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Montag, 26. Juli 2021

Friedmann, Ignaz - Klavierwerke

Pianistisch-archäologische Ausgrabung


Label/Verlag: Genuin
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die vergessene Klavierwelt Ignaz Friedmans erweckt Michael Schäfer buchstäblich zu pianistischem Leben.

Gleich eine ganze Reihe polnisch stämmiger, auch selbst komponierender Pianisten derselben Generation, des so genannten ‚goldenen Zeitalters’ der Klaviervirtuosen, teilen ein ähnliches Schicksal: Zu Lebzeiten weltberühmte, gefeierte Vertreter ihres Fachs, gerieten sie – auch bedingt durch die Wirren des zweiten Weltkriegs – posthum schnell in Vergessenheit und werden erst in jüngerer Zeit allmählich für die Klavierwelt wieder entdeckt. Neben Leopold Godowsky (1870-1938) gehören zu ihnen auch Ignaz Paderewski (1860-1941) oder Ignaz Friedman (1882-1948), beide ihrerseits wiederum Schüler des großen, ebenfalls polnisch verwurzelten ‚Urahns’ der russischen Klavierschule, Theodor Leschetitzky. Eine Auswahl der Werke Friedmanns hat für das Label Genuin der in München lehrende Michael Schäfer eingespielt, der sich schon mehrfach um die Wiederbelebung entlegenen Repertoires, etwa der Werke Vincent d’Indys oder des Briten Cyril Scott verdient gemacht hat.

Die in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk produzierte Reihe ‚Unerhört’ macht sich bewusst die Bedeutung der einzelnen Wortsilben zu eigen und hat es sich zum Ziel gesetzt, unbekannter Literatur zur Rückkehr ins Bewusstsein respektive in den Konzertbetrieb zu verhelfen.

Die Entdeckungsreise beginnt mit dem 'Thème varié’ op. 30, das bereits die stilistischen Eigenschaften von Friedmanns Musik reflektiert: durchaus nicht dem salonhaften, leichten Genre sind seine Kompositionen zuzuordnen. Vielmehr atmen sie überwiegend einen melancholisch-elegischen, mehrfach auch volkstümlich angehauchten Geist, der sich schon in der Gattung der Mazurkas op. 49 und 85 oder dem Titel 'Polnisches Lied’ op. 79/9 wiederspiegelt. Ebenso gilt das für die Zyklen 'Polnische Lyrik I, II und III’ op. 53, 60 bzw. 72, die mit Stücken wie 'Bauerntanz’, 'Wind’ oder 'In der Dorfschenke’ zudem ausgewiesene Charakterstücke beinhalten. Virtuose Merkmale, die freilich dennoch immer wieder vorkommen, halten sich hingegen eher im Hintergrund, und so kommt es bei der pianistischen Ausgestaltung mehr auf melodische Linienzeichnung und Sensibilität im Ton an.

Michael Schäfer wird diesen Anforderungen überzeugend gerecht. Ihm gelingen atmosphärisch dichte Darstellungen zwischen drängender, rastloser Unruhe und sentimentaler Introvertiertheit sowohl im Kleinen der vielen miniaturhaft-flüchtigen Bilder als auch im ausladenderen, pathetischen Format, etwa der Ballade op. 66 oder der Passacaglia op. 44. Auch die Kontraste innerhalb der ‘Huit Préludes’ op. 80, etwa zwischen den Akkord-Ungetümen des einleitenden ‘Grave, marcato’, des luftigen ‘Volante, con eleganza’ oder des pulsierenden ‘Molto tranquillo’ arbeitet er überzeugend heraus.

Die Krone kompositorischen Einfallsreichtums sind Friedmanns einander im Tonfall doch oftmals recht ähnliche Werke sicherlich nicht. Ein interessantes pianistisches Zeitzeugnis der ausgehenden Romantik sind sie aber allemal.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Friedmann, Ignaz : Klavierwerke

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Genuin
1
25.09.2009
Medium:
EAN:

CD
4260036251494


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Genuin

Im Jahr 2002 standen die jungen Tonmeister von GENUIN vor einer wichtigen Entscheidung: Sollte man sich weiterhin lediglich auf das Aufnehmen und Produzieren konzentrieren, oder auf die zahlreichen Nachfragen und positiven Rückmeldungen von Musikern und Fachzeitschriften eingehen und ein eigenes Label ins Leben rufen? In einer Zeit, in der praktisch alle großen Klassik-Label ihre Produktion eingestellt oder zumindest stark gedrosselt hatten, fiel die Entscheidung nicht leicht – aber sie fiel einstimmig aus: zugunsten einer offiziellen Vertriebsplattform für die GENUIN-Aufnahmen. Und der Erfolg hat nicht lange auf sich warten lassen.

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GENUIN bietet auch abseits ausgetretener Pfade etablierten Künstlern genauso wie der Nachwuchsgeneration die Möglichkeit, Musik nach eigenen Vorstellungen zu verwirklichen. Das macht sich positiv bemerkbar für die Hörer der mittlerweile mehr als 300 GENUIN-CDs mit Interpreten wie Paul Badura-Skoda, Nicolas Altstaedt oder der Dresdner Philharmonie.


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