> > > Martinu, Bohuslav: Cellokonzerte Nr. 1 & 2
Montag, 24. Januar 2022

Martinu, Bohuslav - Cellokonzerte Nr. 1 & 2

Zwei Konzerte und ein Geniestreich


Label/Verlag: Chandos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wiederaufgelegt im Gedenkjahr: Raphael Wallfisch brilliert mit Cellokonzerten von Bohuslav Martinů.

Drei große Jubiläen feiert die Musikwelt 2009: Georg Friedrich Händel starb vor 250 Jahren, Felix Mendelssohn Bartholdy erblickte vor zwei Jahrhunderten das Licht der Welt, und in eben diesem Jahr 1809 starb Joseph Haydn. Konzerte und CDs mit Werken der gefeierten Tondichter gibt es zur Genüge, auch manches zuvor unbekannte Stück wird dem Vergessen entrissen. Ein weiteres Gedenk-Jubiläum – Bohuslav Martinůs 50. Todestag – bringt es nicht zu so hoher Popularität, obwohl die Anzahl der CD-Veröffentlichungen ebenfalls beachtlich ist. Neben zahlreichen Neueinspielungen finden sich auch Wiederauflagen, darunter diese Silberscheibe mit den beiden Konzerten und dem 'Concertino’ für Violoncello. Folgen die zwei 'großen' Konzerte dem traditionellen dreisätzigen Schema, so sticht das 'Concertino’ durch seine besondere Instrumentation hervor: Martinů stellte dem Solisten hier ein Ensemble aus Holzbläsern, einer Posaune, Schlagwerk und einem Klavier gegenüber. Die 1992 erstmals erschienene CD wurde von Chandos nun neu (und günstiger) veröffentlicht. Protagonist ist Raphael Wallfisch, Spezialist für selten gespieltes Cello-Repertoire und Widmungsträger einer beachtlichen Reihe von zeitgenössischen Konzerten. Ihm zur Seite steht die von Jiří Bělohlávek geleitete tschechische Philharmonie.

Das erste Konzert (Halbreich-Verzeichnis, abgekürzt H Nr. 196) war ein Schmerzenskind des Komponisten. Zweimal, 1939 und 1955, überarbeitete Martinů das 1930 entstandene Werk. Berühmte Cellisten wie Gaspar Cassado und Pierre Fournier spielten es einst, heute ist es jedoch eher selten zu hören. Die Rollenverteilung zwischen Solist und Orchester fällt deutlich zu Gunsten des Ersteren aus – eine Steilvorlage, die Wallfisch dankbar annimmt. Mit traumwandlerischer Sicherheit und enormer Gestaltungskraft gewinnt er seinem Instrument vielfältige Farben ab, vom zarten Flüstern über elegisches Schwelgen (vor allem im Mittelsatz) bis hin zu virtuoser Verspieltheit im Finale.

Die tschechischen Musiker agieren ebenfalls souverän, besonders gelungen sind die Dialoge einzelner Instrumente mit dem Solisten. Klanglich wurde die Aufnahme behutsam ausbalanciert, so dass Wallfisch leicht im Vordergrund steht, wie es für ein Solokonzert angemessen ist. Im Vergleich zum Schwesterwerk profitiert das erste Konzert zudem von seiner Kompaktheit, denn Nr. 2 (H 304) ist Martinů mit gut 36 Minuten recht lange geraten. Im Übrigen gelten aber die genannten Vorzüge: Der Cellist ist dem anspruchsvollen Part stets gewachsen, bekommt von Bělohlávek alle nur denkbare Unterstützung und verhilft den beiden vernachlässigten Konzerten so zu ihrem Recht im Repertoire. Obwohl das erste Konzert das beliebtere Werk ist, sollte man das spätere Werk nicht unterschätzen. Von der erwähnten Länge abgesehen, ist es ein ebenbürtiges und insbesondere dem Orchester etwas mehr Spielraum zugestehendes Konzert.

