> > > Schweriner Blechbläser Collegium spielt: Werke für Blechbläser von Georg Friedrich Händel
Sonntag, 28. November 2021

Schweriner Blechbläser Collegium spielt - Werke für Blechbläser von Georg Friedrich Händel

Messing-Händel


Label/Verlag: Berlin Classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Schweriner Blechbläser-Collegium nähert sich Händel auf tradtionellem Wege: mit breitem Legato, weiten Melodiebögen und einem klangsatten Blechsound, messingfarben strahlend.

Anlässlich der Feierlichkeiten zu Georg Friedrich Händels 250. Todestag wurde der Plattenmarkt mit zahlreichen Neueinspielungen und Wiederveröffentlichungen versorgt, mit Oper, Instrumentalmusik und Oratorium, mit kaum Bekanntem neben Evergreens und mit Werken, die in der vom Komponisten bestimmten (oder im historischen Rückblick zu erschließenden) Besetzung gespielt werden gegenüber Arrangements und anderen kreativen Auseinandersetzungen mit Händels Werken. Zu letzteren, den Arrangements, gehört die jüngste Aufnahme des Schweriner Blechbläser-Collegiums, eines der traditionsreichsten Blechbläserensembles hierzulande. Sie trägt den Titel ‚Handel for Brass‘ und wurde von Berlin Classics in Zusammenarbeit mit Deutschlandradio Kultur produziert.

In dem informativen Booklettext gibt der kreative Kopf des Ensembles, zuständig für die musikalischen Bearbeitungen, Ensembleleiter und Gründer des Schweriner Blechbläser-Collegiums, Hans-Joachim Drechsler, Auskunft über die Geschichte von Blechbläserensembles. Betont wird vor allem, dass die relativ junge Konstellation einer Versammlung unterschiedlicher Blechblasinstrumente vor allem auf Werkbearbeitungen angewiesen ist; Originalkompositionen für diese spezifische Instrumentenkombination sind jüngeren Datums. Neben den Ausflügen in die jüngere Musikgeschichte bildet vor allem die musikalische Einrichtung barocker Werke einen wichtigen Sockel von derlei Ensembles. Interessant ist nun vor allem, inwiefern sich die Beschäftigung mit dieser Musik im Zuge der revolutionären Wandlungen durch aufführungspraktische Erkenntnisse (und damit zusammenhängenden ästhetischen Entscheidungen) auch in Blechbläserensembles verändert hat. Da gibt es jene Ensembles, die bei Spezialisten aus der Alten Musik Rat eingeholt haben, um stilistisch neue Wege zu betreten. Und es gibt jene, die sich von derlei historisch-stilistischen Fragen recht unbeleckt zeigen, wie zum Beispiel das Schweriner Blechbläser-Collegium. Das zeigt sich schon in Tendenzen des Booklettextes, in dem die Geschichte der Blechblasinstrumente als Fortschrittsentwicklung dargestellt wird; von Harnoncourts ‚Knödel-Theorie‘ (die besagt, man verliere – historisch gesehen – auf der einen Seite, was man auf der anderen hinzugewinnt, es gebe als keinen Fortschritt in allen Belangen) ist das weit entfernt.

Was das Schweriner Blechbläser-Collegium auf vorliegender Platte anbietet, ist ein klangsatter messingfarben strahlender Händel mit weichen Kantilenen, sanglichem Legato; keine rhetorische Schärfung von Ausdrucksgesten, Affektdarstellung oder tänzerische Beschwingtheit eines Spiels mit metrischen Schwerpunkten. Aber: Unter dem Vorzeichen, dass all dies, was man als historisch orientieren Barock-Zugang verstehen kann, hier ausgeblendet wird, und demgegenüber ein – im besten Sinne! – traditioneller Weg beschritten wird, gelingt dem Schweriner Blechbläser-Collegium eine im großen Ganzen beachtenswerte Einspielung.

