> > > Klarinette. Universum: Brahms/Berio: Klarinettensonate/Holst: The Planets
Sonntag, 29. Mai 2022

Klarinette. Universum - Brahms/Berio: Klarinettensonate/Holst: The Planets

Bemerkenswerte Vielfalt


Label/Verlag: Musicaphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Produktion 'Klarinette. Universum' aus dem Hause Musicaphon ist eine gelungene Zusammenstellung, die auch interpretatorisch über weite Strecken überzeugt.

Das Label Musicaphon stellt mit 'Klarinette.Universum' eine sehr schöne Einspielung des Philharmonischen Orchesters Lübeck unter der Leitung von Roman Brogli-Sacher vor, die
durch das gelungene Spiel mit den Klangfarben der Klarinette und des Orchesterapparates, großer Präzision und weiter dynamischer Bandbreite ein beachtenswertes Ergebnis erzielt.

Mit einem wundervoll leicht herbem Klang interpretiert Reiner Wehle den ersten Satz der Sonate für Klarinette und Klavier op 120/1 von Johannes Brahms in der Bearbeitung für Klarinette und Orchester durch Luciano Berio. Leider kann das Orchester hier der Lyrik des Klarinettenparts nicht immer folgen, etwas behäbig wirken mitunter dessen Imitationen und Fortführungen. Dafür schafft es Dirigent Roman Brogli-Sacher im durch die Klarinette sehr fein gestalteten 'Andante un poco adagio', dem Solisten immer genau den dynamischen Raum zu geben, den er braucht. Dem 'Allegretto' fehlt dagegen ein wenig das Grazioso, die Klarheit, die diesem Satz die Leichtigkeit zu geben vermag, doch im 'Vivace' erreichen Solist und Orchester exakt die nötige Vielfalt in Klang und dessen Schattierungen, die dieser lebendige Satz fordert.

Eine großartige Eröffnung von Holst' 'The Planets' ist dem Philharmonischen Orchester Lübeck und dessen Dirigenten Brogli-Sacher mit dem Satz 'Mars' gelungen: In unerbittlicher, sich leicht nach vorn neigenden Rhythmik und großer Geste in der Melodik inszeniert Brogli-Sacher hier ein faszinierendes Spannungsbild des Mars. Klar und schonungslos expressiv ist das Ergebnis. Auch der 'Venus'-Satz ist durch eine schöne und einfühlsame Gestaltung geprägt, auch wenn er die Ausdruckstiefe des ersten Satzes nicht erreicht.
Insgesamt scheint Brogli-Sacher die große und dramatische Geste doch ein wenig mehr zu liegen als die subtil abgestimmte Feinheit dieses Satzes. Bildschöne Atemlosigkeit der Bewegung kennzeichnet den 'Merkur', euphorisches Pathos, das mit arabesk gestalteten Zwischenteilen abwechselt, den mit 'Jupiter' überschriebenen Satz. Die Schlüssigkeit der Gestaltung lässt über kleinere Ungenauigkeiten in der Intonation hinwegsehen. Eindrucksvoll auch die Düsternis des 'Saturn', die Unheimlichkeit eines 'Uranus', des Magiers. 'Neptun', der Mystiker schließlich mit seinem erstmaligen Einsatz eines sphärisch anmutenden Chores, bekommt einen schwebenden, geheimnisvollen und flächigen Charakter.

