> > > Tallis, Thomas: The Lamentations and Contrafacta
Samstag, 7. Dezember 2019

Tallis, Thomas - The Lamentations and Contrafacta

Bisweilen zu wenig klagende Klagelieder


Label/Verlag: Brilliant classics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die zwar technisch und musikalisch einwandfreie Aufnahme der 'Lamentations of Jeremiah'und Contrafacta der Chapelle du Roi bleibt leider insgesamt etwas steril und ausdruckslos.

Tallis’ ‘Lamentations of Jeremiah’ gehören in ihrer großen kontrapunktischen Dichte mit Sicherheit zu den bekanntesten und ausdrucksstärksten Werken der Vokalpolyphonie. Unter der Leitung von Alistair Dixon nahm das Vokalensemble Chapelle du Roi unlängst das Gesamtwerk Tallis’ bei Signum auf. Aus dieser Gesamtaufnahme wurden die ‘Lamentations’ und ‘Contrafacta’ ausgekoppelt und erschienen bei Brilliant Classics, die sich jedoch mit der Veröffentlichung scheinbar wenig Mühe gaben – so findet sich gleich auf dem Cover ein peinlicher Schreibfehler beim Namen des Leiters (‘Alastair’).

Doch der schlechte optische und inhaltliche Eindruck des Booklets wird glücklicherweise durch die Interpretation größtenteils korrigiert. Der äußerst homogene Klangkörper setzt sich aus Sängern zusammen, die zum größten Teil sowohl solistisch als auch im Ensemble überzeugen. Nahezu vibratolos und mit lupenreiner Intonation ergibt sich insbesondere in den Mittel- und Unterstimmen ein warmer und profunder Klang, der durch die Oberstimmen mitunter scharf durchschnitten wird und am Ende von einzelnen Stücken in einem sehr gleichmäßigen Decrescendo im Nichts verklingt. Bei den 'Lamentations’ werden die Dissonanzen zwar geschmackvoll und ohne übertriebenes Messa di voce andeutungsweise hervorgehoben, wodurch insgesamt ein ruhig fließender, wenig aufregender Klangeindruck entsteht. Doch hätte man sich gerade hier auf Dauer mehr dynamische Unterschiede gewünscht. Denn durch das Beibehalten einer Lautstärke und die fehlenden Steigerungen wirken die einzelnen Abschnitte etwas steril, in der daraus entstehenden tendenziellen Ausdruckslosigkeit Klageliedern nicht angemessen.

In dieser Hinsicht sind die – gemischt besetzten – 'Contrafacta’ deutlich mehr gelungen. Hier wird mehr riskiert, der Klang öffnet sich stärker und wird durch häufigeren, doch stets gezielten Einsatz von Vibrato farbiger und interessanter. Besonders hervorzuheben ist hierbei der obertonreiche, strahlende Sopran, der ausgesprochen beweglich in der Höhe, den Gesamtklang an spannungsreichen Stellen beispielsweise in ‘Blessed are those that be undefined’ zunächst mit einer scharfen Klangfarbe schneidend anreichert, um ihn mit gezieltem Vibrato sofort wieder zu entspannen.

Leider kann er auf diese Weise, ebenso wie der Altus nicht durchgängig begeistern – so klingen mitunter lange hohe, direkt angesetzte Töne mitunter etwas eng und fallen an einigen Stellen aus dem sonst sehr ebenmäßigen Klangbild heraus. Im Großen und Ganzen eine interessante, technisch und musikalisch einwandfreie und streckenweise sehr gelungene, aber dennoch in ihrer streckenweise starken Einförmigkeit nicht gänzlich überzeugende Aufnahme.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Meike Wiese Kritik von Meike Wiese,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Tallis, Thomas: The Lamentations and Contrafacta

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Brilliant classics
1
17.07.2009
Medium:
EAN:

CD
5028421939551


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