Heimlicher Höhepunkt der CD ist jedoch das 'Concertino’ (H 143), dessen raffinierte Instrumentation, klangliche Schärfe und meisterliche Konzentration es über die beiden Konzerte stellen. In 14 Minuten ist hier alles Wesentliche gesagt. Wallfisch blüht regelrecht auf und ruft seine cellistischen Fähigkeiten virtuos ab. Das kammermusikalisch besetzte Orchester gewährleistet eine hervorragende klangliche Transparenz. Besonders gut gelang Martinů die Integration des Klaviers. Dass die Cellisten diesen Geniestreich links liegen lassen, ist vollkommen unverständlich. Insofern: Ein Hoch auf Raphael Wallfisch! Für seinen Einsatz für diese wunderbare, abwechslungsreiche Musik, die er zudem hervorragend interpretiert. Nicht nur Cello-Freunden sei diese Wiederveröffentlichung wärmstens ans Herz gelegt.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Martinu, Bohuslav: Cellokonzerte Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Chandos
1
24.07.2009
Medium:
EAN:

CD
095115154724


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Chandos

Chandos Records was founded in 1979 by Brian Couzens and quickly established itself as one of the world's leading classical labels. Prior to forming the label, Brian Couzens, along with his son Ralph, worked for 8 years running a mobile recording unit recording for major labels (including RCA, Polydor, CFP, etc.) with many of the world's leading artists.
The company has championed rare and neglected repertoire, filling in many gaps in the record catalogues. Initially focussing on British composers (Alwyn, Bax, Bliss, Dyso, Moeran, Rubbra, Walton etc), it subsequently embraced a much wider field. Chandos' diverse catalogue contains over 2000 titles, from early music to contemporary, with composers from around the world. The company's aim is to present an exciting and varied selection of superbly recorded music to as many people as possible.
The following artists are strongly associated with, or exclusive to, the label: Richard Hickox, Matthias Bamert, I Fagiolini, Neeme Järvi, Louis Lortie, Jean-Efflam Bavouzet, Rumon Gamba, James Ehnes, Sir Charles Mackerras, David Parry, Valeri Polyansky, The Purcell Quartet, Gennady Rozhdestvensky, Howard Shelley, Simon Standage, Yan Pascal Tortelier, Vernon Handley, the BBC Philharmonic, BBC National Orchestra of Wales, the City of London Sinfonia and Collegium Muscium 90.
Chandos is universally acclaimed for the excellence of its sound quality and has always been at the forefront of technical innovation. In 1978, Chandos was one of the first to record in 16bit/44.1kHz PCM digital, as well as being one of the first to edit a digital recording completely in the digital domain (Holst: the Planet ? SNO/Gibson). In 1983, Chandos was one of the first to produce and release Compact Discs into the marketplace ? a revolution in the recorded music industry.
Today, Chandos has kept up with technology by recording mostly in 24bit/96kHz PCM but now also in DSD for producing ?surround sound? SACDs. Chandos releases at least five new recordings a month, together with imaginative re-issues of back-catlogue material.
The company has received countless awards, including several Gramophone Awards, notably the 2001 ?Record of the Year? for Richard Hickox?s recording of the original version of Vaughan Williams? A London Symphony; ?Best Choral Recording of 2003? for its recording of an undiscovered mass by Hummel and the ?Best Orchestral Recording? of 2004 for its set of Bax Symphonies. Other highlights include the American Grammy for Britten?s opera Peter Grimes, and most recently (2008), two further Grammy Awards, one for Hansel and Gretel and the other for Grechaninov?s Passion Week. Jean-Efflam Bavouzet?s debut on Chandos was also awarded Record of the Year by Monde de la Musique this year.
Chandos remains an independent, family run company which produces and markets its recordings from its office in Colchester, England, and is distributed worldwide.


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