> > > Schostakowitsch, Dimitri: Die Nase
Freitag, 21. Januar 2022

Schostakowitsch, Dimitri - Die Nase

Eine tolle Nase


Label/Verlag: Mariinsky
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Ensemble, Chor und Orchester des Mariinsky Theaters unter Valerie Gergiew beweisen mit Schostakowitschs erster Oper, dass sie ihren hohen Ruf verdient haben.

Eines Morgens in St. Petersburg erwacht der Kollegienassessor Kowalew und muss feststellen, dass da, wo sonst seine Nase ist, sich nur eine glatte Fläche befindet. Entsetzt eilt er los, um diesen Vorfall dem Polizeipräfekten zu melden, doch zufällig trifft er unterwegs auf seine in eine goldbestickte Uniform gekleidete Nase, die nun anscheinend den Rang eines Staatsrates innehat. Kowalew folgt der Nase in eine Kirche, um sie zur Rückkehr zu überreden, doch diese besteht auf ihrer Unabhängigkeit und betet andächtig weiter. Verzweifelt begibt er sich daraufhin in eine Zeitungsredaktion und will eine Vermisstenanzeige aufgeben, wird aber abgewiesen. Später zurück in seiner Wohnung jedoch erscheint ein Polizist, der Kowalew die verlorene Nase aushändigt: sie sei in dem Augenblick, als sie eine Postkutsche nach Riga besteigen wollte, festgenommen worden, weil sie einen gefälschten Pass besessen habe. Die Freude ist allerdings nur von kurzer Dauer, denn die Nase will und will nicht zurück an ihren alten Platz. Schon verbreiten sich in der ganzen Stadt Gerüchte von einer herumspazierenden Nase, doch da tritt Kowalew auf – alles ist wieder beim Alten, als ob sich sein Geruchsorgan nie verselbstständigt hätte.

Soweit kurz zur Handlung von Nikolai Gogols (1809-1852) vieldeutbarer Novelle 'Die Nase’, die Dimitri Schostakowitsch (1906-1975) als Vorlage für seine erste, 1928 entstandene gleichnamige Oper diente. Zu diesem Zeitpunkt war der Komponist erst 22 Jahre alt, gerade alt genug für ein so unverschämtes, dissonanzenschönes Meisterstück wie 'Die Nase’. Hört man sich den rund 110 Minuten dauernden Dreiakter auf der jüngst erschienenen SACD-Einspielung des Mariinsky Theaters an, Ensemble, Chor und Orchester stehen unter der Leitung Valerie Gergiews, so kann man kaum glauben, dass dieses hoch spannende Werk mehr als 25 Jahre lang keine Neuaufnahme erlebt hat. Schostakowitschs durchkomponierter, noch heute innovativ wirkender, ständig vorwärts drängender Opernerstling strotzt nur so vor klanglicher Buntheit und wilden Einfällen. Zu den ungewöhnlichsten Passagen gehören wohl das rein perkussive Intermezzo zwischen der zweiten und dritten Szene sowie die gesamte siebte, von Schostakowitsch selbst in die Handlung eingefügte Szene vor der Poststation, in der es am Schluss zu einem Tumult kommt, als die Nase von der Menge gejagt wird. Alleine für das Personal werden 78 Mitwirkende benötigt, die Orchesterbesetzung besteht hingegen aus 30 Instrumenten, Domra, Balalaika und Flexaton inklusive.

Dass sich Gergiew und das traditionsreiche Mariinsky Theater aus St. Petersburg dem Werk angenommen haben, gibt aus unterschiedlichen Gründen Anlass zur Freude. Zum einen stehen sowohl der Text als auch der dort herstammende Schostakowitsch in enger Verbindung zu der nordischen Metropole. Zum anderen kann man sich, wenn man hört, mit welcher Souveränität und Klasse sämtliche Beteiligten agieren, im Grunde nur wenige geeignetere Interpreten vorstellen, egal ob sich dabei um Vladislav Sulinski (Kowalew), Alexei Tanovitski (Kowalews Diener Ivan) oder Elena Vitman (Alexandra Podtotschina) handelt. Deutliche Artikulation, vollendetes Zusammenspiel oder die kontrollierte Expressivität im Orchester und Ensemble sind nur einige Vorzüge dieser Aufnahme. Und dass Gergiew, der ja seit längerem zugleich die Funktion des künstlerischen Leiter und Direktors des Theaters ausübt, ein sehr guter Operndirigent ist, braucht eigentlich nicht hervorgehoben zu werden. Umso mehr Erwähnung verdient dagegen die wunderbar klare Akustik der 2006 eröffneten Mariinsky concert hall.

