersatz- und Strichbezeichnungen versehen, die sich als sorgfältig und wohl überlegt erweisen. Dennoch gibt es eine bedeutsame editorische Lücke zu beklagen, weil zwar die Originalquellen detailliert angegeben sind, weitere Angaben zur genauen Entstehungs- und/oder Publikationszeit der Kadenzen jedoch vollständig fehlen. Schließlich hätte auch ein begleitender Essay zur Einordnung der einzelnen Arbeiten in den jeweiligen historischen Kontext sicherlich zum vertiefenden Verständnis beitragen und den Wert der Publikation zusätzlich unterstreichen können.


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Ries & Erler

Am 1.Juli 1881 gründete der Violinvirtuose, Komponist und Königl. Sächs. Hofmusikalienhändler Franz RIES mit dem Verleger Hermann ERLER in Berlin den Musikverlag RIES & ERLER. Franz Ries, der als Sohn des Berliner Konzertmeisters Hubert Ries und als Neffe des Beethovenschülers und -freundes Ferdinand Ries aus einer Musikerfamilie kam, steuerte als Komponist auch eigene Werke wie "Perpetuum mobile" und später "La Capricciosa" bei, die heute noch beliebte Vortragsstücke für Violine sind. Durch Ankauf der Verlage M.Schloß, Köln, Voigt, Kassel, E.F. Hientzsch, Breslau und im weiteren Verlauf die Übernahme von R.Sulzer und Jatho, Berlin wurde das Verlagsprogramm wesentlich erweitert.

Nach dem Tode Hermann Erlers führte Franz Ries den Verlag allein weiter.

Der Schwerpunkt der gegenwärtigen Verlagsproduktion ist die Herausgabe zeitgenössischer Ernster Musik.

Von Fleschs Skalensystem für Violine (1987 von Max Rostal neu herausgegeben und erweitert) wurden die Ausgaben für die gesamte Streicherfamilie (Va - Vc - Kb) veröffentlicht. Besonders erfolgreich sind auch die kürzlich editierten Unterrichtswerke für Violine von Zakhar Bron und Ramin Entezami sowie Lieteratur für Kinder und Jugendkonzerte für Sinfonieorchester.

Seit 1997 liegt ein weiterer Schwerpunkt des Verlagsprogramms in der Herausgabe und Auswertung von Stummfilm-Musiken (original und neukomponiert), wie u.a. der Original-Filmmusik zum Fritz Lang-Stummfilm Metropolis (UNESCO Weltkulturerbe) von Gottfried Huppertz.

Seit 2002 ist bei Ries & Erler die von Bert Hagels herausgegebene Edition "Sinfonik des 19.Jahrhunderts" sehr erfolgreich. (Die CDs - produziert auf Grundlage dieser Edition - erscheinen überwiegend beim renommierten Label CPO)

Der Verlag Ries & Erler wird auch in Zukunft ein möglichst breitgefächertes Verlagsprogramm anbieten und damit traditionsbewußt sein, aber auch Aufgeschlossenheit dem Neuen gegenüber dokumentieren.


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