> > > Baborak Ensemble spielt u. a.: Les Confidences d'un Joueur de Clarinette op. 141 von Charles Koechlin
Sonntag, 29. Mai 2022

Baborak Ensemble spielt u. a. - Les Confidences d'un Joueur de Clarinette op. 141 von Charles Koechlin

Skelettierte Klänge


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Ensemble um den Hornisten Radek Baborak spielt Musik des 20. Jahrhunderts für seltene Besetzungen. Das klingt stets unterhaltsam und originell.

Ungewöhnliche Besetzungen – ein gewöhnliches Mittel der neueren Musik, ungläubiges Kopfschütteln zu provozieren, Neugier und Staunen zu wecken. Was hat es nicht alles gegeben, ein kürzlich in Wasser getauchter Gong wirkt gegen den Einsatz von Hubschraubern doch eher harmlos, und Effekte sind uralt, seien es Windmaschinen, Ratschen, Donnerbleche gar schon im 17. Jahrhundert. Spätestens seit den Werken der musikalischen Futuristen zu Anfang des 20. Jahrhunderts ist es eigentlich mehr als erstaunlich, dass gerade die ‚Instrumentation’ heute immer noch durch Originalität beeindrucken soll. Wann kommt endlich die Symphonie für Telephon, Fön, Wasserkocher, schlagende Tür, drei Klospülungen und obligaten Dudelsack? Selbst das wäre wohl nur mäßig originell.

Abseits solcher Pseudoavantgardistischen Bemühungen erkundet das Baborak Ensemble auf seiner neuen CD ebenfalls ungewöhnlichen Besetzungen. Mit einem Streichquartett spielt der Hornist Radek Baborak normalerweise zusammen, hier kommt als zweiter Solist der Klarinettist Wenzel Fuchs hinzu, plus weitere Ergänzungen von Fall zu Fall. So spielen in einer Serenade von Martinu Klarinette und Horn mit drei Violinen und Bratsche, in seinem Quartett von 1924 mit Cello und kleiner Trommel, während in Berios 'Musica Leggera’ die Trommel durch ein Tambourin ersetzt wird. In einer Serenade von Nielsen gesellen sich Fagott, Cello und Kontrabass zu den beiden Bläsern, sein 'Canto serioso' erklingt in Bearbeitung für Horn, Violine, zwei Bratschen, Cello und Kontrabass. Das umfangreichste Werke schließlich ist Charles Koechlins 'Les Confidences d'un Jouer de Clarinette', die Musik zu einem Film nach dem Drehbuch des Komponisten, der jedoch nie entstand. Hier spielen Klarinette und Horn in vielen Sätzen allein oder im Duett, selten werden ein Hornquartett oder die Besetzung Klarinette, Bratsche und Cello verwendet.

Besonders rund wirkt die Besetzung in Nielsens 'Serenata in vano’, die meisten anderen Kombinationen machen eher den Eindruck von skelettierten Klängen, was hier nicht negativ verstanden werden soll. Klangtechnisch ist die Produktion des Labels Supraphon sehr gut gelungen, neigen doch gerade Aufnahmen mit solistischer Klarinette sonst häufig zu klirren.

Das Spiel der Solisten ist sehr ausgewogen, auch in guter Balance mit ihren Begleitern. Der Namensgeber des Ensembles, Hornist Radek Baborak, bewältigt seinen virtuosen Part mit Bravour und klanglicher Vielseitigkeit. Auffällig ist natürlich zunächst sein schmetternder Ton in einigen Nummer bei Koechlin, doch besonders im Verein mit der Klarinette oder dem Fagott wandelt sich dieser Ton schnell zu einem runden, einschmeichelnden Klang. Wenzel Fuchs besticht durch unaufdringliche Tongebung und große Klarheit in der Artikulation. Die Intonation des gesamten Ensembles weist nirgends Trübungen auf.

Der Titel der neuen Platte, Serenade, deutet auf unterhaltende Musik hin, und eine angenehme, humorvoll und kuriose Unterhaltung bieten die Einspielungen tatsächlich. Die originelle Besetzung trägt dazu bei – gerade weil sie hier einmal nicht den Stempel der Avantgarde beanspruchen will.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Baborak Ensemble spielt u. a.: Les Confidences d'un Joueur de Clarinette op. 141 von Charles Koechlin

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
28.08.2009
Medium:
EAN:

CD
099925399825


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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