Ein weiteres Argument für diese Einspielung von 'Die Nase’ bildet das Booklet, das umfangreiche Informationen in deutscher Sprache zum Werk und zu den Interpreten enthält sowie das Libretto, letzteres jedoch nur auf Kyrillisch und Englisch.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





Dieser Beitrag hat Ihnen gefallen? Empfehlen Sie ihn weiter!

Ihre Meinung? Kommentieren Sie diesen Artikel

Jetzt einloggen, um zu kommentieren.
Sind Sie bei klassik.com noch nicht als Nutzer angemeldet, können Sie sich hier registrieren.



Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



Cover vergrößern

    Schostakowitsch, Dimitri: Die Nase

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Mariinsky
2
01.06.2009
Medium:
EAN:

SACD
822231850120


Cover vergössern

Mariinsky

Das Mariinsky-Theater gehört zu den renommiertesten Opernhäusern der Welt. Zu Sowjetzeiten in Kirow Theater unbenannt, trägt es seit 1992 wieder seinen ursprünglichen Namen. Seit 1996 ist Valery Gergiev dem Haus als künstlerischer Leiter und Intendant verbunden. Auf dem hauseigenen Label werden die herausragende künstlerische Leistung dieses traditionsreichen Hauses dokumentiert. Das Repertoire umfasst neben Oper auch das große symphonische und konzertante Repertoire des 19. und 20. Jahrhunderts.


Mehr Info...


Cover vergössern
Jetzt kaufen bei...

Titel bei JPC kaufen


Weitere Besprechungen zum Label/Verlag Mariinsky:

  • Zur Kritik... Märchenstunde am Mariinsky: Hier kann man hören und sehen: Prokofjew und Ballett istnicht nur 'Romeo und Julia'. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Glücksfall: Diese Aufnahme der Sechsten Symphonie gehört zum Besten, was derzeit an symphonischem Tschaikowsky zu bekommen ist. Weiter...
    (Thomas Gehrig, )
  • Zur Kritik... Puppen- und Kartenspiele: Referenzstatus im Mehrkanalbereich: Dieser 'Petruschka' mit Gergiew und dem Mariinsky-Orchester dürfte höchsten Ansprüchen genügen. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Mariinsky...

Weitere CD-Besprechungen von Dr. Aron Sayed:

  • Zur Kritik... Sanfter Ausklang: Alles kein Drama: Iván Fischer dirigiert die Dritte von Brahms. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... O Leide, weh, o Leide!: Eine vorbildliche Interpretation, die durch das Klangbild getrübt wird: Gielen dirigiert Mahlers 'Das klagende Lied'. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
  • Zur Kritik... Am blauen Himmelssee: Viel Klasse, viel Atmosphäre, doch zu wenig Biss. Iván Fischers Mahler-Linie setzt sich auch in 'Das Lied von der Erde' fort. Weiter...
    (Dr. Aron Sayed, )
blättern

Alle Kritiken von Dr. Aron Sayed...

Weitere Kritiken interessanter Labels:

blättern

Alle CD-Kritiken...

Magazine zum Downloaden

NOTE 1 - Mitteilungen (1/2022) herunterladen (3500 KByte) Class aktuell (3/2021) herunterladen (2500 KByte)

Anzeige

Empfehlungen der Redaktion

Die Empfehlungen der klassik.com Redaktion...

Diese Einspielungen sollten in keiner Plattensammlung fehlen

weiter...


Portrait

"Wir gehen auf eine Reise mit dem Publikum, eine Reise in ein phantastisches Land"
Das Klavierduo Silver-Garburg über Leben und Konzertieren im Hier und Heute und eine neue CD mit Werken von Johannes Brahms

weiter...
Alle Interviews...


Sponsored Links

Hinweis:

Mit Namen oder Initialen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers, nicht aber unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

Die Bewertung der klassik.com-Autoren:

Überragend
Sehr gut
Gut
Durchschnittlich
Unterdurchschnittlich