> > > Hecht, Julia: Cello spielen. Eine Einführung für neugierige Erwachsene. Band 1
Mittwoch, 20. September 2017

Hecht, Julia - Cello spielen. Eine Einführung für neugierige Erwachsene. Band 1

Konzentrierte Vielfalt - 1


Label/Verlag: Edition Peters
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Das Lehrwerk ?Cello Spielen? von Julia Hecht erweist sich als konzentrierter Lehrgang mit exemplarischer Stückauswahl für den effektiven und vielseitigen Unterricht mit Erwachsenen.

Immer mehr Erwachsene nehmen Cellounterricht, sei es, um sich endlich einen Kindheitswunsch zu erfüllen, sei es als Ausgleich zum beruflichen Alltag. Die Hemmschwelle, sich als erwachsene Person an ein Streichinstrument heran zu wagen, ist allerdings meist recht hoch; viele trauen sich die erforderlichen Fähigkeiten nicht zu. Zu Recht hat Julia Hecht hier Bedarf an einem geschickt konzipierten Lehrgang für Erwachsene entdeckt: Die Standardlehrwerke, etwa von J.J.F. Dotzauer oder Folkmar Längin, die sich für erwachsene Schülerinnen und Schüler anbieten, sind, wenn auch immer noch aktuell, doch schon einige Jahrzehnte auf dem Markt. Gesucht hat Julia Hecht wohl nach einem ganzheitlichen Konzept, den Erwachsenen einen Weg zum Cellospiel, zur Musik und zu sich selbst zu ebnen. Als Cellistin und Cellopädagogin sitzt sie da auch an der Quelle. Der erste Band erschien 2007 bei der Edition Peters.

Im ersten Band werden einerseits grundlegende Stricharten vermittelt, vom Grund- und Wechselstrich über abgesetzte Noten auf einen Strich, ungleiche Stricharten, gebundene Noten, verschiedene Artikulationen bis hin zu geworfenen Strichen. Das Aufsetzen der Finger der linken Hand wird über den dritten Finger eingeführt. Es folgen der erste, der vierte und schließlich der zweite Finger, anschließend der Gebrauch von zweitem und drittem Finger im Wechsel – eine herkömmliche Vorgehensweise. Dem entsprechend folgen der Tonart C-Dur und den Kreuz-Tonarten G- und D-Dur die B-Tonarten F- und B-Dur. Das letzte Kapitel führt bereits die weite Lage nach unten ein, und in einem Exkurs über das Stimmen tauchen die ersten natürlichen Flageolett-Töne auf.

Die Überschriften der einzelnen Kapitel richten sich nach der Reihenfolge der Einführung der Finger der linken Hand. Außerdem beinhalten die Kapitel Übungen für die rechte Hand, kurze Exkurse in die allgemeine Musiklehre, sowie musikgeschichtliche Erläuterungen zu den Titeln der Stücke (eine fehlerhafte Übersetzung hat sich dabei eingeschlichen: Statt mit ‚subito forte’ sollte sf wohl korrekt als ‚sforzato’ erklärt werden). Darüber hinaus finden sich immer wieder Impulse zur aktiven musikalischen Gestaltung, zum Improvisieren mit dem eingeführten Material, zum Niederschreiben der musikalischen Ideen und zur Wahrnehmung des eigenen Körpers.

Sehr zu beherzigen ist der Hinweis der Autorin, die Celloschule nicht in eigener Regie, sondern im Unterricht mit einer Lehrperson einzusetzen. Als unerfahrene Spielerin oder unerfahrener Spieler dürften die Kommentare nämlich oft nicht in adäquater Weise verstanden werden. Eine erfahrene Lehrperson findet in ihnen jedoch kurz und bündig gefasste Schlüsselbegriffe, die sie aufgreifen und im Unterricht erläutern kann. Trotz der schlüssigen Anweisungen bleiben der Lehrperson Freiheiten; so wird nicht vorgeschrieben, ob die Stücke (vor allem in der ersten Zeit des Unterrichts) zuerst gezupft und erst dann gestrichen werden. Ebenso sind Bogenstriche nur spärlich vorgezeichnet. Womöglich zielt dies darauf hin, die Schülerin oder den Schüler auf das selbständige Einrichten der Stücke zu sensibilisieren. Genau dies wird am Schluss des ersten Bandes auch ausdrücklich verlangt.

