> > > Rihm, Wolfgang: ´Concerto´ Dithyrambe für Streichquartett und Orchester
Mittwoch, 19. Januar 2022

Rihm, Wolfgang - ´Concerto´ Dithyrambe für Streichquartett und Orchester

Der Mozart in uns


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wolfgang Rihms Musik pendelt zwischen unterschiedlichen Ausdrucksmomenten, hier in prägnanten Interpretationen zu erleben.

„Wenn ein Hören sich bereits eingerichtet hat“, so hat es Wolfgang Rihm einmal formuliert, „dann empfindet es Klänge außerhalb seines Hörwinkels als daneben liegend, im wahrsten Sinne des Wortes. Um neue Bezüge zu schaffen, muss der Hörer seinen Empfindungsradius erweitern.“ Dieses neue Hören ist substantiell für viele Werke Rihms – nicht auf radikale, aber auf sehr subtile Art und Weise. Wie Kunstschönheit heute zu erfahren – oder eben nicht zu erfahren – wäre, ist Gegenstand zweier Kompositionen, die in neuen Aufnahmen bei Kairos erschienen sind: Zwei Sotto-voce-Kompositionen, 'Notturno’ und 'Capriccio’, zwei kleine Klavierkonzerte, die Verbindungslinien zwischen klassischer Klangkultur und unserer Zeit ziehen.

Das erste Sotto voce für Klavier und kleines Orchester zieht seine Inspiration aus dem Klavierspiel von Daniel Barenboim, dem Widmungsträger des Werkes, der das Werk für einen Mozartzyklus in Auftrag gegeben hat. Ein kleines, wie von Mozart zusammengestelltes Orchester, ergänzt um eine Harfe, die dem Gesamtklang eine fließende Note verleiht, schafft einen luftigen Aggregatzustand, in den das Klavier seine punktuellen und zarten, oft schon improvisatorisch wirkenden Linien einwebt. Demgegenüber ist das 'Capriccio’, die zweite Sotto voce-Komposition, ein schneller Satz, der die delikaten Klangtexturen des 'Notturno’ mit raschen Bewegungsabläufen kommentiert.

Beide Werke pendeln zwischen verschiedenen Stilen und Ausdrucksmomenten, sind bewegte Form, ein „Kontinuum der Kraftweitergabe“, wie Rihm es nennt. Dieses Weiterreichen und -denken von Bestehendem wird im Schaffen von Wolfgang Rihm seit Beginn der neunziger Jahre immer deutlicher zum zentralen künstlerischen Ansatzpunkt, der in seinem sinfonischen Werk 'Vers une symphonie fleuve’ deutlich formuliert ist. Unterschiedliches fließt in einer Gesamtgestalt zusammen und schafft neue Formen.

Die Sehnsucht nach einem ungebrochenen Energiestrom spürt man auch im Concerto 'Dithyrambe’ für Streichquartett und Orchester, das diese CD komplettiert. Innerhalb von fünfundzwanzig Minuten erlebt der Hörer eine nicht abreißende „kontinuierlichen Verlaufsenergie, die aber nicht motorisch-minimalistisch, sondern energetisch, nervlich gestaltet ist. Ganz unmechanisch, aber dennoch vorwärts drängend.“ Obwohl Rihm hier ganz bewusst die Gattungsbezeichnung des Concerto verwendet, wird die traditionelle Konzertform völlig ausgeblendet. Anstelle eines Dialogs zwischen Orchester und Solisten tritt ein Monolog, „geführt von einem Wesen mit vier Mündern - ja, vier Köpfe und vier Münder, ein Biest!“ Musikalisches Material aus älteren Werken wird in einen neuen Kontext gestellt, kommentiert und kritisiert. So entwickelt sich Schritt für Schritt eine komplexe Architektur, geführt von Intuition und Strategie. Nachdem die Nerven des Streichquartetts freigelegt wurden, versiegt der Energiefluss und endet in einem resignativen d-Moll-Akkord, der traditionsgetränkten Trauertonart.

Alle drei Werke wurden vom Luzerner Sinfonieorchester neu eingespielt, unter der Leitung von Jonathan Nott und John Axelrod, mit klangschöner Balance und plastischer Beredtheit. Das Arditti Quartett nutzt den rasanten Streichquartettpart des Concerto 'Dithyrambe’, um seinen fabelhaften Klang zum Flirren zu bringen, so dass tatsächlich des Eindruck entsteht, hier spiele ein einzelner Klangkörper mit zahlreichen Gliedern. Nicolas Hodges, der Klaviersolist der beiden Sotto voce-Kompositionen, verleiht der Musik mit rundem, profundem Anschlag und Mozartscher Brillanz eine leuchtende Expressivität voll klassizistischer Transparenz.

Von Gustav Mahler stammt ein Ausspruch, der auf Thomas Morus zurückgeht: „Tradition ist die Weitergabe des Feuers, nicht die Anbetung der Asche.“ Bei Wolfgang Rihm wird dieser Sinnspruch zu Tönen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Paul Hübner Kritik von Paul Hübner,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Rihm, Wolfgang: ´Concerto´ Dithyrambe für Streichquartett und Orchester

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
Kairos
1
17.07.2009
054:31
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
9120010281525
KAI 0012952


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Dirigent(en):Axelrod, John
Nott, Jonathan


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