> > > Haydn, Joseph: Sinfonien Nr. 60, 88 & 96
Donnerstag, 2. Juli 2020

Haydn, Joseph - Sinfonien Nr. 60, 88 & 96

Schlichte Eleganz


Label/Verlag: OehmsClassics
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die beim Label OehmsClassics erschienene Aufnahme überzeugt durch eine schlichte, aber überaus lebendige, frische und in sich stimmige Interpretation, welche die in die Musik hinein komponierten Strukturen und Feinheiten gekonnt hervor kehrt.

1761 bot angesichts der hofeigenen Kapelle Anlass zur Komposition zahlreicher Instrumentalwerke, darunter die annähernd ersten 80 Sinfonien des Komponisten. Die Sinfonie Nr. 60 nimmt dabei insofern eine besondere Stellung ein, als sie ursprünglich für Jean-François Regnards Lustspiel ‚Der Zerstreute’konzipiert wurde. Dies erklärt zum einen den Titel, zum anderen die umfangreiche Anzahl der Sätze: eine Ouverture, vier Zwischenaktmusiken und schließlich das Finale. Während in diesem Werk die Bläser noch lediglich durch Oboen, Hörner und Trompeten vertreten sind, ist die Besetzung in den Sinfonien Nr. 88 und 96 durch Flöten und Fagotte erweitert. Dadurch konnte Haydn die klanglichen Möglichkeiten erweitern, einerseits durch die Färbung des Gesamtklangs in orchestral komponierten Partien, andererseits durch die vielseitige Kombination einzelner Instrumente. Die Sinfonie Nr. 88 vertraute Haydn dem Geiger Johannes Tost an, der fünf Jahre lang im esterházischen Orchester spielte. Unter anderem dieses Werk sollte der Geiger nach Paris mitnehmen, um es dort verlegen zu lassen. Bereits zu den für Konzertveranstaltungen in London komponierten Sinfonien gehört Nr. 96. Ganz besonderen Charme verleihen dieser Sinfonie die solistischen Einwürfe und kammermusikalisch ausgearbeiteten Passagen.

In der Aufnahme mit dem Mozarteum-Orchester Salzburg versteht es Ivor Bolton, nicht mehr aus der Musik zu machen, als Haydn ohnehin schon notiert hat, sie nicht zu überfrachten. In gelungener Weise schält der Dirigent die Strukturen heraus. Kammermusikalische Abschnitte stellt er in der Art der Tongebung orchestral gesetzten Passagen gegenüber. Dabei gehen teilweise die Bläserstimmen im Gesamtklang zwar ein wenig unter, dafür wirken die unterschiedlichen Klangfarben in solistischer gesetzten Teilen umso frischer. Wo Solostimmen miteinander korrespondieren, fällt außerdem auf, wie sorgfältig meist musiziert wird, auch dies im Sinne einer transparenten Gestaltung mit stimmiger Intonation. Selbst dort, wo das Geflecht der Stimmen dichter ist, ist der rote Faden der Melodie, des Themas oder des Rhythmus stets herausgearbeitet, was der Interpretation eine ungemeine Lebendigkeit und Präsenz verleiht. Manche Phrasen wirken allerdings vielleicht gerade der genauen Gestaltung wegen etwas statisch. Glücklicherweise vermag der musikalische Fluss deswegen aber nicht einzubrechen.

Ein schlanker Ton und der weitgehende Verzicht auf Vibrato unterstützen die Schlichtheit der musikallischen Gestaltung. Farbenreich klingen nicht nur die Sätze in sich: Auch innerhalb einer Sinfonie variieren die einzelnen Sätze in Klanglichkeit und Tempo. Bei den ersten Sätzen sind die zweiten Wiederholungen durchwegs weggelassen, was durchaus der heutigen musikalischen Praxis entspricht. In den Sinfonien Nr. 60 und 96 fehlen sie zudem auch in anderen Sätzen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Michelle Keller Kritik von Michelle Keller,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Haydn, Joseph: Sinfonien Nr. 60, 88 & 96

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Aufnahmejahr:
OehmsClassics
1
01.01.2012
067:50
2008
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
4260034867369
OC 736


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Dirigent(en):Bolton, Ivor


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OehmsClassics

Ein erfülltes Leben ist ohne Musik kaum denkbar. Musik spiegelt unsere Wahrnehmung der Umwelt und die Realität heutiger wie vergangener Zeiten. Gute Musik ist immer neu, immer frisch, immer wieder entdeckenswert. Deshalb bin ich überzeugt: Es gibt nicht -die- eine, definitive, beste Interpretation der großen Werke der Musikgeschichte. Und genau das macht klassische Musik so spannend: Jede Musikergenerationen experimentiert, entdeckt neue Blickwinkel, setzt unterschiedliche Schwerpunkte - derselbe Notentext wird immer wieder von anderen Strömungen belebt.

Deshalb ist ein Musikstück, egal aus welchem Jahrhundert, auch immer Neue Musik. OehmsClassics hat es sich zur Aufgabe gemacht, am Entdecken der neuen Seiten der klassischen Musik mitzuwirken.

Unser Respekt vor den künstlerischen Leistungen der legendären Interpreten ist gewiss. Unser Ziel als junges CD-Label sehen wir jedoch darin, den interpretatorischen Stil der Gegenwart zu dokumentieren. Junge Künstler am Anfang einer internationalen Karriere und etablierte Künstler, die neue Blickwinkel in die Interpretationsgeschichte einbringen - sie unterstützen wir ganz besonders und geben ihnen ein Forum, um auf dem Tonträgermarkt präsent zu sein.

Sie, liebe Musikhörer, bekommen damit die Gelegenheit, heute die Musikaufführung zu Hause nachzuvollziehen, die Sie gestern erst im Konzertsaal oder Opernhaus gehört haben. Wir laden Sie ein, gemeinsam mit uns die neuen Seiten der klassischen Musik zu erleben!


Ihr
Dieter Oehms


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