> > > Theodor Leschetizky spielt: Klavierwerke von Mozart, Heller, Chopin & Leschetizky
Donnerstag, 21. März 2019

Theodor Leschetizky spielt - Klavierwerke von Mozart, Heller, Chopin & Leschetizky

Spannende Zeitreise


Label/Verlag: Tacet
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Die Welte Migon Aufnahme von Theodor Leschetizky ermöglicht dem Hörer eine Zeitreise in eine andere, faszinierende Welt des Klaviers.

Bei der 13. Folge ist die Reihe ‚The Welte Migon Mistery’ beim Stuttgarter Label Tacet nun bereits angelangt. Nach einigen Aufnahmen bekannter Komponisten, die eigene Werke und die anderer Kollegen spielen, widmet sich die neueste Einspielung wieder einem Pianisten. Zumindest einem, der hauptsächlich als Pianist und einflussreicher Pädagoge in die Geschichte einging, auch wenn er selbst als Komponist von Klaviermusik in Erscheinung getreten ist: Theodor Leschetizky. Die 1906 in Leipzig aufgezeichneten Welte Migon Aufnahmen sind wohl die einzigen Tondokumente des 1830 geborenen Leschetizky, eine Rarität also, die uns einen Blick in längst vergangene Klavierwelten ermöglicht.

In der Tat kann man den sich des Eindrucks nicht erwehren, wie mit einem Teleskop eine ferne Welt ganz nah heranzuzoomen. Wobei die scheinbare Nähe durch die makellose Tontechnik entsteht, die das Welte Migon Verfahren gestattet. Die alten Rollen werden wie von Zauberhand auf einem modernen Steinway abgespielt. Wobei die Beschreibung freilich etwas zu mystisch ausfällt: Die Zauberhände sind jene von Hans-W. Schmitz, der die Klavierrollen minutiös justiert hat, um für ein optimales Klangergebnis zu sorgen. Und wie gewohnt lässt der Klangeindruck dieser Tacet-Einspielung nichts zu wünschen übrig. Der Flügel wurde sehr homogen eingefangen, der Hörer rückt dem Instrument glücklicherweise nicht zu nah auf den Pelz und bleibt doch dicht am Klanggeschehen.

Aufgenommen hat Theodor Leschetizky (fast zwei Jahrzehnte nach seinem Abschied von der Bühne) ein recht buntes Programm mit Mozart, Chopin, Heller und sieben kleineren eigenen Stücken. Er erweist sich dabei nicht nur als effektvoll agierender Virtuose, sondern als ein aus ganz speziellem Holz geschnitzter Gestalter – zumindest wenn man ihn an dem misst, was uns von Pianisten der Gegenwart entgegenschallt (und dieser Vergleich stellt sich immer wieder ein, vor allem, weil eben die Klangtechnik diese Aufnahme als eine ‚moderne‘ ausweist, und man geflissentlich vergisst, wie alt sie eigentlich ist).

Leschetizky geht auf der 1906 aufgezeichneten Rolle Mozarts c-Moll-Fantasie KV 475 betont getragen an. Doch wie er trotz der effektsicheren Pausen und raumgreifenden Klangentfaltungen stets innerhalb der Sinnabschnitte für ein drängendes Vorangehen sorgt, ist umwerfend. Wenn ein Motiv wiederholt wird, klingt es beim zweiten Mal immer ein wenig anders, wenn Phrasenabläufe parallel gestaltet sind, weiß Leschetizky stets durch dynamische Differenzierung, Artikulation und Pedaleinsatz Unterschiede so dramaturgisch einzubinden, dass etwa vor dem Eintritt eines neuen Abschnitts der Klangraum durch viel Pedal geöffnet wird. Was aber Mozarts Fantasie ebenso wie Chopins Nocturne op. 27 Nr. 2 Des-Dur und seine Polonaise op. 71 Nr. 2 B-Dur so beweglich wie bewegend wirken lässt, sind die agogischen Differenzierungen. Im Gegensatz zu den heutigen Rubato-Techniken verlangsamt Leschetizky nicht den Bewegungsgrad für ganze Passagen, sondern hält jeden einzelnen Taktschlag offen für minimale Dehnungen bzw. Stauchungen. Zusammen mit dem Arpeggieren der Akkorde (und nicht nur ihrer, sondern vieler Parallelgänge) und vor allem der zuweilen fast unabhängigen Behandlung der Hände gelingt Leschetizky damit eine Interpretation, die aus jedem Motiv, jeder Phrase eine expressive Gestalt werden lässt.

Freilich ist dies meilenweit entfernt vom heutigen Dogma der Texttreue, doch dass er sich treu gegenüber dem Werk verhalte, hätte Leschetizky wohl gern unterschrieben. Nur zeigt sich hier eben eine andere Art von Werktreue, eine, die den Stimmungen und Charakteren der Musik nachspürt und treu wiederzugeben versucht. Da kann es dann auch schon mal sein, dass ein (im Notenbild) rhythmisch gleichförmiges Muster (etwa in der Mozart-Fantasie) je nach Grad der harmonischen Spannung und darüber liegender Melodie höchst ungleichmäßig daherkommt.

