> > > Herzogenberg, Heinrich von: Klavierquintett C-Dur op. 17
Mittwoch, 23. Mai 2018

Herzogenberg, Heinrich von - Klavierquintett C-Dur op. 17

Brahms-Freund auf hohem Niveau


Label/Verlag: cpo
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Minguet Quartett verleiht der Kammermusik von Heinrich von Herzogenberg viel klangliche Raffinesse, zweilen vielleicht etwas zu viel.

Als ich 2006 Heinrich von Herzogenbergs Klavierquintett C-Dur op. 17 kennen lernte, war mir sogleich bewusst, dass es sich um eine durchaus eigenständige spätromantische Stimme handelte. Keineswegs war Herzogenberg, wie sich so lange das Vorurteil gehalten hat, bloß ein Echo Johannes Brahms’, auch wenn das 1876 gedruckte Quintett schon vom Werkanfang her ganz eindeutig trotz teilweise ganz eigener Lösungen auf Brahms’ 1863 komponiertes f-Moll-Quintett op. 34 Bezug nimmt. Doch ist das Quintett auch eine kraftvolle Komposition für sich selbst, ebenso wie das Streichquartett f-Moll op. 63 aus dem Jahre 1889. Ganz ohne Frage ist bei Herzogenberg noch eine ganze Menge ausgezeichneter Musik zu entdecken, die uns immer deutlicher machen wird, dass wir es mit keinem „Kleinmeister“ zu tun haben. Dem Label cpo gebührt für seinen Unternehmergeist großer Dank!

Das Streichquartett scheint eine Ersteinspielung zu sein – ihm werden die weiteren vier Streichquartette mit Opuszahl folgen. Ein mehr als verdienstvolles Unternehmen, gleich begonnen mit einem reifen, dreisätzigen Werk, dessen Qualität sich bereits in der eröffnenden langsamen Einleitung erweist. Das Minguet Quartett erfüllt das Werk mit expressiver Kraft, das Zusammenspiel ist exemplarisch, lebendig, lyrisch, bei Bedarf auch zupackend. Das schlicht beginnende 'Andante’ entwickelt sich unter den Händen der Minguets zu einem komplexen Satz voller struktureller Querverbindungen. Dem Rezensenten fehlt es hier ein wenig an Schlichtheit, doch sind derartige Einwände fast nur mehr beckmesserisch bei einer derart raffinierten Interpretation. Das feurige Sonatenrondo schließt ein Werk, das eindeutig zurück in den Konzertsaal gehört.

Von Herzogenbergs Klavierquintett liegt dem Rezensenten eine Konkurrenzeinspielung mit dem Pihtipudas Pianoquintet vor (EDA), das im Streicherklang nicht so „rund“ sein mag, nicht so gut verschmelzend wie die Minguets, dadurch aber dem Werk eine Herbheit verleiht, die die brillante und elegante Einspielung des Minguet Quartetts so nicht aufweist. Die Minguet-Einspielung mit Oliver Triendl am Klavier ist, so könnte man vielleicht sagen, fast zu schön, um wahr zu sein – herrliche Musik wird herrlich dargeboten. Die modulierende Durchführung des Kopfsatzes hat wunderbare Leichtigkeit, doch der typische Minguet-Klang erreicht nicht ganz die Tiefendurchdringung, die der Rezensent in der Konkurrenzeinspielung schätzen gelernt hat. Auch im 'Adagio’ und im 'Scherzo’ sprühen die Minguets fast zu viel Funken, und um das Ganze lebendiger zu gestalten, werden gelegentlich Portamenti bemüht, auf die die Konkurrenzeinspielung fast komplett verzichtet. Die kanonisch beginnende Steigerung zur Überleitung der Reprise des ersten Satzes bringen die Minguets zwar mit deutlich eleganterer Klangverschmelzung, doch ist es gerade die Selbstständigkeit der Stimmen bei dem Pihtipudas Pianoquintet, die eine zusätzliche Dimension bietet – und dies im ganzen Werk. Sicher ist eine Entscheidung für und wider die eine oder andere Einspielung Geschmackssache, denn ganz ohne Frage spielen das Minguet Quartett mit ihrem Pianisten auf hohem, vielleicht sogar höchstem Niveau. Dazu das Streichquartett – ein ganz eindeutiger Kaufgrund! Tadellos wie fast immer bei cpo Tontechnik und Booklet.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Herzogenberg, Heinrich von: Klavierquintett C-Dur op. 17

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
cpo
1
20.05.2009
EAN:

761203708222


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cpo

Wohl kaum ein zweites Label hat in letzter Zeit soviel internationale Aufmerksamkeit erregt wie cpo. Die Fachwelt rühmt einhellig eine überzeugende Repertoirekonzeption, die auf hohem künstlerischen Niveau verwirklicht wird und in den Booklets eine geradezu beispielhafte Dokumentation erfährt. Der Höhepunkt dieser allgemeinen Anerkennung war sicherlich die Verleihung des "Cannes Classical Award" für das beste Label (weltweit!) auf der MIDEM im Januar 1995 und gerade wurde cpo der niedersächsische Musikpreis 2003 in "Würdigung der schöpferischen Leistungen" zuerkannt.
Besonders stolz macht uns dabei, daß cpo - 1986 gegründet - in Rekordzeit in die Spitze vorgestoßen ist. Das Geheimnis dieses Erfolges ist einfach erklärt, wenn auch schwierig umzusetzen: cpo sucht niemals den Kampf mit den Branchenriesen, sondern füllt mit Geschick die Nischen, die von den Großen nicht besetzt werden, weil sie dort keine Geschäfte wittern. Und aus mancher Nische wurde nach einhelliger Ansicht der Fachwelt mittlerweile ein wahres Schmuckkästchen.
Am Anfang einer Repertoire-Entscheidung steht bei uns noch ganz altmodisch das Partituren-lesen, denn nicht alles, was noch unentdeckt ist, muß auch auf die Silberscheibe gebannt werden. Andererseits gibt es - von der Renaissance bis zur Moderne - noch sehr viele wahre musikalische Schätze zu heben, die oft näher liegen, als man meint. Unsere großen Werk-Editionen von Pfitzner, Korngold, Hindemith oder Pettersson sind nicht umsonst gerühmt worden. In diesem Sinne werden wir fortfahren.
Letztendlich ist unser künstlerisches Credo ganz einfach: Wir machen die CDs, die wir schon immer selbst haben wollten. Seien Sie herzlich zu dieser abenteuerlichen Entdeckungsfahrt eingeladen!


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