> > > Emil Gilels in Concert: Klavierkonzerte von Beethoven & Grieg
Samstag, 15. August 2020

Emil Gilels in Concert - Klavierkonzerte von Beethoven & Grieg

Gebremst, aber kontrastreich


Label/Verlag: VAI
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Den längst verblichenen, großen Emil Gilels einmal am Klavier zu beobachten ist faszinierend. Schade allerdings, dass die aufnahmetechnischen Faktoren dieser Produktion so unzureichend sind.

24 Jahre nach seinem Tod ist der Pianist Emil Gilels noch erstaunlich gut auf dem Tonträgermarkt vertreten. Derzeit sind neben zahlreichen CDs sogar über 10 DVDs lieferbar. Eine weitere bietet zwei Konzertmitschnitte des Finnischen Fernsehens aus den Jahren 1983 und 1984. Musikalisch darf man getrost frohlocken. Gilels, dessen pianistische Technik in den Konzertmitschnitten nach seiner Herzattacke 1981 manchmal durchaus Einbußen erkennen lässt, präsentiert in diesem Fall Beethovens c-moll-Konzert und Griegs großes Konzert sehr souverän. Begleitet wird er dabei vom Philharmonia Orchestra bzw. dem Finnish Radio Symphony Orchestra, in beiden Fällen geleitet von Paavo Berglund.

Glücklich dürfen sich all diejenigen schätzen, die sich an Konzertauftritte des 1916 geborenen Emil Gilels erinnern können. Wer ihn noch nie hat spielen sehen, lernt den genialen Russen hier als gedrungene Gestalt mit eben solchen Händen kennen, dessen Bewegungen bereits etwas unsicher wirken. Seine Augen sind kaum zu sehen, so tief liegen sie in den Höhlen, das zerfurchte Gesicht verrät höchste Konzentration, verzieht sich in Beethovens Konzert teils zur Grimasse. Mit seiner roten Löwenmähne und den sparsamen Bewegungen strahlt Gilels Würde aus, übertriebene Gesten sind ihm fremd. Im Gegensatz zu manchen Kollegen bietet Gilels keine Virtuosenshow; Musik ist ihm eine ernste Sache.

Obwohl er durchaus kräftig zupackt, scheint der musikalische Schwung in dieser Aufzeichnung etwas gebremst, konventioneller besonders im Vergleich zu einem acht Jahre zuvor entstandenen, völlig entfesselten Beethoven-Zyklus unter Kurt Masur. Besonders deutlich wird das bei Beethoven in der Solokadenz, die aber unter seinen Händen dennoch lebhaft perlt. Im Vergleich zu manch anderer Aufnahme, selbst solchen, die häufig als Referenz genannt werden, ist Gilels' Spiel auch hier noch wesentlich lebhafter und kontrastreicher. Falsche Töne, in größerer Zahl lediglich bei Grieg in der großen Kadenz des ersten Satzes, fallen dank der überlegenen Gestaltung weniger ins Gewicht. Von diesem Konzert gibt es schwungvollere Einspielungen, eher monumental und episch breit wirkt es bei Gilels. Ein Manko ist leider das oft unpräzise Zusammenspiel von Klavier und Orchester.

Auch einige äußere Umstände trüben den positiven Gesamteindruck der Produktion. Klanglich sind die Konzerte in Mono und einer äußerst mäßigen Fernseh-Tonqualität zu erleben, zudem nicht frei von Nebengeräuschen. Die Balance zwischen Klavier und Orchester ist ebenfalls nicht optimal. Auch das Bild bietet wenig mehr Farbe als eine Schwarz-weiß-Aufzeichnung, ist zudem meist ziemlich unscharf und in einigen Einstellungen verwackelt. Extras enthält die DVD nicht, ebenso wenig ist ein Beiheft vorhanden. Selbst elementarste Angaben fehlen, etwa über die Kadenz bei Beethoven (es ist die meistens zu hörende vom Komponisten selbst) oder auch nur die Satzlängen. Der ausgesprochen stattliche Preis der Produktion erscheint daher doch stark übertrieben. Empfehlenswert ist die DVD somit eher für Fans von Emil Gilels.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Features:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Emil Gilels in Concert: Klavierkonzerte von Beethoven & Grieg

