> > > Enescu, George: Oktett für Streicher C-Dur op. 7
Donnerstag, 21. Oktober 2021

Enescu, George - Oktett für Streicher C-Dur op. 7

Spannende Kombination


Label/Verlag: CAvi-music
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Streicheroktette von Mendelssohn und Enescu in Live-Mitschnitten vom Festival ‚Spannungen’ in Heimbach: Hier lohnt sich das Hinhören.

Erneut bringt CAvi-music in Koproduktion mit dem Deutschlandfunk eine Reihe von Mitschnitten vom Festival ‚Spannungen’ auf CD heraus, diesmal mit Werken, die 2008 im Rahmen der Konzerte im Wasserkraftwerk Heimbach erklungen sind. Und wieder einmal beweisen die Produzenten bei der Werk-Zusammenstellung ein gutes Händchen, kombinieren sie auf der vorliegenden Platte doch Felix Mendelssohn Bartholdys Oktett für Streicher Es-Dur op. 20 (1825), das ja beileibe keine diskografische Seltenheit mehr ist, mit einem kaum bekannten, aber nichtsdestotrotz außerordentlichen Werk für die selbe Besetzung: dem 75 Jahre später entstandenen Oktett C-Dur op. 7 (1900) von George Enescu. Und wie auf den Platten der vergangenen Jahre sind es – mit einigen Besetzungsvarianten zwischen beiden Stücken – die altbewährten Musiker, die sich zu einem erstaunlich homogen agierenden Klangkörper zusammengefunden haben: Christian Tetzlaff, Isabelle Faust, Lisa Batiashvili, Antje Weithaas und Katherine Gowers (Violine), Rachel Roberts, Ori Kam und Antoine Tamestit (Viola) sowie Tanja Tetzlaff, Quirine Viersen und Gustav Rivinius (Violoncello).

Zwar muss man aufgrund der Live-Aufnahme einige kleinere Abstriche machen, zumal das Ensemble gerade in Bezug auf die Klangbalance nicht immer ganz ideal eingefangen ist. Dennoch ist die Interpretation von Mendelssohns Frühwerk brillant – und übertrifft in Bezug auf die Intonationssicherheit so manche Studio-Aufnahme, die auf dem Markt ist. Die Musiker setzen hier zunächst auf eine klangliche Entfaltung des Kopfsatzes, lassen dabei manchmal vielleicht auch etwas von jenem Vorwärtsdrang vermissen, der aus der Musik immer wieder hervorbrechen möchte. Fast scheint es, als käme das Ensemble erst bei der Wiederholung der Exposition so richtig in Schwung. Dennoch trägt gerade die Live-Atmosphäre zu den vielen positiven Eindrücken der Aufnahme bei, so im langsame Satz, der durch das gegenseitige Weiterreichen der Phrasen so wirksam gerät oder auch im Scherzo, über dem eine knisternde Spannung liegt.

Enescus Oktett, als Werk eines Neunzehnjährigen an der Schwelle von französischem Einfluss und zunehmend sich ausprägender Individualstilistik entstanden, ist ein packendes Gegenstück zu Mendelssohns Komposition, das mit viel Gespür für die vielen Farbwerte und dynamischen Spannungskurven musiziert wird. Die von den Interpreten stark kontrastierend gezeichneten Unterschiede zwischen solistischen und orchestral angelegten, gelegentlich sogar massives Unisono fordernden Passagen kommen der kompositorischen Differenzierung des Satzgewebes ausgezeichnet entgegen, und angesichts des atmosphärischen Ergebnisses – man vermeint, einen lebenden und atmenden Organismus zu hören, eine Erzählung, die immer wieder von dramatischen, rezitativähnlichen Passagen unterbrochen wird – fragt man sich verblüfft, warum dieses Stück nicht häufiger zu hören ist. Auch wenn das achtstimmige Streicherensemble an einigen Stellen nicht ganz so geschlossen wie im romantischen Gegenstück auftritt, gibt es hier doch wunderbare Musik in einer spannenden Interpretation zu hören.

Störend schlagen allerdings am Ende jedes Werkes die Bravorufe zu Buche, die man offenbar gern mitschneidet, um den Erfolg der Aufführungen zu dokumentieren. Soviel Live-Gefühl mit Gebrülle und Geplärre muss nun aber wirklich nicht sein, und man täte gewiss gut daran, das nervende Publikumsgejaule wegzuschneiden – denn es macht den Eindruck der Aufnahmen eher kaputt, als dass es deren Wirkung unterstreicht. Und auch über die Machart des konventionellen Booklet-Texts, eine generelle Schwäche dieser und anderer CAvi-Veröffentlichungen zum Heimbacher Festival, sollte man vielleicht einmal etwas intensiver nachdenken.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Enescu, George: Oktett für Streicher C-Dur op. 7

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
CAvi-music
1
02.08.2010
Medium:
EAN:

CD
4260085531639


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CAvi-music

"Es muss nicht viel sein, wenn's man gut ist" heißt die Devise für das Label, das stets den Künstler in den Vordergrund stellt, das partnerschaftlich Projekte realisiert, das persönliche Wünsche und Ideen der Künstler unterstützt, das sich vorwiegend auf Kammermusik konzentriert, das handverlesen schöne Musik in hervorragender Interpretation anbietet, mit einer Künstlerliste, die sich sehen lassen kann. Eine sehr persönliche Sache, die von Herzen kommt !! Außerdem kommen neben dem Label CAvi-music auch die Labels "SoloVoce" und "CAvi-Autentica" aus dem Hause Avi-Service for music.


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