Insgesamt überzeugt Brogli-Sacher durch die sichere Wahl von Tempi, einer zielsicheren Balance, Dynamik und Timbre in einer in sich schlüssigen Interpretation beider Werke.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Janina Rüger Kritik von Janina Rüger,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Klarinette. Universum: Brahms/Berio: Klarinettensonate/Holst: The Planets

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Musicaphon
1
17.07.2009
74:10
Medium:
EAN:
BestellNr.:

SACD
4012476569123
M56912


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"Nur wenige Werke für Klarinette schrieb Johannes Brahms - und allesamt entstanden sie in den letzten Lebensjahren des Komponisten. Die vorliegende Bearbeitung der f-Moll-Sonate für Klarinette und Orchester ist außergewöhnlich, stammt sie doch nicht lediglich von einem in moderner Zeit lebenden, sondern von einem dezidiert modernen Komponisten. Luciano Berio, geboren 1925 in Italien, startete zunächst eine Pianistenkarriere und wandte sich nach eine Handverletzung der Komposition zu. Immer wieder widmete er sich außerdem Bearbeitungen - ein Umstand, der ihn mit Brahms verbindet. Teilweise revidierte Berio auch seine eigenen Werke, veränderte oder erweiterte sie. In seiner Bearbeitung der ersten Klarinettensonate hat er die Solo-Stimme nicht angetastet. Hinsichtlich seiner Orchestrierung hat er sogar die von Brahms autorisierte Alternativbesetzung mit Viola bedacht: ganze Motive (meist im hohen Holz) entfallen, wenn der Solist nicht Klarinette spielt. - „The Planets“ ist fraglos eines der populärsten Musikstücke überhaupt. Ihr Schöpfer Gustav Holst hingegen ist kein populärer Komponist, von dem man außer eben jener „Planeten“-Suite so gut wie nichts kennt. Es ist kein riesiges Œuvre, das er hinterlassen hat; nur ein Bruchteil davon ist je im Druck erschienen und viele der Handschriften ungedruckter Werke wurden an Freunde verschenkt. Wenige Jahre vor Holsts Tod wurde der Pluto entdeckt - was Colin Mathews zum Anreiz nahm, im Jahr 2000 die Suite mit „Pluto, der Erneuerer“ astronomisch zu komplettieren. Dennoch ist sie in der siebensätzigen Originalform durchaus vollständig: Schon 2006 wurde der Pluto zum Zwergplaneten degradiert."


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Musicaphon

Ende der 50er Jahre gründete Karl Merseburger, Inhaber des Tonkunstverlages in Darmstadt, das Label CANTATE. Etwa zur gleichen Zeit rief Karl Vötterle (Bärenreiter-Verlag) in Kassel MUSICAPHON ins Leben. In beiden Fällen sollte vorrangig das jeweilige Verlagsprogramm auf Tonträgern dokumentiert werden. Nachdem Merseburger den Tonkunstverlag 1963 aufgeben mußte, übernahm Bärenreiter das Label CANTATE und führte beide gemeinsam unter dem Dach der 1965 gegründeten Vertriebsfirma "Vereinigte Schallplattenvertriebsgesellschaft Disco-Center" fort. Auf beiden Labels erschienen in den 60er und 70er Jahren bedeutende Aufnahmen. Besondere Schwerpunkte setzte Wilhelm Ehmann, Leiter der Westfälischen Kantorei in Herford, mit seinen historischer Aufführungspraxis verpflichteten Interpretationen der Werke von Heinrich Schütz. Bach-Kantaten wurden von Helmuth Rilling mit der Gächinger Kantorei und dem Figuralchor der Gedächtniskirche Stuttgart eingespielt. MUSICAPHON gewann daneben Profil mit der Veröffentlichung musikethnologischer Aufnahmen, herausgegeben von der UNESCO (Musik des Orients und Musik Afrikas) bzw. vom musikwissenschaftlichen Institut der Universität Basel (Musik Ozeaniens und Musik Südostasiens). 1994 erwarb der Musikwissenschaftler Dr. Rainer Kahleyss (Kassel) die Label, 1996 auch die Vertriebsfirma von Bärenreiter, die jetzt als "Klassik Center Kassel" firmiert. Seitdem werden auf CANTATE geistliche Musik, auf MUSICAPHON weltliche Musik vom Frühbarock bis zur Gegenwart veröffentlicht. Auch für die Rezeptionsgeschichte bedeutsame Aufnahmen der Altkataloge werden sukzessive auf CD umgestellt.


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