Versammelt sind hier Sätze aus Vokal- (Oper, Oratorium) und Instrumentalwerken, teilweise als Einzelsatz, meistenteils jedoch als mehrsätziger Auszug, z.B. bei den drei Arien aus ‘Rinaldo’, den drei Sätzen aus ‘Giulio Cesare’ und den fünf Sätzen aus der ‚Wassermusik‘ (D-Dur-Suite HWV 341). Das zwölfköpfige Ensemble mit Unterstützung durch Andreas Winkler (Pauke; bei drei Sätzen) geht hier in wechselnden Besetzungsformen zu Werke. Durch den in einigen Sätzen hinzutretenden Einsatz von Flügelhorn, Baryton oder Kontrabassposaune zu dem ‚normalen‘ Blechbläserensemble ergibt sich eine fein schattierte, reichhaltige Klangfarbenpalette. Faszinierender als der satte Blechbläserklang, aus dem die Piccolotrompeten manchmal etwas eigenständig im Klangcharakter hervortreten, ist aber die feine Kantilene, die nicht nur den Arien, sondern auch den langsamen Instrumentalsätzen weiche und vor allem weit gespannte Legato-Bögen verleiht. Dazu kommt eine klangliche Gestaltung der Begleitung, die nicht nur dynamische Schattierungen bereithält und – in Relation zur Melodie – gut balanciert erscheint, sondern die Spannkraft der Kantilene mit bruchlosem Klang und weicher Artikulation unterstützt.

Die Arrangements von Hans-Joachim Drechsler ist sämtlich sehr gelungen; erstaunlich und interessant ist vor allem, wie Drechsler einige allzu oft gehörte Händel-Evergreens in einen musikalischen Satz verpackt, der nicht allzu leicht und widerstandslos ins Ohr geht – und gerade deshalb auch nicht gleich wieder hinaus.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schweriner Blechbläser Collegium spielt: Werke für Blechbläser von Georg Friedrich Händel

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Berlin Classics
1
09.10.2009
Medium:
EAN:

CD
782124165529


Cover vergössern

Berlin Classics

Berlin Classics (BC) ist das Klassik-Label der Edel Germany GmbH. Es ist das Forum für zahlreiche bedeutende historische Aufnahmen, wichtige Beiträge der musikalischen Zentren Leipzig, Dresden und Berlin sowie maßgebliche Neuproduktionen mit etablierten und aufstrebenden jungen Klassik-Künstlern. Dazu zählen etablierte Stars, wie z.B. die Klarinettistin Sharon Kam, die Pianisten Ragna Schirmer, Sebastian Knauer, Matthias Kirschnereit, Anna Gourari und Lars Vogt, die Sopranistin Christiane Karg oder auch die Ensembles Concerto Köln, Pera Ensemble, sowie der Dresdner Kreuzchor und das Vocal Concert Dresden. Mehrfach wurden Produktionen mit einem Echo-Preis ausgezeichnet. Im Katalog von Berlin Classics befinden sich Aufnahmen mit Kurt Masur, Herbert Blomstedt, Kurt Sanderling, Franz Konwitschny, Hermann Abendroth, Günther Ramin, Peter Schreier, Ludwig Güttler, Dietrich Fischer-Dieskau, die Staatskapellen Dresden und Berlin, das Gewandhausorchester Leipzig, die Dresdner Philharmonie, die Rundfunkchöre Leipzig und Berlin, der Dresdner Kreuzchor und der Thomanerchor Leipzig. Sukzesssive wird dieses historische Repertoire für den interessierten Hörer auf CD wieder zugänglich gemacht, wobei die künstlerisch hochrangigen Analogaufnamen mit größter Sorgfalt unter Anwendung der Sonic Solutions NoNoise-Technik bearbeitet werden, um sie an digitalen Klangstandard anzugleichen.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Berlin Classics:

blättern

Alle Kritiken von Berlin Classics...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Tobias Pfleger:

  • Zur Kritik... Tiefe persönliche Betroffenheit: Das Atos Trio nimmt mit einer glühend intensiven Aufnahme zweier tschechischer Klaviertrio-Meisterwerke für sich ein. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Durchdringung: Das Wiener Klaviertrio eröffnete mit gewohnter Klasse eine neue Reihe der Brahms-Klaviertrios. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
  • Zur Kritik... Geist der Vergangenheit: Masaaki Suzuki nähert sich Strawinskys Neoklassizismus im Geist der Alten Musik. Weiter...
    (Dr. Tobias Pfleger, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Tobias Pfleger...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (11/12 2021) herunterladen (3500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich