> > > Pavel Sporcl spielt: Violinkonzerte von Strauss & Korngold
Sonntag, 29. Mai 2022

Pavel Sporcl spielt - Violinkonzerte von Strauss & Korngold

Souverän und einfallsreich


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Der junge tschechische Geiger Pavel Sporcl überzeugt mit einer einfallsreichen Einspielung der Violinkonzerte von Richard Strauss und Erich Wolfgang Korngold.

Mit dieser CD ist dem Label Supraphon eine echte Überraschung gelungen. Zunächst ist da die ungewöhnliche Zusammenstellung mit dem Violinkonzert d-Moll op. 8 von Richard Strauss (1880-82) und dem sechs Jahrzehnte später komponierten Violinkonzert D-Dur op. 35 (1945) von Erich Wolfgang Korngold: ersteres ein spätromantisches, bei Geigern aufgrund der unbequemen Schwierigkeiten eher berüchtigtes Werk vom Rand des Repertoires, letzteres die verspätet-romantische Komposition eines gebürtigen Österreichers aus dem US-amerikanischen Exil, konzertante Verarbeitung von Hollywood-Filmmusiken hart an der Grenze zum Kitsch, aber gerade deshalb auch sehr wirkungsvoll. Die ästhetische Spannung zwischen beiden Werken trägt viel zum Reiz dieser klanglich hervorragenden Live-Einspielung mit dem Geiger Pavel Sporcl und dem Prager Sinfonieorchester unter Leitung von Jirí Kout bei.

Beeindruckend ist, wie der Solist sich dem je eigenen Tonfall der Kompositionen annähert und ihn durch klangliche Mittel differenziert. Das Kopfsatz-Thema des Strauss’schen Konzerts realisiert Sporcl, vom Orchester brillant unterstützt, nach einer ungemein spannenden Vorbereitung aus Doppelgriff-Läufen und Passagenwerk mit großer, heroisch anmutender Geste und fast schon verschwenderischer Kraftentfaltung – eine Tendenz, an die er etwa in den kurzen Kadenzen zu Beginn der Durchführung anknüpft. Das ruhigere Seitenthema stimmt er dagegen mit jenem zugleich schlichten und doch innigen Tonfall an, den er dann im anschließenden 'Lento’-Satz erneut entfaltet und klanglich weiter abschattiert. Im rasanten Rondo-Finale wiederum fasziniert der Geiger durch einen Spielwitz, der sich nicht von den technischen Hürden Violinparts beeindrucken lässt.

Das Korngold’sche Konzert hingegen überzeugt durch die schwärmerische Gestaltung, die sich Mittel wie dem Portamento bedient, dabei – und das ist der große Pluspunkt gegenüber vielen anderen Aufnahmen dieses inzwischen doch häufiger eingespielten Werkes – aber niemals übertreibt, so dass der leicht überzuckerte Melodienreichtum nicht zu schwer im Magen liegt. Weit geschwungen, fast rhapsodisch stimmt Sporcl das Hauptthema des Kopfsatzes an, hier wie in den anderen Sätzen nähert sich die Kantabilität der Gesangsphrasen einem unaufhörlichen Fließen, das jedoch eine sehr sorgfältige Formung im Detail erfährt. Besonders wirkungsvoll gerät Korngolds Werk auch aufgrund der beachtlichen Orchesterleistung, denn Kout setzt die Partitur Musiker so farbig und differenziert um, wie man es sonst selten erlebt. Mit Hilfe seiner Mitstreiter gelingt dem junge Sporcl, im Booklet als ein ‚Violinist für das 21. Jahrhundert’ bezeichnet, somit glänzende Visitenkarte, die sich durch souveräne und einfallsreiche Interpretationen beider Violinkonzerte auszeichnet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Pavel Sporcl spielt: Violinkonzerte von Strauss & Korngold

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
25.09.2009
Medium:
EAN:

CD
099925396220


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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