Pianistische Brillanz blitzt vor allem in den beiden heute völlig aus dem Repertoire gefallenen Préludes von Stephen Heller sowie seinen eigenen (meist, bis auf das längere 'Souvenirs d’Italie' op. 39 Nr. 1, zwischen zwei und vier Minuten dauernden) Klavierstücken. Vor allem zeigt sich hier jene Manier von Pianisten der alten Schule, dann noch das Tempo anzuziehen, wenn das Notenbild ohnehin schon immer schwärzer wird. Hier zeigt sich, dass Theodor Leschetizky 1906 noch in hohem (vielleicht nicht im Voll-) Besitz seiner pianistischen Gestaltungskraft war. Das einzige, was seine interpretatorische Feinmechanik zuweilen unzulänglich wirken lässt, geht auf die Kappe der Welte Migon Technik: die dynamische Differenzierung. Dass mancher Akkord so harsch hereinbricht, hat seinen Grund vermutlich (auch) darin, dass die Dynamik nur die Bereiche linke Hand–rechte Hand abzubilden vermag, nicht die dynamische Justierung einzelner Akkordtöne. Abgesehen von diesem winzigen Wermutstropfen ist diese Aufnahme ein hoch interessantes, faszinierendes Dokument. Und gleichzeitig ein künstlerischer Stachel, mit dem man manch notengetreuen Zeitgenossen durchaus mal piksen dürfte.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:






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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Theodor Leschetizky spielt: Klavierwerke von Mozart, Heller, Chopin & Leschetizky

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Tacet
1
15.06.2009
EAN:

4009850017707


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Tacet

Das Wort TACET kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "er/sie/es schweigt". Es steht in den Noten, wenn ein Musiker für ein ganzes Stück nichts zu spielen hat. In einem solchen Fall steht in den Noten "TACET". Ein paradoxer Name für eine Plattenfirma?

Der Produzent des Labels, Andreas Spreer, liebt das Paradox. Im April 1989 gründete der Diplom-Tonmeister die Musikfirma TACET in Stuttgart/Germany. Seither produziert TACET Musik für höchste Ansprüche auf den verschiedensten Tonträgern (CD, LP, SACD, DVD-Audio, Blu-ray). Von Beginn an erhielten die Aufnahmen herausragende Rezensionen und höchste Auszeichnungen (u. a. mehrere Jahrespreise der deutschen Schallplattenkritik, Cannes Classical Award, Echo, Diapason d'or, Grammy-Nominierung und viele mehr; stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten), aber was noch wichtiger ist, sie erfreuen sich größter Beliebtheit beim Publikum. Dabei ist noch kein Ende abzusehen: Die Zahl der TACET-Fans wächst immer weiter. Woher kommt dieser langandauernde große Erfolg?

Vielleicht liegt es daran: TACET arbeitet konsequent an der Synthese von zwei Ebenen, die häufig als sehr unterschiedlich oder sogar gegensätzlich angesehen werden: dem musikalischen Gehalt und der aufnahmetechnischen Qualität.

Als Begriff, der sowohl die musikalischen als auch die aufnahmetechnischen Vorzüge der TACET-Aufnahmen umfasst, bietet sich das Wort "Klang" an. Klang entsteht in einem Instrument, der Musiker bringt ihn daraus hervor, doch ob gewollt oder nicht - die nachfolgenden Apparaturen und Personen beeinflussen den Klang auch. Wenn alle Beteiligten, Musiker, Instrumente, Raum, Aufnahmegeräte und "Tonbearbeiter" gut zusammenpassen bzw. zusammenarbeiten, wächst in der Mitte zwischen ihnen wie von selbst etwas Neues empor, das dem Wesen einer Kompositon sehr nahe kommt. Davon handelt unser Slogan "Der TACET-Klang - sinnlich und subtil".

"This is one of the best sounding records you'll ever hear" schrieb das US-Magazin "Fanfare" über die TACET-LP L207 "oreloB". György Ligeti äußerte über die Kunst der Fuge "... doch wenn ich nur ein Werk auf die "einsame Insel" mitnehmen darf, so wähle ich Koroliovs Bach, denn diese Platte würde ich, einsam verhungernd und verdurstend, doch bis zum letzten Atemzug immer wieder hören.". "Entscheidend aber ist die Gemeinsamkeit des Geistes. Die Auryn-Leute beseelt die gleiche Kunstgesinnung..." (Rheinische Post). Stöbern Sie ein wenig in den Kritiken auf den Produktseiten oder noch besser hören Sie sich TACET-Aufnahmen an und überprüfen, was die Kritiker schreiben.

Bei uns darf Musik all das anrühren und ausdrücken, was das Leben ausmacht. Sie erlaubt dem Hörer Gefühle zu empfinden, ohne sentimental zu werden. Sie kann witzig sein und zum Lachen bringen. Sie kann auf ehrliche Weise "romantisch" sein, ohne den Hörer in einen Kaufhausmief von Wohlfühlklängen zu versenken. Sie darf in unendlichen Variationen geistreich sein. Sie darf zum Denken und zum Erkennen anregen, ohne musikalische Vorbildung zu erfordern. Sie darf effektvoll sein und um die Ohren fliegen, wenn es dem Wesen der Werke entspricht. Sie kann Revolutionen im Kopf auslösen, ohne ein einziges Wort. Sie kann widersprechen und korrigieren. Musik kann Verzweiflung wecken, aber auch trösten. Und und und. Die vollständige Liste wäre endlos.

Der TACET-Inhaber und -Gründer Andreas Spreer erhielt u. a. die Ehrenurkunde des Preises der deutschen Schallplattenkritik.


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