> > > Jiri Barta spielt: Cellokonzerte von Martinu, Foerster & Novak
Sonntag, 29. Mai 2022

Jiri Barta spielt - Cellokonzerte von Martinu, Foerster & Novak

Tschechische Cellokonzerte


Label/Verlag: Supraphon
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Jiri Barta und die Prager Kammerphilharmonie unter Jakub Hrusa spielen Cellokonzerte von Foerster, Martinu und Novák. Eine Bereicherung für das Repertoire.

Abseits des noch heute ungebrochen populären h-Moll Konzertes op. 104 für Violoncello und Orchester von Antonin Dvorak aus dem Jahr 1895 führen viele andere Vertreter der Gattung Cellokonzert wie so oft ein Schattendasein. Dabei haben besonders tschechische Komponisten, die nach Dvorak komponierten, durchaus ansehnliche Beiträge verfasst, die vom Musikbetrieb bislang aber stiefmütterlich behandelt wurden.

Eine neu bei Supraphon erschienene CD schafft da jetzt Abhilfe. Gleich zwei Ersteinspielungen sind hier zu hören, und zwar handelt es sich um das Cellokonzert op. 143 von Josef Bohuslav Foerster (1859–1951) und das 'Capriccio' für Cello und kleines Orchester von Jan Novák (1921–1984). Als drittes Werk hinzu kommt Bohuslav Martinus (1890–1959) nicht weniger unbekanntes Cellokonzert Nr. 1. Letzteres schrieb der Komponist übrigens gleich zweimal um, auf dieser CD ist es in seiner endgültigen Fassung von 1955 zu hören.

Den Lebensdaten entnimmt man die Zugehörigkeit aller drei Tonsetzer zu drei unterschiedlichen Generationen und damit zu drei verschiedenen musikgeschichtlichen Phasen, was man den Konzerten auch anhört. Novák, der bei Martinu und Aaron Copland studierte, sah sich wegen seiner liberalen Einstellung dazu gezwungen, die Tschechoslowakei Ende der 60er Jahre zu verlassen. In seinem 'Capriccio’ von 1958 fließen die unterschiedlichsten musikalischen Einflüsse seiner Zeit zusammen. Schlagwortartig seien nur Jazz, Dodekaphonie und Neoklassizismus genannt. Das 'Capriccio’ klingt dann auch recht kühn, ist aber nicht minder interessant und originell. Klarinetten und Saxophone bilden zusammen mit permanent verwendetem Schlagzeug, das im zweiten Satz sogar ein kleines Solo hat, die Hauptbegleitung für das überwiegend perkussiv eingesetzte Cello. An der Oberfläche zwischen grotesker Zirkusmusik, Bigband-Swing und eigenwilligen Sphärenklängen changierend, würde man kaum auf die Idee kommen, dass der Musik die Zwölftontechnik als Organisationsprinzip zugrunde liegt. Die Prager Kammerphilharmonie unter ihrem Chefdirigent Jakub Hrusa gestaltet den Verlauf der diffizilen Sätze angenehm klar und vollzieht die plötzlichen musikalischen Umschwünge immer gut mit.

In den Konzerten von Martinu und Foerster wirkt das Orchester allerdings, genauso wie der Solist Jiri Barta, ab und zu etwas unbeteiligt. Besonders im ersten Martinu-Konzert scheint Bartas Celloton, der in den Höhen schön leuchtet, in den Tiefen aber etwas zu sehr knarrt, nicht so ausdrucksstark zu sein, wie es zum Beispiel das hübsche kantable Thema des 'Andante moderato’ verlangt. Insgesamt liegen die Vorzüge seines Spiels vielleicht mehr in Klarheit und Präzision, in seinem die Töne trennscharf teilendem Vortrag, als im Expressiven. Dass dieser Eindruck entsteht, mag aber ebenso an der trockenen Akustik, am doch sehr hallarmen Klangbild der CD liegen, das für die Ausstrahlung emotionaler Intensität hinderlich sein könnte. Da die Interpreten souverän agieren und aufs große Ganze hin gesehen überzeugen können, sind das jedoch keine entscheidenden Argumente gegen die Aufnahme, da auch Foersters einziges Cellokonzert in seiner Eigenart eine reizvolle Bereicherung des Repertoires darstellt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Jiri Barta spielt: Cellokonzerte von Martinu, Foerster & Novak

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Supraphon
1
24.07.2009
Medium:
EAN:

CD
099925398927


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Supraphon

Supraphon Music ist das bedeutendste tschechische Musiklabel und besitzt bereits eine lange Geschichte. Der Name "Supraphon" (der ursprünglich ein elektrisches Grammophon bezeichnete, das zu seiner Zeit als Wunderwerk der Technik galt) wurde erstmals 1932 als Warenzeichen registriert. In den Nachkriegsjahren erschien bei diesem Label ein Großteil der für den Export bestimmten Aufnahmen, und Supraphon machte sich in den dreißiger und vierziger Jahren besonders um die Verbreitung von Schallplatten mit tschechischer klassischer Musik verdient. Die künstlerische Leitung des Labels baute allmählich einen umfangreichen Titelkatalog auf, der das Werk von BedYich Smetana, Antonín Dvorák und Leos Janácek in breiter Dimension erfasst, aber auch andere große Meister der tschechischen und der internationalen Musikszene nicht vernachlässigt. An der Entstehung dieses bemerkenswerten Katalogs, auf den Supraphon heute stolz zurückblickt, waren bedeutende in- und ausländische Solisten, Kammermusikensembles, Orchester und Dirigenten beteiligt.


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