> > > Fauré, Gabriel: Klavierquintette Nr. 1 & 2
Mittwoch, 23. September 2020

Fauré, Gabriel - Klavierquintette Nr. 1 & 2

Zu viel Parfüm


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Gabriel Faurés Klavierquintette op. 89 und op. 115 wirken in dieser Aufnahme unbefriedigend - ein wenig zu stark parfümiert.

Sie kennen wahrscheinlich das Phänomen: Man sitzt morgens in Bus oder Straßenbahn und plötzlich setzt sich jemand gegenüber, der zu viel Rasierwasser oder Parfüm aufgetragen hat, so dass seine Anwesenheit aufdringlich wird. Genauso geht es mir mit dieser Aufnahme der Klavierquintette von Gabriel Fauré: Die vier Herren des Fine Arts Quartet, denen etwas vorsichtiger die Pianistin Cristina Ortiz gegenüber steht, benutzen eine Unmenge von Parfüm, um der Musik zu ihrem Ausdruck zu verhelfen. Dabei überhören sie, dass durch ihren manchmal aufgrund übermäßiger Expressivität schon undifferenzierten Vortrag viel von der Wirkung verloren geht. Vom Zauber der Musik, von der Möglichkeit, feine Stimmungen zu zeichnen, ist auf dieser Naxos-Produktion trotz einer grundsätzlich recht soliden Wiedergabe nicht viel zu bemerken.

Bereits die Anfänge beider Werke sind problematisch: Der Einsatz der Violine im Klavierquintett d-Moll op. 89 über der perlenden Schicht des Klaviers wirkt zu beiläufig und trägt dem Bedürfnis des Kopfsatzes nach genauer musikalischer Ausgestaltung nur unzureichend Rechnung, und im Kopfsatz des Quintetts c-Moll op. 115 wirkt die Viola über den Klavierakkorden kurzatmig und unfähig, die einmal begonnene Phrase korrekt zu Ende zu führen. Weitaus deutlicher werden solche Defizite dort, wo die Streicher in ihrer Gesamtheit aufdringlich erscheinen, wo sie – wieder im Kopfsatz von op. 89 – das Forte mit teils unnötiger Akzentuierung unterstreichen und das Klavier klanglich zum Anhängsel degradieren, das nur dann zur Geltung kommt, wenn das Quartett kurzzeitig schweigt. Hieran lässt sich auch erfahren, dass die Interpreten keine besonders glückliche Hand dabei haben, die Übergänge zwischen den quasi orchestralen Texturen und den eher kammermusikalischen, zarten Passagen deutlich zu machen.

Die ruhigeren Sätze geraten im Allgemeinen glücklicher und nuancierter als die Rahmenteile, doch tritt in ihnen gleichfalls das eben bezeichnete Manko auf: Im 'Adagio’ aus op. 89 und im 'Andante moderato’ aus op. 115 erscheint die Gestaltung der Übergänge unzureichend. Decrescendi und damit verbundene Klangwechsel bleiben meist marginal, die Umschwünge wirken beiläufig, wie auch die Pausen häufig nichts anderes als Wartepunkte sind, über die man halt hinweg muss, ohne ihren jeweils unterschiedlich zu gewichtenden musikalischen Wert auszukosten. Glücklicherweise agiert die Pianistin bei alldem überzeugender, obgleich ihr schöner Vortrag gegenüber den Streichern häufig ein wenig zu stark ins Abseits gerät, wenn sich die Quartettmitglieder bei der Darstellung von Vorder- und Hintergrund verzetteln, weil sie zu sehr mit dem Parfümieren ihrer Parts befasst sind.

Zwar gibt es auch eine Reihe schöne Momente zu entdecken, etwa im scherzoartigen Allegro vivo und in den atmosphärischen Passagen aus dem dritten Satz von op. 115 oder im Finale aus op. 89 mit seiner Entgegensetzung von trockenem Klavierklang und Streicherpizzicato. Trotzdem überwiegen – gerade nach mehrmaligem Hören – die kritischen Einwände, unterstrichen auch durch eine nicht immer ideale Intonation der Quartettmitglieder. Vielleicht am deutlichsten werden die Probleme dort, wo das Fine Arts Quartet ohne Pianistin agiert: Der den Streichern vorbehaltene Beginn des 'Andante moderato'-Satzes aus dem c-Moll-Quintett offenbart wenig Homogenität, zeugt von nur mittelmäßiger Klangkultur und ist im Hinblick auf die gegenseitige Ablösung der Instrumentalstimmen sogar unschön und löchrig. Wie man es also dreht und wendet: Die Aufnahme bleibt durchwachsen und dürfte es schwer haben, sich mit Konkurrenzeinspielungen zu messen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Fauré, Gabriel: Klavierquintette Nr. 1 & 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
01.06.2009
Medium:
EAN:

CD
747313093878


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Naxos

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