Die Einführung ins Cellospiel überzeugt durch den kompakten Aufbau und die exemplarisch ausgewählten Stücke zu den verschiedenen Lernthemen. Dies rechtfertigt die konzentrierte Gestaltung insofern, als die Lehrperson auf einfache Weise ergänzende Werke je nach Bedarf einflechten kann. Der Lernstoff vorangegangener Kapitel wird geschickt in die folgenden Stücke integriert. Die Ganzheitlichkeit, mit welcher das Cellospiel angegangen wird, dürfte ein wesentlicher Unterschied zu bisherigen Lehrwerken darstellen – gerade Erwachsene sind erfahrungsgemäß dankbar für vielerlei Impulse, sich selbst auf verschiedene Weise zu begegnen.

Etwas schade ist, dass bei den meisten Volksliedern die Quellenangaben fehlen, stehen doch bei den anderen Stücken jeweils informative Erläuterungen zu Gattung und Komponist dabei. Störender fallen allerdings die Fotos auf, die fast durchwegs sehr verkrampft wirken, insbesondere jene der linken und rechten Hand. Dieser Eindruck kommt unter anderem durch die unnatürliche Distanz des Instruments vom Hals zustande. Gerade die linke Hand erscheint in den meisten Abbildungen zu krallenhaft aufgestellt. Im ersten Band gilt der linken Hand auch weniger Aufmerksamkeit als der rechten; die Schulung des Gehörs und der Intonation wird erst im zweiten Band vermehrt angesprochen. Etwas undifferenziert wird darüber hinaus der Einsatz des Körpers beim Spielen behandelt. Die Schülerin bzw. der Schüler wird lediglich dazu aufgefordert, mit dem Körper mitzuschwingen. Hier ist eine kompetente Sensibilisierung auf das Thema von Seiten der Lehrperson unabdingbar.

Nun dürfen die weniger gelungenen Aspekte der Ausgabe keineswegs dazu führen, den pädagogischen Wert der beiden Hefte zu schmälern: Der klar zu erkennende rote Faden, die geschickte Stückwahl und die sympathische, unkomplizierte Art der Kontaktaufnahme der Autorin mit der Schülerin bzw. dem Schüler machen das Lehrwerk in der Verwendung für den Unterricht für Erwachsene zu einem ausgezeichneten Begleiter. Der Eigenkompetenz der Lehrperson steht nichts im Wege, die reichlich vorhandenen Impulse aufzugreifen, um den Traum, Cello zu spielen, auch im Erwachsenenalter wahr werden zu lassen.

Klangqualität:
Repertoirewert: 



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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Hecht, Julia: Cello spielen. Eine Einführung für neugierige Erwachsene. Band 1

Label:
Anzahl Medien:
Edition Peters
1
BestellNr.:
EP 11057a

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"Das Heft wurde konzipiert für Erwachsene ohne Vorkenntnisse im Cellospiel. Klare, übersichtliche Lernschritte ermöglichen die sichere Aneignung der technischen Grundlagen. Schritt für Schritt und praxisnah werden die angehenden Cellisten auch an das Notenlesen herangeführt. Kurze Stücke z. B. von Beethoven oder Mozart (zum Teil mit Klavierbegleitung) steigern Spielfreude und Motivation, und die zahlreichen Duette für Schüler und Lehrer schulen zudem das Gehör. Durch Anregungen zur Improvisation kommt auch die eigene Phantasie nicht zu kurz. Darüber hinaus vermitteln kleine Exkurse musikgeschichtliche Grundlagen. "


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Edition Peters

Seit mehr als 200 Jahren steht der Musikverlag C. F. Peters im Dienst von Musikpflege und Musikwissenschaft. Ausgaben klassischer wie zeitgenössischer Werke vereinigen sich in der EDITION PETERS zu einem Gesamtkatalog mit mehr als 12.000 lieferbaren Titeln. Erstklassige Qualität im Druck, ihr eigenes wissenschaftliches Profil und ihre Bezogenheit zur Praxis haben die Ausgaben der EDITION PETERS zu verlässlichen Garanten für eine musikalische Beschäftigung auf hohem Niveau werden lassen. Ungeachtet dessen hat es sich der Verlag zur selbstverständlichen Aufgabe gemacht, die an seine Editionen gestellten Qualitätskriterien immer wieder neu zu überprüfen.

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