> > > Schubert, Franz: Sämtliche Ouvertüren Vol. 2
Samstag, 28. Mai 2022

Schubert, Franz - Sämtliche Ouvertüren Vol. 2

Fortgesetztes Mittelmaß


Label/Verlag: Naxos
Detailinformationen zum besprochenen Titel


Wie schon die erste Folge von Schuberts kompletten Ouvertüren gerät auch die Fortsetzung klanglich zu einförmig und konturlos.

Waren auf der ersten der beiden bei Naxos erschienenen CDs mit sämtlichen Ouvertüren Schuberts vornehmlich unbekannte Frühwerke zu hören, so finden sich auf der zweiten mit derjenigen ‘im italienischen Stil’ D 591 und zu ‘Rosamunde’ D 644 immerhin zwei Werke dieses Genres, die auch heute noch einigermaßen bekannt sind und des Öfteren einmal im Konzertsaal erklingen. Für alle, die sich vorab fragen, ob der Fortsetzung weiterhin so komplizierte musikalische und biographische Zusammenhängen anhaften – bitteschön, hier sind sie: Zu besagter ‘Ouvertüre im italienischen Stil’ gibt es ein zeitgleich entstandenes Pendant gleichen Titels; von beiden ist aber keineswegs sicher ist, ob die jeweilige Überschrift tatsächlich auf Schubert zurückgeht. Die Ouvertüre zu ‘Die Zauberharfe’ lief lange Zeit fälschlich als diejenige zum Schauspiel ‘Rosamunde’, zu dem wiederum anlässlich der Uraufführung das Vorspiel zu ‘Alfonso und Estrella’ D 732 verwendet wurde. Ob Schubert die Auswechslung selbst vorgenommen hat, lässt sich nicht genau sagen. Gesicherte Erkenntnisse über Aufführungen zu Schuberts Lebzeiten liegen lediglich bzgl. der Schauspielmusik zu ‘Rosamunde’, des Melodrams ‘Die Zauberharfe’, des Singspiels ‘Die Zwillingsbrüder’ sowie einer der beiden ‘Italienischen’ statt. Durchschlagender Erfolg war keinem der Werke beschieden. Die restlichen erlebten ihre Uraufführung erst posthum, im Falle von ‘Alfonso und Estrella’ beispielsweise 1854 in Weimar auf Initiative des bekennenden Schubert-Fans Franz Liszt. Diese Oper und ‘Fierrabras’ sind es auch, die heute als einzige ein halbwegs rehabilitiertes Dasein führen und ab und an auf den Spielplänen auftauchen. Die übrigen Bühnenstücke ließen sich nach Schuberts Tod teils schon deshalb nicht mehr aufführen, weil Text und/oder Musik verloren gegangen sind – oder zumindest vorübergehend waren. Im Fall von ‘Rosamunde’ wurde der zwischenzeitlich verschollene Originaltext immerhin wieder aufgefunden und 1996 neu veröffentlicht. Die Reihenfolge der einzelnen Musiknummern ist jedoch bis heute nicht zweifelsfrei geklärt.

Am überzeugendsten von den insgesamt neun Werken gelingen der Prager Sinfonia unter Christian Benda eben jene ‘falsche’ Rosamunde-Ouvertüre, die zweite ‘im italienischen Stil’ und die zu ‘Fierrabras’. Darin kreiert das Orchester durchaus dynamische und agogische Spannungsmomente, die ansonsten – wie schon auf dem ersten Album – auch hier eher dünn gesät sind. Ohne für eine Überdosis an dramatischem Gestus plädieren zu wollen: Ein bisschen mehr klangliche Vielschichtigkeit und gestalterische Impulse hätten es schon sein dürfen, und so entsteht über weite Strecken der Eindruck einer recht uninspirierten Lesart, den auch die untereinander als einzige deutlich subtiler agierenden Holzbläser allein nicht retten können.

Eher enttäuschend ist auch das Booklet, denn wer sich beide CDs kauft, kann in den jeweiligen Begleitheften ungefähr zur Hälfte – teilweise sogar wörtlich – dasselbe lesen.

Interpretation:
Klangqualität:
Repertoirewert: 
Booklet:




Thomas  Gehrig Kritik von Thomas Gehrig,


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Detail-Informationen zum vorliegenden Titel:



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    Schubert, Franz: Sämtliche Ouvertüren Vol. 2

Label:
Anzahl Medien:
Veröffentlichung:
Naxos
1
11.05.2009
Medium:
EAN:

CD
747313032976


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Naxos

Als der Unternehmer Klaus Heymann 1982 für seine Frau, die Geigerin Takako Nishizaki in Hongkong das Plattenlabel Marco Polo gründete, war dies der Beginn einer beispiellosen Erfolgsgeschichte. Fünf Jahre später rief Heymann das Label NAXOS ins Leben, das in der Klassikwelt längst zur festen Größe geworden ist und es bis heute versteht, hohe Qualität zu günstigen Preisen anzubieten. Der einzigartige und sich ständig erweiternde Katalog des Labels umfasst mittlerweile über 8.000 CDs mit mehr als 130.000 Titeln - von Kostbarkeiten der Alten Musik über sämtliche berühmten "Klassiker" bis hin zu Schlüsselwerken des 21. Jahrhunderts. Dabei wird der Klassik-Neuling ebenso fündig wie der Klassikliebhaber oder -sammler. International bekannte Künstler wie das Kodály Quartet, die Geigerin Tianwa Yang, der Pianist Eldar Nebolsin und die Dirigenten Marin Alsop, Antoni Wit, Leonard Slatkin und Jun Märkl werden von NAXOS betreut. Darüber hinaus setzt NAXOS modernste Aufnahmetechniken ein, um höchste Klangqualität bei seinen Produktionen zu erreichen und ist Vorreiter in der Produktion von hochauflösenden Blu-ray Audios - Grund genug für das renommierte britische Fachmagazin "Gramophone", NAXOS zum "Label of the Year" 2005 zu küren. Auch im digitalen Bereich nimmt NAXOS eine Vorreiterrolle ein: Bereits seit 2004 bietet das Label mit der NAXOS MUSIC LIBRARY ein eigenes Streamingportal mit inzwischen über 1 Million Titel an und unterhält mit ClassicsOnline zudem einen eigenen Download-Shop.


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