> > > Humperdinck, Engelbert: Hänsel und Gretel
Montag, 18. Oktober 2021

Humperdinck, Engelbert - Hänsel und Gretel

Es muss nicht immer Regietheater sein


Label/Verlag: Opus Arte
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese musikalisch frische und optisch lebendige Inszenierung macht jung und alt Spaß.

Am 23. Dezember 1893 wurde mit Richard Strauss am Pult Engelbert Humperdincks Oper 'Hänsel und Gretel’ in Weimar uraufgeführt. Dieses Datum sollte richtungsweisenden Charakter haben, denn bis heute steht sie bevorzugt in der Vorweihnachtszeit auf den Spielplänen der Opernhäuser. Nebenbei schuf Humperdinck mit dem Werk auch gleich noch so etwas wie ein neues Genre, das der ‚Kinderoper’.

Erstmals über die Bühne ging die vorliegende Inszenierung aus dem Royal Opera House am 8. Dezember 2008, auf zwei DVDs hat sie nun das Label Opus Arte herausgebracht. Verantwortlich für die Regie zeichnet das Duo Moshe Leiser und Patrice Caurier, deren Konzept eine insgesamt recht konservative Handschrift trägt. Hier wohnen die Kinder tatsächlich in einem Kinderzimmer (wenn auch im anthroposophischen Baustil), ist der Wald noch ein Wald, wird die Hexe wirklich in einem Ofen verbrannt und verspeisen die Darsteller reales Naschwerk. Überhaupt wird auf der Bühne viel gegessen: Zwischendurch laben sich Hänsel und Gretel an echten Beeren; als sie endlich etwas von den Eltern zu essen bekommen, dürfen sie richtige Sandwiches aus großen Geschenkboxen verzehren. Auch am Miniatur-Lebkuchenhaus wird kräftig geknabbert, und die Hexe hat sich nach ihrer Verbrennung in eine lebensgroße Lebkuchenfigur verwandelt, an der sich die große Kinderschar zum Happy-End gütlich tut. Etwas aus dem Rahmen fallen lediglich ein paar kostümspezifische Details: Das Engelsheer trägt Tierköpfe, der Sandmann erscheint als Figur mit grotesk verzerrten Proportionen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Meister Yoda aus Star Wars hat, und die Hexe entspricht mit teils blanker Busenattrappe und einer Gehhilfe auch nicht unbedingt dem Klischee. Ansonsten werden szenische Extravaganzen weitgehend vermieden, und die Botschaft ist simpel und klar verpackt: Hunger ist das zentrale Motiv, abgesehen davon warten Leiser und Caurier nicht wirklich mit ausgefallenen Ideen auf. Es muss ja aber auch keineswegs immer Regietheater um jeden Preis sein. Die Inszenierung beschränkt sich hauptsächlich darauf, in bodenständigen und verständlichen Bildern einfach den Märchenstoff zu erzählen, was im Vergleich zu manch allzu eklatanter Selbstinszenierung von Regisseuren durchaus auch mal wohltuend sein kann. Ohne das freilich zum ausschlaggebenden Kriterium erheben zu wollen, ist die Aufführung somit nebenbei auch für Kinder gut geeignet.

Bei der musikalischen Umsetzung hat man sich für die Frauenstimmen-Variante und damit gegen die gelegentlich anzutreffende – von Humperdinck ohnehin ausdrücklich missbilligte – Tenor/Sopran-Lösung entschieden. Die Titelpartien sind mit Angelika Kirchschlager als Hänsel und Diana Damrau als Gretel wahrlich luxuriös besetzt, und noch dazu begegnen wir hier dem erfreulichen Fall, dass die großen Namen auch tatsächlich halten, was sie versprechen: Gemeinsam geben die beiden nicht nur ein stimmlich brillantes, sondern auch schauspielerisch exzellent aufgelegtes Geschwisterpaar ab. Auch Vater (Thomas Allen) und Mutter (Elizabeth Connell) lösen ihre Aufgaben souverän, und mit Anja Silja als Hexe gibt es dann zusätzlich zu all den Süßigkeiten noch ein extra Stargast-Bonbon. Das schmeckt allerdings weniger lecker, denn zu virbratolastig, überzogen hysterisch und stellenweise sogar brüchig wirkt ihre Stimme. Hingegen führt Altmeister und Lokalmatador Sir Colin Davis das Orchester zu einem ausgewogenen, niemals zu aufdringlichen Klangbild und vermeidet es gekonnt, in die lauernden Kitschfallen zu tappen. Gehaltvolle Features, wie Interviews mit Regieteam und Dirigent, runden die Produktion ab.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:
Features:
Regie:







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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Humperdinck, Engelbert: Hänsel und Gretel

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Opus Arte
2
22.06.2009
Medium:
EAN:

DVD
809478010111


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Opus Arte

Opus Arte ist eines der weltweit führenden DVD-Labels. Spezialisiert auf Oper und Tanz, enthält unser Katalog eine Vielzahl musikalischer Erfahrungen. Angefangen bei der Grand Opera hin zu märchenhaften Balletten, von zeitgenössischem Tanz hin zu Künstlerporträts - und nicht zu vergessen zu einer Party im rückseitigen Garten ihrer Majestät!
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