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
VAI
1
28.08.2009
Medium:
EAN:
DVD
089948447290

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VAI

Video Artists International (VAI) incorporated in 1983 and became the first US-based company to offer a selection of home video featuring opera, concert and ballet performances from international performance centers. In 1991 VAI began producing compact discs.. In 2001 VAI released its first DVD. Initial VHS releases included ballet films from Russia followed by a series of complete operasstarring Anna Moff, Renata Tebaldi in Tosca and Beverly Sills All these remain best sellers for VAI. Also issued were recitals by Rosalyn Tureck, Anna Russell, Renata Scotto and others. All of these have been issued on DVD.
In the mid-1990?s VAI began a relationship with the Canadian Broadcasting Company that yielded memorable performances, among others, by Joan Sutherland, Jon Vickers, Renata Tebaldi, Jean- Pierre Rampal, Sir Thomas Beecham, Sviatoslav Richter, Martha Argerich, Arturo Benedetti Michelangeli, and Ida Haendel.
In 1998 VAI began a long term agreement with the copyright holders of broadcasts from The Bell Telephone Hour, America?s premiere cultural television program from 1959 to1967. Performers caught live include Renata Tebaldi, Brigit Nilsson, Joan Sutherland, Anna Moffo, Rudolph Nureyev, Leontyne Price, Isaac Stern, Michael Rabin, Yehudi Menuhin, David Oistrakh, Claudio Arrau, Jorge Bolet, Van Cliburn and other great artists.
1999 saw an arrangement with the Chicago Symphony Orchestra for a series of historic television broadcasts under music giants Fritz Reiner, George Szell, Pierre Monteux, Charles Munch, Leopold Stokowski and Paul Hindemith.
2003 began a relationship with Showcase Productions which has yielded the best selling ?Ethel Merman and Mary Martin ? The Legendary Ford 50th Anniversary Program? and two legendary ballets featuring Margot Fonteyn.
The television archives of The Boston Symphony Orchestra are now being made available to the world by VAI beginning in 2004. Initial releases feature Sir John Barbirolli, Charles Munch, and Pierre Monteux. Future releases will focus on former music directors Eric Leinsdorf and Seji Ozawa. 2004 brought around working relationships with France?s INA and Italy?s RAI which will see the release of many historic opera and concert videos from the vaults.
As a result of VAI?s presence in the marketplace, independent producers are approaching VAI with projects for production and distribution. ?What the Universe Tells Me?, a documentary on Mahler?s Third Symphony and ?Khachaturian: A Music and His Fatherland? are two fruits of these collaborations.
Aside from the afore mentioned Merman/Martin title, 2004 saw VAI release a Cole Porter Tribute,featuring Merman and other stars of the American Musical Theater. 2005 will see a continuing series of DVD titles to the great musical stars of stage and screen.
VAI CD issues feature rare recordings of Joseph Hoffman, William Kapell and other legendary pianists. The art of singers Jon Vickers, Evelyn Lear, Phyllis Curtin, Renata Tebaldi, and Eleanor Steber are captured in live and studio recordings. Many other legendary singers are featured on disc. VAI has issued a number of historic opera performances including 12 live recordings from the archives of the New Orleans Opera. Recently, VAI has begun issuing live performances from Sarah Caldwell?s legacy with the Boston Opera Company that includes performanes of Joan Sutherland, Marilyn Horne, Beverly Sills, and Jon Vickers. In recent years VAI has begun to record young, outstanding artists as Francesco Libetta and Pietro De Maria. VAI is the official label of the Miami International Piano Festival of Discovery.
VAI has 200 plus DVDs and videos and over 200 CDs in its catalog.


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