> > > Aperghis, Georges: Werke für Viola und Saxophon
Freitag, 22. November 2019

Aperghis, Georges - Werke für Viola und Saxophon

Neues für Bratsche und Saxophon


Label/Verlag: Kairos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Diese neue Produktion von Kairos mit Werken für Viola und Saxophon(e) bietet einen außerordentlich guten Einstieg in das Komponieren von Georges Aperghis.

Eine eigentümliche, aber dennoch in höchstem Maße faszinierende Besetzung ist es, die auf dieser neuen Veröffentlichung des Labels Kairos ihren Platz gefunden hat, denn im Blickpunkt stehen zwei Werke, in denen Georges Aperghis (*1945) eine Konfrontation der Viola mit dem Saxophon wagt: Mit dem Ensemble XASAX (‚ensemble de saxophones modulable’ mit Serge Bertocchi, Jean-Michel Goury, Pierre-Stephane Meugé und Marcus Weiss), das für seinen virtuosen Umgang mit zeitgenössischer Saxophonmusik bekannt ist, und der phänomenalen Bratscherin Geneviève Strosser bietet die Produktion eine Interpretation auf höchstem Niveau; zugleich stellt sie aber auch einen hervorragenden – und anregenden – Einstieg in das Schaffen des griechischen, heute in Frankreich lebenden und wirkenden Komponisten dar.

Im gedanklichen Zentrum der CD steht das Stück 'Crosswinds’ für Viola und Saxophonquartett (1998), das dem Hörer sofort bewusst macht, wie wenig der Komponist am aufpolierten Schönklang des gewählten Instrumentariums interessiert ist. Die eingesetzten Farbkombinationen basieren auf ungewöhnlichen Klangerzeugungsarten und erweisen sich dabei als außerordentlich gut durchdacht. In den Zwischenräumen der stark miteinander verzahnten Einzelstimmen entfaltet die Musik eine ganz besondere Wirkung, dort etwa, wo die Hyperaktivität plötzlich abreißt und längere oder kürzere Pausen klaffen, also unverhoffte Stille eindringt. Ähnliche Klangeindrücke zeichnen die Duokomposition 'Rasch’ für Viola und Saxophon (2006) aus, und auch hier wird die Verflechtung von Streich- und Blasinstrument (Pierre-Stephane Meugé mit Sopransaxophon) stellenweise bis zum völligen Verwischen der instrumentalen Charakteristika getrieben, so dass das Duo wie ein einziger Klangerzeuger wirkt.

Im Gegensatz hierzu zeichnet sich in 'Alter ego’ für Saxophon (2001) die Nähe von Aperghis’ Musik zum Gestus der Sprache ab. Marcus Weiss (Tenorsaxophon) findet hier zu einem faszinierend vielfältigen Vortrag, bei dem sich subtile Veränderungen und Pulsationen der Tonhöhe in Mehrklänge verzweigen und der Reichtum an raschen Registerwechseln die Idee einer imaginären Zwiesprache aufkeimen lässt. In eine ähnliche Richtung führt die Komposition 'Volte-face’ (1997) für Viola, in der Geneviève Strosser ihr technisches und musikalisches Können auf eindrucksvolle Weise unter Beweis stellt: Wie eine nuancenreiche Simulation von Sprache wirkt der Bratschen-Monolog, in gleichem Maße geprägt von sehr zärtlich ausgesponnenen Stellen und verspielt anmutenden Passagen wie von heftigeren Ausbrüchen, dabei aber immer durchzogen von assoziativ gesetzten Splittern, die von fern her an die Tradition des Rezitativs erinnern mögen.

Eine Sonderstellung nimmt schließlich die Komposition 'Signaux’ (1978) ein, deren variable Besetzung vier Instrumente von gleicher Klangfarbe und gleicher Tonhöhe vorsieht. Für die hier zu hörende Realisierung mit vier Saxophonen hat das Ensemble XASAX das komponierte Material insgesamt dreimal in unterschiedlichen Tempi eingespielt. Diese Aufnahmen wurden von Aperghis anschließend, wie Patrick Hahn in seinem lesenswerten und fundierten Booklet-Essay beschreibt, im Studio nach Gehör zu einem virtuellen, zwölfköpfigen Saxophonorchester montiert. Das Ergebnis ist eine mehrschichtige, von ständigen Verschiebungen und Überlappungen gekennzeichnete Musik, deren äußere Erscheinung stellenweise an elektronisch erzeugte Klänge erinnert. Und auch daran wird deutlich, wie sehr dem Komponisten daran gelegen ist, das gängige Klischee der Saxophonklangfarben zugunsten eines alternativen Zugangs zum Klang vermeiden.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:





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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Aperghis, Georges: Werke für Viola und Saxophon

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Spielzeit:
Kairos
1
19.06.2009
049:25
Medium:
EAN:
BestellNr.:

CD
9120010281518
KAI 0012942


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Kairos

KAIROS, das 1999 von Barbara Fränzen und Peter Oswald gegründete Label mit Sitz in Wien, widmet sich ausschließlich der Veröffentlichung von Werken Neuer Musik. Neben Werk- und Künstlerauswahl sind höchste Ansprüche in der Tontechnik und eine moderne Verpackung, unterstützt durch die Covergestaltung des österreichischen Malers Jakob Gasteiger, wesentlicher Bestandteil des Gesamtkonzepts.
KAIROS ist der erfüllte, der gelingende Augenblick. Mit diesem Wort benannte die griechische Antike die glückliche Übereinstimmung des Hier mit dem Jetzt, den günstigen Moment, der schicksalhaft entgegentritt und entschieden genutzt werden will.
KAIROS will jene erfüllte Zeit, die wir ?Musik? nennen, aufbewahren. Was musikalisch an der Zeit ist, heutigem Hören neue Räume und Erfahrungen öffnet, soll in Interpretationen, die den günstigen Moment ergriffen haben, für unsere Hörer gebannt werden.
Der Augenblick, und wäre er noch so schön, verweilt nicht. Aber er kann wiederkehren, und obwohl wir dann nicht mehr die selben sind, kann er uns erneut ergreifen und verwandeln. In diesem Sinn will KAIROS die Musik der Gegenwart, die unendlichen Abenteuer des Hörens, die sie bietet, der Zeitgenossenschaft zurückschenken. Damit die Gunst des Moments nicht ungenutzt vorüberzieht.
KAIROS will die Musik der Gegenwart wieder zu Musik für die Gegenwart machen. Dabei gehen wir in der Auswahl der Komponisten und ihrer Stücke keine Kompromisse ein: nur Musik, an deren Kraft und Fortbestehen wir glauben, die herausfordernde ästhetische Positionen einnimmt und neue Wege des Klangempfindens erschließt, soll in einer auf das individuelle Werk abgestimmten Aufnahmequalität präsentiert werden. Ausführliche, informative Booklets mit lesbaren Werkkommentaren und Beiträgen von Schriftstellern, die den Komponisten wahlverwandt sind, sollen nicht nur Musikkenner ansprechen sondern auch all jene neugierig machen, die neue künstlerische Entwicklungen unserer Zeit erleben wollen.
Die einzelne CD wird so zu einer Art Gesamtkunstwerk, ausgestattet mit einem Booklet, dessen Texte sich dem Nicht-Sagbaren der Musik auf essayistische, analytische und literarische Weise annähern, und in einer gleichermaßen kunstvollen wie praktikablen Box, deren Cover von dem österreichischen Künstler Jakob Gasteiger gestaltet sind. KAIROS: Musik als Wegbegleitung für den Aufbruch in neue Zeitalter.


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